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Der Israelit · 1864-12-21 · Heft 51 (21.12.1864) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
5 (1864)
Issue
Heft 51 (21.12.1864)
Date
1864-12-21
Page
– (sequence 7)
Language
German
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675 einiger Gemeinden Mittelitaliens in mir erregte. Tief sind gewiß die Wunden, welche die frühere politische und bürgerliche Zurücksetzung dem wehrlosen Israel geschlagen hat. Der äußere Anblick der Ghetti und der ärmeren Bewohner derselben, die aus leicht zu errathenden Gründen noch immer an dasselbe gekettet sind, geben hiervon nur allzu redende Beweise. Uebrigens ist die Befreiung von jenen drückenden Verhältnissen zu rasch vor sich gegangen, und die seither verstrichene Zeit zu kurz, um derartige Spuren der gekränkten Menschheit auch nur gewissermaßen zu verdecken. Jedoch was eigene innere Wirksamkeit nicht leistet, wird wohl auf äußere Veranlassung geschehen. So wie man davon spricht, das große ungeheure Jnselgebäude niederzureißen, welches den Israeliten Turins Jahrhunderte lang bis zu unseren Tagen Obdach und Heimath gewährte, ebenso soll dem Vernehmen nach das anachronistische, mit der sonstigen Schönheit von Florenz sehr contrastirende Ghetto den Vergrögrößerungsbedürsnifsen der neuen Hauptstadt Italiens weichen müssen. Die Gemeinde dieser Stadt, welche zwei nicht genügende Synagogen besitzt, ist eben daran, ein schönes, den neuen Verhältnissen entsprechendes Gotteshaus zu errichten. Livorno besitzt einen würdigen Tempel und sehr wohleingerichtete israelitische Schulanstalten für Knaben und Mädchen. Dahin flüchtete sich die so hart betroffene Familie des in Nom gewaltsam entführten Knaben Coen, und es hat sich daselbst ein Comitv zur Unterstützung dieser in Jammer und Elend gestürzten Familie gebildet; es werden Sammlungen hierzu in allen Gemeinden Italiens angesprochen. Die in Turin ihren Sitz habende Commission des Congreffes zu Ferrara hat vor mehreren Wochen an sämmtliche Gemeinden des Königreiches ein Rundschreiben erlassen, worin die wenigen noch fehlenden Gemeinden mit warmen Worten zum Anschlüsse an die gemeinschaftliche Familie aufgefordert werden. Es wird zugleich die Ernennung einer Commission zur Veröffentlichung von israelitischen Erziehungsschriften angezeigt, die von den Rabbinern Olper (Turin), Leonhamosegh (Livorno), den Herren S. Malvano, Ritter Or. P. Padoa und einem der Directoren des Läu- «atore Isi-selita besteht. Ferner wird kundgegeben, daß der israel. Verwaltungsrath von Livorno die Uebermachung der fnr's heilige Land bestimmten Unterstützungsgelder übernommen hat. Unterdessen mögen die Gemeinden die betreffenden Gelder nach Livorno senden, während die Congreß-Co Mission den betreffenden Gemeinden des heil. Landes den Beschluß des Congreffes mittheilen wird. Hieran reiht sich eine warme Fürbitte, daß von dieser Maßregel den unterstützten Gemeinden kein Schaden erwachse. Es wird dann der Wunsch des Congreffes ans Herz gelegt, blos an tüchtigen Anstalten gebildete Rabbiner anzustellen. Es wird ferner der Betrag angegeben, welchen jede Gemeinde zu den Ausgaben des Congreffes beizusteuern hat. Den Schluß bildet die Aufforderung zur Ertheilung von Vorschlägen zu etwaigen Aenderungen des in Kraft bestehenden Gemeindegesetzes. Endlich werden die Stimmen der Gemeinde rücksichtlich der Verwandschaftsgrade bei Verehelichungen abgefordert (?). Es mögen dann die Rabbiner zur Abfassung einer bei Ehescheidungen festzuhaltenden Procedur veranlaßt werden, wozu übrigens die im österreichischen Gesetzbuche vorgeschriebenen, noch jetzt im Lombardischen giltigen Verfügungen in dieser Beziehung als Grundlage der betreffenden Vorschläge empfohlen werden. (Abendland.) Frankreich. (Jüdische Briefe von Albert Cohn. IV. Fortsetzung.) Die ersten Israeliten, welcher in kleiner Anzahl nach Paris gekommen waren, um sich daselbst niederzulaffen, waren Glaubensgenossen von portugiesischem Ritus aus dem südlichen Frankreich. Diese, welche aus Spanien und Portugal verbannt waren, hatten sich gegen das Ende des siebzehnten Jahrhunderts zu Bordeaux und Bayonne niedergelassen; seit dem Jahre 1770 richteten sie einen Gottesdienst in dem Zimmer eines Hauses in der Straße 8a'.nt-^.rräre-6.68-^rt8 ein, welches sie später gegen ein anderes zu einer Synagoge eingerichtetes Zimmer in demselben Hause vertauschten; hier feierte man den Gottesdienst bis zu dem Jahre 1329. In diesem Jahre wurde die Synagoge erbaut, welche noch gegenwärtig in Gebrauch ist. Der Eingang derselben war damals in der Straße VertkoiZ. Diese kleine Gemeinde erhielt auch die Erlaubniß, einen Friedhof zu erwerben, welcher bis zum Jahre 1809 im Gebrauche war. Im Jahre 1861 ließ ich den Katalog der 23 Grabsteine, welche damals noch existirten, drucken. Der älteste ist vom Jahre 1761 und trägt den Namen Salomon Perpignan; unter anderen findet man auch die Familiennamen Rodrgues und Pöreire; dieser letzterer scheint den Friedhof gekauft zu haben. Während der Revolution starben: Salomon Fernandez Patto, Henriquez Dacofta, Caoalion Ravel, Salom, Dellevail, Sylveira, Leon, Mardoche Dalpege, Abady, Lopez; der letzte Grabstein trägt die Inschrift Rachel Syloa Dacosta und die Jahreszahl 1809. In diesem Jahre untersagte man nämlich das Begräbniß an diesem Orte, indem man die Israeliten nöthigte, ihre Tobten auf den ihnen eingeräumten Theil des ksre-Iaobaiss zu begraben. DaS war der erste Friedhof, welchen die Juden vom deutschen und die vom portugiesischen Ritus gemeinschaftlich halten. Bis dahin hatten sie verschiedene Synagogen, verschiedene Friedhöfe und verschiedene Beamte.

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