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Der Israelit · 1864-12-21 · Heft 51 (21.12.1864) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
5 (1864)
Issue
Heft 51 (21.12.1864)
Date
1864-12-21
Page
– (sequence 8)
Language
German
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676 Auf dem Friedhofe der deutschen Juden befanden.sich 63 Grabsteine, von denen der älteste den Namen Joseph ben Eljakum und die Jahreszahl 5542 trug, während der jüngste aus dem Jahre 5572 (1811) datirte. Die Familiennamen in den Inschriften dieser Grabsteine sind größtenteils Städtenamen. Von 1770 bis 1780 ließen sich viele Juden vom deutschen Ritus aus Elsaß, Lothringen, Holland, Polen uud Deutschland in Paris nieder; doch erreichte die Zahl derselben kaum 40 Familien. Sie hatten zum Syndikus Jakob Holländer. Niemand durfte sich zu Paris ohne Erlaubniß des Syndikus aufhalten, welcher für die Aufführung der in Paris wohnenden Israeliten verantwortlich war; diese Maßregel währte bis 1811. Aus diesem Jahre liegt mir ein Brief vor, welchen der Polizeipräfect Pasquier, der später unter der Julimonarchie Kanzler von Frankreich war, an das Pariser isr. Consistorium richtete und darin demselben das Recht zur Verausgabung von Aufenthaltskarten an fremde Glaubensgenoffen ertheilte. Es war wahrscheinlich im Jahre 1778, daß die deutsch-jüdische Gemeinde ihre erste Synagoge eröffnete; zu dieser gesellten sich nach und nach noch drei andere, von denen die jüngsterrichtete, die Hutmacherschul, so genannt, weil sich in demselben Hause eine Hutfabrik befand, bereits für 170 Personen eingerichtet war. Die Gemeinde hatte noch keinen Rabbiner; ein sehr geachteter Kaufmann Herr Nathan Pollak vollzog die rabbinischen Funktionen und beantwortete die kasuistischen Fragen unentgeltlich. Der erste Rabbiner, welchen die Gemeinde kommen ließ, war der selige N. Seligmann Michel, der 1794 in Paris ankam, und im Jahre 1809 zum Oberrabbiner des Consistoriums zu Paris ernannt wurde. Seine Kinder und Enkel existiren noch hier. Im Jahre 1821 wurde die gegenwärtige Synagoge an der Straße Notre-Dame de Nazreth erbaut. Ein Herr Bernard, der 1824 im Alter von 87 Jahren starb, errichtete die erste jüdische Restauration; derselbe bewirthete in seinem Hause 1784 den Oberrabbiner von Amsterdam, R. Schaul, welcher durch Paris reiste, um sich nach Jerusalem zu begeben und dort seine Tage zu beschließen. Man benutzte den Aufenthalt dieses berühmten Rabbiners, um nach seiner Angabe die erste Mikwa zu errichten; diese existirte 33 Jahre. Zwei Personen hatten um diese Zeit zwei kleine Knabenschulen, Ln welchen man Hebräisch lesen und ein wenig Bibel übersetzen lernte. Der Lehrer der einen, war Herr Aron, ein Pole, und der Lehrer der andern, Herr I. Cahen. Beide führten während der Robespiere'schen Schreckensperiode ihre Schüler an jedem Festtag der Decade in den Tempel der Vernunft (die Kirche Notre-Dame). Das sind alle Thatsachen, welche ich aus den Gesprächen älterer Personen zur Zeit meiner Ankunst in Paris sammeln konnte. Der verstorbene Herr David, welcher in diesem Jahre verschieden ist, und Herr Prag, welcher noch heute an der deutschen Synagoge funktionirt, beide in Paris geboren, hatten die Güte, mir die Erinnerung ihrer ersten Kindheit und die ihrer Eltern, welcher zu den ersten jüdischen Einwohnern von Paris gehört hatten, mitzutheilen. Der selige Herr Schayö, welcher mit der jüngsten Tochter des berühmten Dichters und Bibelinterpreten Hartwig Wessely verheirathet war, war von Brody in Galizien in den letzten Jahrn vor der Revolution nach Paris gekommen; er hatte als Kind auf der Leipziger Messe den berühmten Moses Mendelsohn kennen gelernt und war von ihm in die Familie seines künftigen Schwiegervaters eingeführt worden. Das älteste Schriftstück, welches sich im Archiv der Gemeinde befindet, stammt aus dem Jahre 1797; es ist dies ein Contrakt zwischen der Gemeinde und dem Chasan und Schauchet Chajim Salomon Blotz. Derselbe hatte einen Jahresgehalt von 1200 Frs., und die Schechitha-Gebühren waren ihm mit 600 Frs. garantirt. In einem Schaltjahr erhielt er für den eingeschalteten Monat eine Extragebühr von hundert Frs. Für jedes der Feste: Purim, Pesach, Schabuoth und Suckoth erhielt er 24 Frs., bei jeder Hochzeit 3 Frs., und 3 Frs. bei jedem ersten Ausgang einer Wöchnerin. Außerdem hatte er 100 Thlr. Uebersiedlungskosten erhalten und war ihm eine Wohnung in der neu zu erbauenden Synagoge versprochen worden. Dreizehn Jahre später beklagte sich derselbe darüber, daß ihm die 600 Frs. seit 18 Monaten nicht mehr bezahlt worden seien, und daß er noch immer die freie Wohnung nicht erhalten habe, da die Synagoge nicht erbaut worden sei. — Das sind die ersten Anfänge der gegenwärtigen isr. Gemeinde zu Paris von der Zeit an, daß ein königliches Decret, datirt vom 25. Juli 1775, einigen zu Bordeaux naturalisirten Port. Juden gestattete, zu Paris mit Tuchwaaren und anderen Maaren Handel zu treiben, gemäß dem Patente, welches sie in Folge des Edikts vom Monate März 1761 erhalten hatten (Forts, f.) England. Bradford. Herr Carl Simon, ein deutscher Jude, welcher bereits 25 Jahre unserer Stadt als Bürger angehört, ist zum Lord Major hiesiger Stadt erwählt worden; derselbe ist einer der Gründer der Pardubitz - Reichenberg - Eisenbahn. Hierzu eine Beilage. Lerantwortlichr Redaktion: Dr. Lehmann. — Verlag der Le Roux'fchen Hofbuchhandlung. — Dampf-Schnellpreffendruck von I. GottSleben tn Main».

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