Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 5 (1864)
- Issue
- Heft 51 (21.12.1864)
- Date
- 1864-12-21
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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679 ttchkeit eine Wahrheit und eine Lebensfähigkeit, von der die Masse" am besten zu erzählen weiß. Dieses Herz ist eine geschichtliche Überlieferung — wer an dasselbe einen Anspruch erhebt, will damit sagen: Vergiß nicht! Sei eingedenk dessen, was deine, was meine Väter mit einander erlebt, gelitten, wie sie sich gefreut und ivieder geweint haben! Es ist der Ausdruck der stärksten Zusammengehörigkeit, der geheimnißvolle Zug mitfühlender Theilnahme des Einzelnen für das Geschick seines Bruders — was die „Gaffe" ist und wie sie sich iüimer darstellt, ohne jenes „Herz wäre sie ein ganz Anderes. Wir hätten wahrscheinlich nichts von ihr zu berichten!" Da nun Rüben Schönmann kein jüdisches Herz hat, so gibt er seinen Kindern keine jüdische Erziehung, zum größten Schmerze seiner unglücklichen Gattin. Hieraus entstehen nun viele Conflicte; der Sohn stirbt, Vater und Tochter lassen sich taufen; aber die fromme Gattin verharrt im Glauben und Thun der Voreltern. Sie lebt fortan nur für ihre Glaubensgenossen, denen sie mit Rath und That beisteht. Am häufigsten ist ihr Platz am Bette der gefährlich Erkrankten. Dort harrt sie aus bis zum letzten Athemzuge. Dieser Umstand hat ihr den Namen „die Seelenfängerin" gegeben. — Nicht minder ergreifend sind die beiden andern Erzählungen des ersten Bandes: „die Annehmerin" nnd „die Augen der Mutter". In der ersten wird eine alte Frau gar trefflich geschildert, die sich zu Gottes „Annehmerin" aufgeworfen hat. Wiewohl nur eme arme Frau, die Wittwe eines „Sarwer's" (Aüfwärters bei Festmahlen), duldet sie kein Unrecht, sondern nimmt sich überall der Gedrückten an. Wiewohl oft genug verhöhnt und verlacht, führt sie doch Alles mit mächtiger Energie zum guten Ende. Die andere Erzählung stellt den schöne Gedanken dar, wie das „Sechuß" der verstorbenen, edlen Mutter trotz der Verkommenheit des elenden Vaters, der ein Spieler ist, den Kindern „beisteht" und sie durch Leiden Und Unglücksfälle hindurch zum glücklichen Ziele führt. Wahrend die Erzählungen des ersten Bandes nur sülche Conflicte darstellen, die innerhalb der Gasse erwachsen sind, bringen uns diejenigen des zweiten Bandes mit der nichtMischen Welt in Berührung; die erste heißt: „Christian und Lea." Die Frau eines Synagogendieners hat sich eines Kindes, des Sohnes eines chr. Schuhmachers, angenommen, das sie bei einer Ueberschwemmung gerettet hat. Sie will es in ihrem Hause als Christ erziehen, was sie auch wider den Willen ihres Mannes und trotz der Einsprache ihrer Verwandten ausführt. Natürlich erwächst der Familie kein Heil aus diesem Nebeneinander unvermittelter Gegensätze. — Die zweite Erzählung: „Die beiden Schwerdter," führt uns in die Zeit Kaiser Josephs ll. und des Toleranz - Edicts; die dritte: „Karfunkel," erzählt uns, wie ein jüdischer Vater sich verblenden läßt, um der äußeren Glücksgüter willen sein Kind nichtjüdischen Händen zu überantworten, wodurch er sich wie seine Tochter furchtbar unglücklich macht.— Wir zweifeln nicht daran, daß diese ^Geschichten" einen großen Leserkreis finden werden; sind doch Novellen die Lieblingsspeise unserer Zeit, und da ist es denn besser, wenn diese statt anderer gelesen werden. — Zeitungsnachrichten und Korrespondenzen. Deutschland. Hamburg, den 9. Dec. Geehrter Herr Redakteur! Indem ich glaube, den Wunsch einer ganzen Gemeinde auszusprechen,-ersuche ich Sie, mir einigen Raum Ihres geschätzten Blattes zu überlassen. Unsere Schwester-Gemeinde Wandsbeck, die ja bekanntlich bis vor wenigen Jahrzehnten eine der „drei Gemeinden" Hamburg, Altona, Wandsbeck bildete, besitzt seit dem 1. Aprit einen Prediger und Lehrer in Herrn Dr. Hanover, der mit aller Energie arbeitet, seiner Gemeinde den guten Ruf und den alten Glanz wieder zu geben. Die Schule gibt die besten und herrlichsten Zeugnisse seines anhaltenden Fleißes und den Predigten wie den zweimal in der Woche stattfindenden Vorträgen über uud hört die Gemeinde mit gespannter Aufmerksamkeit zu. — Möge dieser strebsame Mann das Ziel, das er-sich gesteckt, erreichen und seine Werke mit dem schönsten Erfolge gekrönt sehen. Daß die hiesige Gemeinde einer großen Veränderung entgegen sieht, ist Ihnen bereits bekannt. „Gedanken über die Neugestaltung der hiesigen Gemeinde" nennt sich eine Flug-Schrift, die ein „Gesammtjudenthum" predigt. Näheres darüber behalte ich mir vor. — Die Talmud-Thora-Schule, die jetzt bereits acht Klaffen zählt, wird mit dem nächsten Semester uin eine neunte Klasse vermehrt werden.. Aus Prag geht uns eine Mittheilung zu, die jedenfalls auch beachtenswerth ist. Die Gemeinderathswahlen haben daselbst ein für die deutschen Verhältnisse höchst ungünstiges Resultat geliefert, indem von 3o Candidaten nur 7 deutsche durchgebracht wurden, und in den beiden Bezirken, in denen dies geschah, wurden diese Wahlen nur mit Hilfe der jüdischen Bevölkerung möglich. In Altona ist Herr Pius Marburg zum Stadtverordneten erwählt worden. In Königsberg ist Herrn Oppenheim, der zum Stadtrath gewählt wurde, die Bestätigung seitens der Regierung versagt worden. B. S. Frankreich. Pari-, den 9. Dec. Unser Glaubensgenosse, Herr Or. Oppert, der berühmte Entzifferer der