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Der Israelit · 1864-12-21 · Heft 51 (21.12.1864) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
5 (1864)
Issue
Heft 51 (21.12.1864)
Date
1864-12-21
Page
– (sequence 2)
Language
German
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670 erscheint die Zeit auch noch so trüb und finster — das Licht, das Gott uns am Sinai hat angezündet, es wird nimmer erlöschen, tzs wird immer wieder neue Nahrung finden und die vorhandene wird ausreichen, bis uns Gott über all die Klippen der Gegenwart hinweggeholfen haben wird. Die Haphtarah des ersten Sabbath-Chanuka führt uns ebenfalls in eine Zeit geringer Anfänge. Eine kleine, unbedeutende Colonie ist aus der babylonischen Gefangenschaft nach dem heiligen Lande zurückgekehrt, um die alte Herrlichkeit Israels wieder herzustellen. Mit falscher Freundlichkeit nahen ihnen die götzendienerischen Kuthäer, um die heimkehrenden Juden in sich aufgehen zu lassen, damit diese ein elendes Mischvolk werden, wie sie selbst. Zurückgewiesen, werden sie die Todfeinde der jungen Colonie, verleumden sie mit Erfolg beim persischen Könige, verhetzen wider sie den syrischen Satrapen, bekämpfen die heimgekehrten Juden, die sich noch kaum ein Obdach hatten erbauen können, mit Feuer und Schwerdt. Da bedurfte es des Muthes, der Kraft, der Ausdauer, des Gottvertrauens. Die erhebenden und tröstenden Prophetien von Chagi, Sechariah und Maleachi halfen über die Schwierigkeiten hinweg: „Lastet euch nicht bekümmern durch das Elend der Gegenwart, harret aus und schauet die glänzende Zukunft, die euer harret! Jauchze und freue dich, Tochter Zions, denn siehe, Ich komme und wohne in deiner Mitte, spricht Gott. Und es werden sich anschließen viele Völker dem Ewigen am selbigen Tage, und sie werden Mir sein zum Volke, und Ich werde wohnen in deiner Mitte, und du wirst erkennen, daß der Herr der Heerschaaren mich geschickt hat zu dir. Und der Ewige wird als Sein Erbtheil anerkennen Juda, Seinen Äntheil auf heiligem Boden, und Er wird wiederum erwählen Jerusalem". Und der Prophet zeigt dem Hohenpriester Josua, der an der Spitze des Volkes steht, dieses sein Volk unter dem Bilde eines Leuchters; denn Israel ist bestimmt, die Welt zu erleuchten mit seiner reinen Gotteslehre: „Und er sprach zu mir, was siehst du? und ich sprach, ich habe gesehen einen Leuchter, ganz und gar von Gold und eine Schale aus seiner Spitze, an welcher sieben Lampen sind, an deren jeder sieben Oeffnungen, durch die das Oel fließt, für die Lampen an der Spitze; und zwei Oelbäume daneben, einen zur Rechten der Schale und einer zu ihrer Linken. Und ich begann und sprach zu dem Engel, der zu mir redete wie folgt: Was ist dieses, mein Herr? Da antwortete der Engel, der zu mir redete und sprach zu mir: weißt du nicht, was dieses ist? und ich sprach: nein, mein Herr. Und er antwortete und sprach zu mir, wie folgt: Dies ist das Wort des Ewigen an Serubabel, wie folgt: nicht durch Heeresmacht und nicht durch Gewalt, sondern durch meinen Geist, hat gesprochen der Ewige Zebaoth. Wer bist du, du großer Berg, vor Serubabel wirst du werden zur Ebene, und er wird legen den Grundstein unter dem rauschenden Glückwunsch der Menge." ,nb2 vni .imzv Dem ganz und gar goldenen Leuchter soll Israel gleichen, es soll die Welt erleuchten und durchleuchten .->L^ aber noch unfähig zur Erfüllung dieser großen Aufgabe, muß es erst durch Verbannung (.-^u ,-ibz) geklärt, geläutert und veredelt werden. Aber die sieben Lampen verliert es nicht in der Verbannung, die sieben Lampen, an deren jeder sieben Oeffnungen zum Einfließen des Oeles sind. Das sind von den fünfzig Pforten der Erkenntniß die ^9, welche dem Menschen offen stehen. Allein, wenn uns auch die Empfänglichkeit für das himmlische Oel geblieben, woher sollen wir in der Verbannung, in der uns Alles verloren ist, das Oel selber schöpfen? inm pv'Q irin v'nn vp, die zwei Quellen des heiligen Oels sind uns auch in der Verbannung geblieben: das sind die auf Sinai geoffenbarte Gotteslehre und die Seele, die Gott uns eingehaucht hat, Geist von Seinem Geist. Die menschliche Seele ist befähigt, aus ihrem eigenen Borne alle Erkenntniß zu schöpfen. Da Gott den Menschen in Seinem Ebenbilde erschaffen hat, und diese Ebenbildlichkeit sich nur auf den Geist bezieht, so ist der Menschengeist ein Spiegelbild des Unendlichen oder vielmehr ein Spiegel, welcher das Unendliche in sich aufzunehmen und zurückzustrahlen vermag: „Ist auch des Himmels Höhe zu ermessen und der Erde Tiefe, so ist doch die Weite des vernünftigen Menschenherzens unerforschlich. Er liebt einzudringen bis zu den Wurzeln des Ursprunges seiner Menschheit. Unerforschlich ist seine Vernunft, und viel sind der Gedanken, die sein Herz faßt. Viele Pläne sind in dem Herzen des Gerechten, Gerechtigkeit liebt er. In seinem Innern heiligt er den Heiligen Israels, und mit seinen Lippen ehrt er den Gott der Ehre. Keine Weisheit, kein Rathschluß und kein Wissen, das er nicht weidete, welches unter den irdischen Wesen bliebe ihm verborgen? Kann wohl umfaßen das Herz des Himmels, kann wohl umfaßen das Herz der Meere, was sein gedankenreiches Herz umfaßt? Können wohl bedecken die Fittige des Windes den Geist der Weisheit, der da webt an den Gewässern der Ruhe und an den Bächen Edens? Können wohl umschließen die weiten Grenzen der Erde den unendlichen Gedanken, der in einer handbreiten Wohnung eingeschloffen ist? Siehe, dies ist des Menschen Theil von Gott und Gottes Antheil von Seiner Welt. Gott im Himmel, und dieser wandelt auf Erden allein aufrecht. Er sucht unablässig die Wahrheit, groß sind seine Werke in Recht und Gesetz. Wenn nicht die Schrecken seiner Zeit ihn schreckten, wenn nicht der Geist seiner Zeit ihn erschütterte, Nichts würde ihn zurückhalten, zum Himmel emporzusteigen, die Säulen der Welt zu umfaßen, bis daß er Gott

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