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Der Israelit · 1864-12-28 · Heft 52 (28.12.1864) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
5 (1864)
Issue
Heft 52 (28.12.1864)
Date
1864-12-28
Page
– (sequence 3)
Language
German
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»85 ängstlich für sein Leben, baß er Bagdad verließ und nach Bushir, dem Sitz eines englischen Residenten, sich begab, von wo er nach kurzem Aufenthalte sich nach Bombay hauptsächlich aus dem Grunde aufmachte, weil sich ihm dort angenehme commercielle Verbindungen eröffnetkn. Er ließ seine Familie Nachkommen, und bald war er einer der unternehmendsten und an- : gesehensten Kaufteute des Platzes, der seine Agenturen! in Shanghai, Kanton und Japan hatte und dieselben ' durch Mitglieder seiner Familie leiten ließ. Wie als Geschäftsmann war Saffoon als Mensch und Bürger . gleich ausgezeichnet. Er ließ sich keine Gelegenheit entgehen, bei der er Armen und Bedrängten beistehen konnte, und es ist bekannt, daß man selten oder nie einen l seiner Stammes- und Glaubensgenossen anderswo bet-! teln gesehen, weil jeder derselben wüßte, daß er nicht vergeblich an des reichen Menschenfreundes Thür klopfte.! Auch war er stets der loyalste Anhänger und Verthei- , diger der englischen Regierung. Als seiner Zeit die Nachricht von der Empörung der nordwestlichen Pro- , vinzen in Bombay eintraf, schrieb Saffoon, der längst als das thatsächliche Oberhaupt der Gemeinde angesehen wurde, sofort an den Gouverneur und stellte demselben nicht Nur die guten Dienste der gesammten israel. Einwohner zur Verfügung, sondern bot ihm auch die Kriegstüchtigen als freiwillige Kämpfer an. > Dieses Austreten hatte zur unmittelbaren Folge, daß die bis dahin Unentschlossenen sich sofort mit ihm verz banden, und das Endergebnis davon war, daß die > allerdings vorhandeilen Keime der Empörung in der wichtigen Stadt Bombay rechtzeitig zerstört wurden. Die englische Regierung sprach dem treuen Bürger die verdiente Anerkennung für sein loyales Verhalten aus, und als später Saffoon zu Ehren der Uebergabe der indischen Besitzungen an die Krone England ein großes Gastmahl veranstaltete, brachte Lord Elphmstone, der Gouverneur von Bombay, ein Hoch auf das! Wohl des verehrten Gastgebers ans, „dem man nie vergessen werde, daß, als die Gefahr am Drohendsten! war, er und seine Familie zuerst der bedrängten Regierung zu Hilfe geeilt feien." Zu gemeinnützigen und menschenfreundlichen Zwecken - hat Saffoon mehr als 100,000 Psd. Sterling, also etwa 700,0(0 Thaler unseres Geldes, verwendet. Er! hat, um nur das Wichtigste zu erwähnen, ein Fortbildungs - und Industrie-Institut begründet Md reich i auSgestattet: er hat Knaben- und Mädchenschulen ein-! gerichtet und gewährt jeder derselben eine jährliche Unterstützung von 600 Psd. St. (3383 Thlr ). Für die Schüler hat Herr Saffoon hebräische und englische Bücher zum Unterrichten und für den Gottesdienst auf seine Kosten in Deutschland drucken lassen. Herr Saffoon ist besonders' ein großer Verehrer der hebr. Sprache, der es sich zur Aufgabe macht, die Lehrer der Schulen zu überwachen, daß der Unterricht in denselben nicht vernachlässigt wird. Im Jahre 1860 ist dem auf dem Gebiete der hebr. Literatur rühmlichst bewanderten Herrn Vr. Steinschneider der Auftrag aus dem Hause Saffoon zugegangen, eine Auswahl gediegener hebr. Gedichte von namhaften Männern zu sammeln, welche Sammlung in Berlin für die Schule Saffoon's gedruckt und nach Bombay befördert worden. Er hat Friedhöfe in Bombay, Poonah, Shanghai und Hongkong angelegt; er hat den Marme- Wohlthätigkeitsanstalten zu Bombäy und Hongkong reichliche Beiträge zufließen lassen; und die Sammlungen für Nothleidende aller Art, zur Unterstützung der Wittwen und Waisen von Beamten und Ofsicieren, welche während des Aufstandes das Leben verloren, so wie jzur Unterstützung der arbeits- und brodlos gewordenen Weber von Lancashire in England haben ansehnliche Summen aus Saffoon's Beutel auszuzeigen. Unter den neuesten gemeinnützigen Schenkmgen des seltenen Mannes sind namentlich hervorznheben 2500 Psd. St. zu einem AM für die Invaliden und Armen von Poonah und 1500Pfd. St. zu einem allgemeinen Hospital in Poonah, zu welchem am 6. Oclober 18l>3 der Grundstein gelegt wurde. Der Gouverneur Air H. B. Frere richtete bei dieser Gelegenheit unter Anderm folgende Worte an Saffoon: „Sie haben g^eigt, Sir, von welchem Gefühle Sie für unsere Landsleute beseelt sind, indem Sie Ihre Kinder nach englischer Wesse erziehen und sie mit den Grundsätzen vertraut machen, deren Bekenner von Ihrer Majestät wie von der Nation vorzugsweise für geeignet erachtet werden, mit der Verwaltung der öffentlichen Angelegenheiten betraut zu werden. Es gibt nicht einen einzigen Bewohner Bombay's, welcher, selbst in dreien Tagen allgemeinen Wohlstandes, gleich Ihnen sich in EnKand ankaufen und unter die Grundergner GroßbritanienS eintreten tonnte; aber es gibt viele, welche, Ihrem Beispiele folgend, ihre Söhne in eine englische Schule schicken könnten, damit diese nicht bloß Das lernen, was die englischen Unterthanen wissen, sondern auch Das , was sie glauben und bekennen in Bezug auf Gegenstände von einem ungleich dauernderen und wichtigeren Interesse, als es die Kunst ist, die da lehrt, wie der Reichkhum des modernen Handels sich anhärfft und zerfließt. Entschuldigen Sie, daß ich Persönlichkeiten berühre, aber ich wällte nur der Dankbarkeit Ausdruck geben, welche hier Jedermann mit mir für Sie hegt. Möge es nns vergönnt sein, diesen Bau vollendet zn sehen nach Ihrem Wunsche, Md möge dadurch Ihre edle Md wohlwollende Absicht, den Armen Hilfe und Trost zu bringen, erfüllt werden; mögen aber auch Sie selbst noch lange unter uns «eilen als ein lebendiger Träger jenes Segens, der nach den Worten des königlichen Sängers Ares Volkes aus Dem rnht, welcher den Armen und Kran-

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