Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 5 (1864)
- Issue
- Heft 51 (21.12.1864)
- Date
- 1864-12-21
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Beilage zu Nr. 51 des Israelit. Leitender Artikel. Literarischer Gericht. Von der ebenso correcten wie handlichen Talmudausgabe des Herrn A. Salomon zu Tilsit sind in jüngster Zeit die beiden Tractate Ketuboth und Gittin erschienen, so daß beinahe die Hälfte des gelammten Talmuds bereits vollendet ist. Diese vorzügliche Ausgabe geht ihrer raschen Vollendung entgegen. * * Kritische Lese verbesserter Lesarten und Erklärungen zum Talmud, rvnFürchtegott Lebrecht. Berlin bei Peiser. Der Verfasser dringt auf eine krititische Ausgabe des Talmud-Textes. Es ist allerdings wahr, daß unsere Talmude sämmtlich der von der Censur verstümmelten Baseler Ausgabe nachgedruckt sind; allein diese Verstümmlungen sind durchaus nicht wesentlich, und die Verbesserungen und Berichtigungen haben sich mündlich erhalten, so daß sie jedem Talmudkundigen bekannt sind; es weiß so ziemlich Jeder, wo er l^ir-r oder für rc. zu lesen hat. Für die Herstellung richtiger Lesarten haben Naschi, Toßaphot, R. Salom. Luria, R. Sam. Jdeles, R. Eliah Gaon, R. Jesaias PiS vielfach gesorgt; wir wollen nun nicht behaupten, daß dieses Feld bereits genügend cultivirt sei; im Gegentheil, auch wir haben die Ansicht bereits ausgesprochen, daß namentlich durch die Vergleichung mit alten handschriftlichen Talmud en auch auf diesem Gebiete noch Manches zu thun übrig ist — allein, das erste Erforderniß zu einem solchen Werke ist echte Frömmigkeit und wahrhafte Pietät— nicht aber wissenschaftlicheCharletanerie und heißblütige Hypothesenjägerei. An Pietät scheint es dem Verfasser nun durchaus zu fehlen, sonst würde er nicht mit solch' unverantwortlicher Geringschätzung von R. Salom. Luria ^2) und R. Eliah Gaon sprechen. * » * Von R. Salomo Levy aus S chrimm im Grh. Posen ist der zweite Theil des von ihm edirten Jad Hachasakah des Maimonides erschienen. Diese Octavausgabe ist sehr handlich, und der vom Herausgeber beigefügte Commentar enthält viel Gutes. * Jalkut Eli es er, eine Art rabbinische Realencyclopädie, von Sußmann Schreiber, Rabbiner in Hallas, Ungarn; in Commission bei Löwy L Sohn in Pest. Der uns vorliegende erste Theil enthält die Buchstaben x bis es ist dieses ein vortreffliches Werk, das namentlich angehenden Predigern sehr zu empfehlen ist. Der Commentar 2.-n enthält manche treffliche Deutung vieler schwieriger Midraschstellen. Deutsches Lesebuch für isr. Schulen, herausgegeben von vr. L. Adler, Kurf. Hess. Landrabbiner; in 3 Abtheilungen. Cassel, bei Oswald Bertram. So sehr wir auch ein tüchtiges isr. Lesebuch für ein dringendes Bedürfniß halten, so glauben wir doch nicht, daß diesem Bedürfnisse durch das vorliegende Werk ist abgeholfen worden. Gleich vorn im Inhaltsverzeichnisse begegnen wir einer großen Menge von — Kreuzen; das ist doch wahrlich eine sonderbare Empfehlung für ein jüdisches Lesebuch. Ein deutsches Lesebuch hat wohl vor Allem den Zweck, die Kinder mit der deutschen Sprache bekannt zu machen. Wir blicken hinein; im dritten Lesestück „der Hahn hat gekräht," von Herrn vr. A. selbst verfaßt, findet sich: „es hat schon der Tag angebrochen" Ul ferner: ich kam zeitlich und war einer der Ersten (anstatt „zeitig"); die Jnterpunctation ist in demselben Lesestücke mit der furchtbarsten Nachlässigkeit behandelt, der Ausdruck ungenau, die Satzbildung oft falsch, die Partikeln stehen manchmal nicht an der rechten Stelle. Was wird man wohl zu folgendem Satze sagen: „Der Unterschied zwischen Tag und Nacht ist der größte, den es überhaupt gilt und wozu deshalb auch am Wenigsten Vernunft gehört." (!) Außer dem Jnterpunctations- und dem grammatischen Fehler ist die Satzbildung vollständig falsch, und der Satz enthält, wie er da ist, nur Unsinn. Dazu kommen noch orthographische Fehler, wie sie heutzutage kein Handlungscommis macht; wir haben in diesem einzigen, nur zwei Seiten füllenden Leiestücke mehr als 30 Fehler angestrichen! Wiewohl es uns zuwieder war, uns noch länger mit einem solchen Buche zu befassen, haben wir es noch einmal mit einem andern Lesestücke, dem sechsten „Die Besserung eines ungeratenen Sohnes," ebenfalls von Herrn vr. A. selbst verfaßt, versucht und wiederum circa 20 Fehler anstreichen müssen!! Das ist doch zu arg. Es ist doch unverantwortlich, daß ein Mann, der nicht ricktig deutsch zu schreiben versteht, sich berufen fühlt, ein deutsches Lesebuch herauszugeben. Wir wollen nicht fürchten, daß dasselbe in auch nur eine jüdische Schule eingeführt werde. * * Geschichten einer Gasse, Novellen von Leopold Kompert, Berlin bei Louis Gerschel. 2 Bände. Diese Novellen sind dem Großherzog Carl Alexander von Sachsen-Weimar-Eisenach gewidmet. Der Verfasser ist, wie wir es bereits in diesen Blättern