Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 5 (1864)
- Issue
- Heft 51 (21.12.1864)
- Date
- 1864-12-21
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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681 wurde; wir wissen nur soviel, daß er im Norden Spaniens, inmitten des 15. JahrhrmderS, zuerst das Licht der Welt erblickte. Nachdem er seine erste Jugend mit dem eifrigen Studium des Talmuds und der philosophischen Wissenschaften verbracht hatte, nahm er seinen Wohnsitz zu Zarnora am Duero, in der Provinz Leon. Dorthin strömten ihm viele Schüler zu, um seinen eben so anregenden wie lehrreichen Unterricht zu genießen, dessen vorzüglichstes Object der Talmud war. Bald wurde er von hier abberufen; es wurde ihm nämlich das Rabbineramt in der katalanischen Stadt Tarragona übertragen, das er wiederum bald mit dem des in der Nähe liegenden Prags »erlauchte. Diese beiden Städte besaßen durch Frömmigkeit ausgezeichnete jüdische Gemeinden; allein die Bewohner waren arm und mit Steuern überladen, so daß die Schüler, welche ihrem Lehrer dorthin gefolgt waren, ihren Unterhalt daselbst nicht fanden und weiter wandern mußten. Das betrübte R.Jizchak garsehr; er beruhigte sich jedoch, als er sah, daß die Mitglieder seiner Gemeinde sehr wißbegierig waren und gern die Sabbate und Feiertage in seiner Behausung .zubrachten, um seine Vorträge zu hören. Da zu dieser Zeit rmter der Bevölkerung Kataloniens ein philosophischer Geist vorherrschte, so war es nothwendig, daß auch R. Jizchak seine Vorträge in ein philosophisches Gewand kleidete, um die Lehren unserer heiligen Religion sowohl der Philosophie wie den andern Religionen gegenüber zu vertheidigen. So entstanden seine philosophischen Deraschoth, die uns in seinem Hauptwerke Akedath Jizchak vorliegen. Er suchte darin die Hauptlehren und Grundsätze unserer heiligen Religion festzustellen, dieselben aus der Thora hqrzuleiten und sie durch Talmud, Midrasch und Sohar zu begründen. Sein Hauptaugenmerk war darauf gerichtet, auf die Sitten seiner Zuhörer einzuwirken und die Frömmigkeit derselben zu heben. Sein Ruf wuchs von Tag zu Tag, und auch bei Nichtjuden gewann er ein hohes Ansehen. Es währte nicht lange, so wurde er nach der großen und durch Wissenschaftlichkeit und Bildung ausgezeichneten Stadt Calatheyud, im westlichen Aragonien, berr fn. Hier sammelten sich wieder um ihn eine Mengc r-n Schülern; hier war es auch, wo er die letzte verbessernde Hand an sein Werk legte und dasselbe vollendete. Dieses Werk besteht aus zwei Bestandtheilen, von denen der eine homiletisch und der andere exegetisch ist. Die Sprache ist eine vorzügliche, nur daß manchmal die überaus tiefen Gedanken mit zu wenigen Worten dargestellt sind. Schon beim Erscheinen desselben erregte es ungeheures Aufsehen, und schön der berühmte Zeitgenosse Arama's Don Jizchak Abarbanel hat aus dem Akedath Jizchak geschöpft. Später verfaßte R. Jizchak Arama ein kleines, der Menge mehr zugängliches Werk .ivp mm, welches füglich als ein Auszug aus einem großen Werke betrachtet werden kann. Später erklärte er auch die fünf Megilloth und das Buch Mischle; dieses letztere Werk nannte er zum Andenken an seinen früh verstorbenen Schwiegersohn Salomo Vater des Salomo). — Ob R. Jizchak noch mehr Bücher verfaßt hat, wie Zemach David und Seder Haddoroth, ohne jedoch die Namen dieser Bücher anzugeben, berichten, wissen wir nicht; ebensowenig wisse« wir, in welcher Stadt und in welchem Jahre er gestorben ist. Nach der Ansicht von Juchastn erlebte er die Vertreibung der Juden aus Spanien im Jahre 1492 und gehörte selbst mit zu den Vertriebenen; hiermit Lnnte die Ansicht derer in Verbindung gebracht werden, die ihn in Salonichi, in der europäischen Türkei, sterben lassen; jedenfalls war er im Jahre 1505 bereits gestorben, da ihn in diesem Jahre sein Sohn R. Meir Arama in seinem Commentar zum Buche Hiob als eines bereits Verstorbenen erwähnt. R. Meir war ein seines großen Vaters würdiger Sohn, der ebenfalls zwei vorzügliche Werke 21'-r und n'-M verfaßte; derselbe war auch ein großer Talmudgelehrter, wie das Citat R. Joseph Caro's im Orach Chajim, Cap. 486, beweist. Er war Rabbiner der aus Aragonien vertriebenen Spanier, die sich in Salonichi niedergelassen hatten und dort eine eigene Gemeinde bildeten. Mit dem Sohne desselben, R. Jakob Arama, starb das Geschlecht der Arama's aus. Vor der Vertreibung der Juden aus Spanien, also zu der Zeit, in welcher R. Jizchak Arama lebte, war die sociale und materielle Stellung der Israeliten eine vorzügliche; es gab dort Juden, die große Reichthümer besaßen und in hohem Ansehen standen. Allein gerade dadurch waren viele unter ihnen übermüthig geworden, vergaßen ihres Gottes und Seiner heiligen Gebote, erzogen ihre Kinder nicht zur Gotteslehre, sondern gaben ihnen eine ritterliche Erziehung und eine wissenschaftliche Ausbildung, um für ihre künftige bürgerliche Stellung und Ernährung vermeintlich besser zu sorgen. Allein der Wohlstand der Juden erregte den Neid der übrigen Bewohner des Landes, wozu noch Glaubenshaß und Unduldsamkeit kam, bis im Jahre 1492 jenes fürchterliche Unglück hereinbrach, das die spanischen Juden für immer ihres zweiten Heimathlandes beraubte. Ueber 300,000 Juden wurden damals zur Auswanderung gezwungen und dem fürchterlichsten Elend überliefert. Sie zogen nach Nordafrika, der Türkei und Italien. Viele blieben zurück und wurden gezwungen, das Christenthum anzunehmen, was sie jedoch nur zum Schein thaten. Sie ergriffen die nächste Gelegenheit, um auszuwandern und siedelten sich dann in Holland, England, Amerika und Deutschland an. k F