Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 5 (1864)
- Issue
- Heft 51 (21.12.1864)
- Date
- 1864-12-21
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2446951-2447141-2447191--03072-2458449- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Mohel 1× ep/1006163
OCR text
680 Keilschrift, hatte vom Kaiser eine Einladung zum Besuche nach Compiegne, wo gegenwärtig der kaiserliche Hof weilt, erhalten und wurde daselbst mit großer Auszeichnung behandelt. In einer Abendgesellschaft forderte ihn die Kaiserin auf, ihren Namen in Keilschrift zu schreiben; er entledigte sich dieser Aufgabe um so mehr zur allseitigen Zufriedenheit, da unter den hohen Anwesenden Niemand war, der hätte Nachsehen können, ob er nicht gegen die Orthographie der Keilschrift verstoßen habe. Einmal, es war gerade bei der Tafel, fiel es dem Kaiser ein, sich zu erkundigen, welches Inhaltes eigentlich das Buch sei, das vr. Oppert den 20,000-Franken-Preis verschafft habe. Er wandte sich an den General Goyon; da eS dieser auch nicht wußte, so sandte er einen Bedienten an Or. O., um diesen selbst zu fragen. „Uon Irvrs, sagte I)r. O., 6 68t Io ck^odisirevaevt ckss iusoriptiovs 6UU6itorra68." (Mein Buch enthält die Entzifferung der keilförmigen Inschriften) Dem Bedienten mußte das spanisch Vorkommen, denn er meinte: „6s n'ossrai ^amais r-.pporter uns teils röpovss!" (Ich werde niemals wagen, eine solche Antwort zu überbringen I) Amerika. New-Bork. Vor einem hiesigen Gerichtshöfe wurde dieser Tage ein Prozeß verhandelt, wie ein ähnlicher wohl noch niemals vorgekommen ist. Ein Jsraelite hatte vor Jahren sich hartnäckig geweigert seine Söhne beschneiden zu lasten. Die Thränen und Wünsche seiner Gattin hatten keine Wirkung auf ihn hervorzubringen vermocht. „Ich bin dagegen," war stets Alles, was er erwiederte, und das schien ihm gewichtig genug. Seine unglückliche Frau litt dabei unaussprechlich. Als nun ihr Mann unlängst auf einige Tage verreist war, benutzte sie diese günstige Gelegenheit und ließ ihre 4 Söhne auf einmal in den Bund Abrahams aufnehmen. Als der Mann zurückkam, fand eine Scene statt, die wir nicht beschreiben mögen. Es genüge zu erzählen, daß der Vater den Mohel und alle diejenigen, welche beim Akte der Beschneidung zugegen gewesen waren, wegen Körperverletzung gerichtlich belangen ließ. Bei der Verhandlung führte er namentlich an, daß der Akt dem jüdischen Neligionsgesetze entgegen ausgeführt worden sei, da dieses den achten Tag von der Geburt an gerechnet als den Tag der Beschneidung festsetze. Der Mann vergaß, daß er selbst es war, welcher die Beschneidung zu der vondem Religionsgesetze bestimmten Zeit verhindert hatte. Der Gerichtshof sprach die Angeklagten frei und verurtheilte den Kläger zur Tragung der nicht unbedeutenden Kosten. Es geschieht ihm das schon recht, allein die arme Frau ist zu bedauern, die es wahrscheinlich entgelten muß. Wie wir vernehmen, will der Kläger gegen das Urtheil appelliren. Mag er es thun — es wird das seine Rechnung noch um ein Bedeutendes vergrößern. (I- M.) R u m e n i e n. Während hier in jüngster Zeit die freisinnigsten Gesetze gegeben wurden, sind und bleiben die Juden von allen Verbesterungen ausgeschlossen. Sie können weder Grundbesitz erwerben, noch haben sie bürgerliche oder politische Rechte. Unser Fürst hat an dieser Verfolgung und Ausschließung der Israeliten keinen Antheil; ernvar sogar auf dem Punkte, im vorigen Januar die vollständige Emancipation anzuordnen; allein der Minister, Herr Cogalniceano, hat ihn daran verhindert; derselbe hat auch im März die Kammer daran verhindert, in dieser Beziehung die Initiative zu ergreifen. Er war es, der bei verschiedenen Gelegenheiten zum Aerger der Gutgesinnten aller Confessionen das Judenthum verhöhnt, beleidigt und verläumdet hat; er ist auch der Urheber jenes unbilligen Gesetzes, welches die Juden vom Grundbesitze ausschließt, ein Gesetz, das ebenso gehässig wie unpolitisch ist und dem eigenen Lande zum höchsten Nachtheil gereicht Herr Cogalniceano handelt nicht etwa aus religiösem Fanatismus so, denn er gehört nicht zu den Gläubigen; es ist sein Verfahren ein reiner Act persönlicher Rache. Da ihm einige reiche jüdische Banquiers zu Jassy früherhin den Credit versagt haben, so überträgt er den Haß gegen diese auf die ganze jüdische Nation; möchte doch Herr Cogalniceano bedenken, daß das Glück der Haman und Consorten nur stets von kurzer Dauer ist. Herr Cogalniceano hat in den jüngsten rumenischen Wirren die Hauptrolle gespielt; er rechnet vielleicht auf Ruhm, den er möglicherweise auch verdient hat; aber sein unversöhnlicher Haß gegen einen friedlichen Theil der Bevölkerung, seine Verfolgungen gegen die schwachen Israeliten, werden wie ein dunkler Flecken an seinem Rufe hasten. — Wir hoffen, daß die europäische Presse sich unserer armen unterdrückten rumenischen Glaubensgenossen annehmen wird, welche kein Unrecht gethan haben, die sich einzig den Glauben der Väter bewahren wollen. (Nach d. A. I.) Feuilleton. Levensgeschichte -es Rabbi Jizchak Äraum, Verfassers des philosophischen Werkes „Akedath Jizchak". (Nach der Vorrede des Rabbi CH. I. Pollack.) Wir können weder das Jahr noch den Ort angeben, in und an welchem R. Jizchak Arama geboren