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Der Israelit · 1864-12-21 · Heft 51 (21.12.1864) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
5 (1864)
Issue
Heft 51 (21.12.1864)
Date
1864-12-21
Page
– (sequence 5)
Language
German
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673 welches die Zustimmung des Absenders zu allen Beschlüssen, welche gefaßt werden würden, im Voraus ertheilte. Da unter einem eingelaufenen Telegramme auch der Namen eines Crailsheimer Advocaten stand, so kann essein, daß wir uns im Ortsnamen geirrt, sachlich haben wir volle Wahrheit berichtet." Nun ist es aber Pflicht eines Jeden, der sich zur Berichterstattung berufen fühlt, oder hierzu erkoren ist, der ganzen Wahrheit die Ehre zu geben; nicht aber in den Tag hinein durch Aufstellung von Behauptungen Persönlichkeiten zu verdächtigen, wie dies in vorliegender Erklärung betreffs meiner Person der Fall ist. Hätte der Herr Berichterstatter, bevor er auf die Reclamation des'Herrn R.-C. Ellinger Erklärung abgegeben, genaue Erkundigung eingezogen, so hätte er nicht zu der aufgestellten Logik kommen können. Das von mir in Gemeinschaft mit den andern isr. Kirchenvorstehern dahier an die Eßlinger Versammlung abgegangene Telegramm lautet, wie dieß auch amtlich constatirt ist, wörtlich: „Gruß der Gemeinde Crailsheim, welche dem „Ulmer Programm sich angeschloffen. Unser Wahl- Spruch : Festhalten an Religion, bei cultuellem Fortschritt, Einigkeit macht stark." Isr. Kirchenvorsteber: Rechtsanwalt Hirschmann. Marx. Rosenfeld. Goldstein. Bamberger. (Uns ist eine beglaubigte Abschrift obigen Telegramm's zügesandt worden. — Red.) Preußen. Königsberg, 11. Dec. Ich habe Ihnen so lange nicht geschrieben, und doch bin ich Ihren Lesern Rechenschaft schuldig, was denn aus der hier zu den vergangenenen hohen Festtagen beabsichtigten Jolowicz'en Cultus-Reform eigentlich geworden ist? Man las fast täglich in unseren Zeitungen des Monats September angekündigt: „Geregelten jüdischen Gottesdienst ä 1 Thlr.", was indirect eine Beleidigung des Vorstandes insofern war, als gewöhnliche Leser au, den Gedanken kommen konnten, daß man sich etwa in der großen Synagoge — herumprügele. Und doch leitete hier der fromme und musikalisch gebildete Cantor Herr Weintraub den Gottesdienst auf eine musterhafte Weise und hielt der Hr. Religionslehrer Wolffberg angemessene Predigten. Der Neugierde wegen besuchten auch wir einmal den Saal der deutschen Ressource und erwarteten wenigstens eine Orgel, deutschen Gottesdienst oder doch wenigstens — Baarhäuptigkeit. Aber von all dem war keine Spur zu finden. Die Königsberger hätten auch wohl den großen Reformator — nicht gesteinigt, aber wahrscheinlich sofort verlassen und ihn mit seiner Reform allein gelassen. Das fühlte denn Herr Jolowicz bald heraus und adoptirte schnell den orthodoxen (?) Ritus, wie auch nachträglich öffentlich zu lesen war. Worin bestand aber nun der sogenannte „geregelte Gottesdienst?" Darin, daß Alles mäuschenstill war, daß er allein, der Rabbiner Jolowicz, vorbetete, predigte und leinte. Nebenpunkte waren, daß nicht geduchnet wurde, daß keine Peßichot stattfanden, daß man viele Gebeistücke ausließ, daß Damen und Herren in einem Zimmer Platz nahmen! Aber es sollte noch besser kommen. Gleich nach den Festtagen zeigte der Königsberger Reformer, den man bisher hier nur als Lehrer der englischen Sprache kannte, den „geehrten Mitgliedern hiesiger Synagogengemeinde" öffentlich an, daß er zu jeder Zeit bereit sei zur Vollziehung sämmtlicher rabbinischen Funktionen in ihrem ganzen Umfange, als da sind: Entscheidung ritueller Fragen (mbxV), Anfertigung von Gutachten (nw^ri), Einsegnung von Ehebündniffen und Confirmanden, Prüfung jüdischer Cultusbeamten, Halten von Gelegenheitspredigten u. sw. WaS will man noch mehr? Kann man von der Gewerbefreiheit in Preußen noch größeren Gebrauch machen? Schade nur, daß Niemand recht auf die Annoncen anbeißen wollte, auch wer nicht wußte, daß der moderne Rabbiner sich schon längst von den israelitischen Gesetzen und Vorschriften emancipirt hat und den Titel nur mit demselben Rechte führt wie Inouo s von luosvcko. Unser Vorstand hatte, wie immer, Takt genug, keine directe Polemik zu beginnen, sondern begnügte sich damit, einfach anzuzeigen, daß ihr Rabbiner (Hr. Meklenburg) alle erforderlichen Funktionen in der Gemeinde versehe, worauf Herr Jolowicz wieder seinerseits seine Annonce wiederholte. Schade um die Jnsertionskosten. Gewirkt hat es doch nicht. — Zur Verherrlichung der Kant-Feier (am 18. October) hat der Literat vr. M. Freystadt ein Schriftchen unter dem Titel herausgegeben : „ImmanuelKant. Ein Denkmal seiner unsterblichen Philosophie am Enthüllungstage der Kant- Statue, dem deutschen Volke gewerhet," das wohl der Beachtung in hohem Grade werth ist. Die Broschüre ist bereits in zweiter Auflage erschienen und verbreitet sich kurz und deutlich über die drei berühmten Kant'- schen Hauptfragen: 1) Was kann ich wissen? 2) Was soll ich thun?- 3) Was darf ich hoffen?— Bon den 22 Candidaten, die sich zur hiesigen Stelle eines Geistlichen gemeldet, find endlich drei auf die engere Wahl gebracht und bereits zu Probepredigten eingeladen. Es sind dies die Herren: Bamberger — Gießen, Engelbert — München und Cassel — Schwerin. M. Almoni. Thorn, im December. Vorige Woche fand m unserer Gemeinde der Uebertritt einer aus England hierhergekommenen Frau, evangelischer Religion, zum Judenthume statt. Dieselbe lebte mit ihrem jüd. Ehegatten 41/2 Jahre in Cwilehe und wünschte ähnlichst.

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