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Der Israelit · 1864-12-28 · Heft 52 (28.12.1864) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
5 (1864)
Issue
Heft 52 (28.12.1864)
Date
1864-12-28
Page
– (sequence 8)
Language
German
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binaWchtet worden. O mein gutes Weib, mein armesWßib!" — So jammerte der Mann noch viele MvnSWbmdurch, und nimmer konnte er seines guten WeibesMrgeffen. — Schon glaubte der treulose Bruder aller Sorgen wegen seines begangenen Verbrechens für immer überhoben zu sein; aber der himmlische Richter laßt nichts ungestraft. — Der schändliche Mann stand noch mit den von ihm gedungenen falschen Zeugen, an welche die Gemeinschaftlichkeit des Frevels ihn für immer gefesselt, in enger Berührung. — Ta geschah's, daß die beiden Zeugen von dem im Morgenlande so bösartigen Aussatze befallen wurden und durch ihre Berührung auch den Urheber und Spießgesellen ihres Verbrechens ansteckten. — Alles floh dieselben, und sie mußten fast ausgeschlossen von menschlicher Wohnung und menschlicher Gesellschaft leben. — Da sagte einer von ihnen: „Ich habe von einer Frau sprechen hören, die nicht fern vom Meere wohnt und eine wunderbare Kenntniß in der Heilkunde besitzt, sich aber ganz besonders auf die Heilung der Hautkrankheiten versteht; laßt uns dahingehen und versuchen, ob auch wir bei ihr Genesung finden." — Die beiden Andern billigten den Vorschlag, und so kam der Treulose zu seinem Bruder und theilte ihm sein Vorhaben mit, indem er ihn ersuchte, die Aufsicht über sein Haus unterdessen zu übernehmen. — „Ich werde Dich begleiten," antwortete der Bruder. „Was soll ich hier allein in meinem Herzeleid an einem Orte, wo mich AM an mein gutes Weid erinnert-, wo ich einst an ihmWSeite so glückliche Tage genoß, und wo ich sie, ach, wieder zu finden hoffte! Ich wünschte mich schon lange hinweg!" — So zogen denn die Vier fort und gelangten auch nach einigen Wochen bei der Frau an. Sie erkannte alle augenblicklich; doch wußte sie sich sogleich zu fassen und ließ sich nichts davon merken. „Woher kommt Ihr, und was sucht Ihr hier? frug sie die Männer „Wir haben," nahm der treulose Bruder das Wort, „von Deiner außerordentlichen Geschicklichkeit gehört, und so kommen wir, da wir seit einiger Zeit krank sind, Deine Hilfe in Anspruch zu nehmen. Wir sind reich genug, Deine guten Dienste reichlich zu lohnen." — „Gott allein ist reich genug," antwortete die Frau, „um das Gute und auch das Böse in vollem Maaße zu vergelten, und nicht um ihres Neichthums willen suche »ich den Leidenden zu helfen. — Du und Deine beiden Genossen, Ihr drei seid mit einem bösen Aussatze behaftet, ich sehe es Euch an, mit einem Anssatze, den Gott nur um ihrer großen Sünden willen nt.r , die Menschen schickt. Darum thut es vor Allem Noth, wenn, nicht ich, sondern Gott Euch helfen soll, daß! Ihr Euere Sünden mir offen bekennt." — Da fingen dEZWulose Bruder und seine Genossen ML, von ihrer Sündhaftigkeit zu erzählen, wie sie in ihren Geschäften leider, so Manchen betrogen und cheloge ' „Lug und Trug," „sind große Sünden, aber nicht groß genug daß der gütige Gott sie so hart strafen sollte. Nein, Euere - Sünden waren ganz anderer Art, und wollt Ihr sie nicht vor Gott, vor mir und Euerem vierten Begleiter da offen bekennen, so geht und tragt Euer Elend bis! an Euer Ende, kein Mensch kann Euch Helsen, Keiner wird Euch helfen mögen." — Von dem strafenden Ernste der Frau getroffen, i begannen nun zuerst die beiden Zeugen offen zu be- - kennen, wie sie einst, auf die Veranlassung dieses Man-! nes hier, falsches Zeugniß gegen eine unschuldige Frau! abgelegt und so den Tod derselben durch Steinigung! verursacht hätten. Sie rangen die Hände und baten! nm Vergebung ihrer Sünden und um Hilfe in ihreri j Noth. — Die Elenden hatten keine Ahnung Havon, j daß die Frau, die sie jetzt um Hilfe anflehten, meselbe sei, die sie so schändlich geopfert. — „Flieht!" sagte die Frau, „flieht! ich kann und darf Euch nicht HA fen. Gott hat Euch gezüchtigt, daß Ihr seine GeböT so ruchlos übertreten. Er hat gesprochen: nicht als VerläuiAer umher? und stehe nicht dem Blute DeinD Nächsten!"" und JhMMrbt Verbote so schändlrch gebrochen! Flieht! Jchkann und darf Euch Dicht helfen. Aber wißt auch voch, und Das mögt Ahr als Trost mitnehmen, daß ich dieselbe Frau bin, die Ihr so ohne Erbarmen einem schuldlosen Tode preisgegeben, die aber durch die wunderbare Hilfe Gottes, gelobt sei Sein Name! unter dem Stein-^^ Haufen hervor gerettet worden ist. Flieht, und erkennt die Gerechtigkeit Gottes!" — Die Beiden stürzten davon und ihnen nach der treulose Bruder. — Der Mann aber, der bis jetzt, von unanssprechlichen Gefühlen ergriffen, stumm und starr dagestanden, er stürzte ans dieKniee nieder und streckte die Hände zu einem innigen Dankgebete zu Gott empor. Dann sprang er aus und rief: „O trautes Weib meiner Seele, kennst Du mich? Ich habe trotz den Zeugen nie an Deiner treuen Liebe gezweifen!" — Lange hielten sich beide Gatten umschlungen, nur durch Thränen vermögend, ihre Gefühle gegenseitig kundzugeben. Der Mann aber beschloß, die neue Heimath seines geliebten wiedergefundenen Weibes auch zu der seinen zu machen, bannt sie hier zum Danke gegen Gott auch ferner der Trost und die Zuflucht der Leidenden bleibe. — Hierz» eine Beilage.

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