Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 5 (1864)
- Issue
- Heft 51 (21.12.1864)
- Date
- 1864-12-21
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2446951-2447141-2447191--03064-2458441- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
672 die ewige Wahrheit unserer heiligen Religion betätigen, so gibt es noch drei andere, die gleichsam nach Jünen leuchten und den Menschen erst befähigen, ein Diener des Höchsten zu sein. Da ist vor Allem der Glaube an das Dasein Gottes und die Furcht vor Ihm. Arm ist das Menschenherz, dem der Glaube an seinen Gott fehlt. Da gleicht der Mensch dem Thiere, das lebt und genießt und sich plagt und stirbt. Erst durch den Glauben an den ewigen Gott fühlt der Mensch, daß auch in ihm ein Ewiges sich vorfindet, p^n, ein Antheil Gottes von Oben; und durch den Gedanken an die Fortdauer zieht auch in sein Herz ein die Furcht vor Gott, die eS ermöglicht, daß der Mensch die Tugend liebt, die Leidenschaft bezähmt und das Laster verabscheuet. 'i rix-»' ipv 212N-, „die Furcht vor Gott ist rein, besteht für die Ewigkeit". Aus der Furcht vor Gott entspringt nnmittelbar der Glaube an die richtende, rächende und strafende Gottheit, die Nichts ungeahndet läßt, und die, wenn es dem Bösen auch noch so gut geht auf Erden, ihn zu strafen weiß, sei es in dieser oder in der künftigen Welt. Wir kurzsichtige Menschen urtheilen nur zu oft nach dem Augenblick, nach dem äußeren Anschein, und da erscheint uns das irdische Glück derBösewichter als ein unlösbares Räthsel; aber die ewige Gerechtigkeit eilt manchmal nicht mit der Bestrafung des Uebetthäters, sei es, daß eine Umkehr noch zu erwarten, oder daß das Maaß der Sünden noch nicht voll ist. Gar Mancher wird dazu verführt, den Bösen nachzuahmen, dadurch, daß er sie in der Fülle des Glückes und umgeben von irdischen Ehren leben sieht, aber dem wahrhaften Juden leuchtet am Leuchter seiner Religion die Lampe des Glaubens an die unerschütterliche Gerechtigkeit Gottes, ip-m,22X „die Urtheile Gottes sind Wahrheit, gerecht in ihrer Gesammtheit". Und wie der Jude glauben soll, daß das Laster unterliegen wird, so soll er auch an den endlichen Sieg der Tugend glauben, an die ewige Glückseligkeit der Frommen. Das ist das erquickendste Licht, das unsere heilige Religion uns spendet, daß wir wißen, daß wir uns nicht mühen um Eitles und nicht geboren sind, bloß um die Schrecken des Lebens zu tragen, daß wir erleben und schauen und erben werden Glück und Segen in den Tagen des Messias und im Leben der zukünftigen Welt. V22Q 2'PMOI 2-» IS2» 2.-N2 2-» 2PP I222W2 2.12 I.IU -ji2p Oü, 2'SM rsn, „ja lieblicher sind Gottes Lehren, als Gold und viel Gej schmeide, süßer, als Honig und Honigseim; auch Dein Knecht ward belehrt durch sie, da er sie beobachtet, wartet sein großer Lohn". Das ist unser Galuthschutz, unsere Schutzwehr in der Verbannuug, unsere Erhaltung, unser Leben, daß die Thora unsere Seele durchdringe, daß Gottes Zeugniß uns Erkenntniß lehre, daß Seine Befehle unfern Willen regeln und Seine Gebote unsere Thaten bemessen, daß wir an Ihn glauben und Ihn fürchten, der mit Gerechtigkeit die Bösen bestraft und liebevoll die Guten belohnt. Diese Waffen, mit denen wir kämpfen, sind Waffen des Geistes, und daher ist jede Gewalt, komme sie von Innen oder von Außen, ohnmächtig gegen UNs. 1QX 'N»->2 2X '2 N22 XII >N2 x^> mx2U'i, „nicht durch Heeresmacht und nicht durch Gewalt, sondern durch meinen Geist, spricht der Ewige Zebaoth". Da müssen sich alle Berge ebenen vor Serubabel; es wird ihm gelingen, den Grundstein zu legen und alle Welt wird erkennen, daß Gottes Geist in ihm wohnt, und wird ihm freudig zustimmen. Wir, die wir in dieser glaubensarmen Zeit festhalten an dem Ewigen, unserm Gott, und an Seinen heiligen Geboten, gleichen nur zu sehr dem Serubabel, da er in den ersten Anfängen des neujüdischen Reiches unter tausend Schwierigkeiten den.Grundstein legte für eine große Zukunft; wir gleichen den Mackabäern, die da nach aufreibenden und zerstörenden Kämpfen nur für einen Tag ausreichendes Oel vorfanden; doch, wie der Allmächtige dem Serubabel half, den Grundstein zu legen, auf dem sich das neue Gebäude wunderherrlich entwickelte, wie Gott den Mackabäern das Oel ausreichen ließ, bis wieder neues, reines, heiliges beschafft war, so wird auch uns Gott beistehen, „es mögen nur immer auf Dich vertrauen, die Deinen Namen kennen, denn Du Haft noch nie verlassen, die Dich suchen, o Gott". Unsere Zeit ist eine Uebergangsperiode; nicht immer wird der Abfall und die Religionslosigkeit dauern; es wird wiederum eine Zeit kommen, in der da erwachen wird der Hunger und der Durst nach Gottes Gebot und Gottes Lehre; für diese herannahende Zeit unsere höchsten Kleinodien zu bewahren und zu erhalten, unverfälscht zu erhalten, — das ist die Aufgabe der Treuen im gegenwärtigen Geschlecht. So möge denn auf diesem, unserm schwierigen Wege uns stets leuchten das Licht unseres Gottes! — 3eitungsnachrLchterr und Correfpondenzen. Deutschland. Crailsheim (Württemberg), den 13. Decbr. In Nr. 36 dieser Blätter gibt der Berichterstatter der Eßlinger Versammlung bezüglich der Reclamation des Herrn Rechtsconsulenten Ellinger zu Mergentheim in Nr. 34 folgende Erklärung: „Es ist eine Thatsache, für die wir einstehen können, daß in Eßlingen ein Telegramm einlief,