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Der Israelit · 1864-12-14 · Heft 50 (14.12.1864) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
5 (1864)
Issue
Heft 50 (14.12.1864)
Date
1864-12-14
Page
– (sequence 3)
Language
German
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657 Leistungen des Vereines sind in der That für das erste Jahr recht befriedigend ausgefallen. Wir wollen jetzt die herausgegebenen Werke näher bezeichnen. Pachad Jizchak. Rabbi Jizchak Lampronti, Rabbiner und Arzt in Ferrara, verfaßte unter dem erwähnten Titel ein talmudisches Reallexicon, das sich auf Agadoth und Dinim aus Talmud, Poskim und Teschubot erstreckt. Jeder Buchstabe bildet einen Band, wozu noch 12 Supplemente kommen, allein nur die ersten Bände bis zum Buchstaben wurden gedruckt; die übrigen existiren nur im Manuscript. Der Verein hat nun 2 Bände dieses großen Werkes und zwar den Buchstaben n als zweite und den Buchstaben als erste Edition herausgegeben. In den kommenden Jahren sollen auch die übrigen Bände erscheinen. Die zwei erwähnten Bände enthalten ungefähr 55 Bogen; die typische Ausstattung ist eine ganz vorzügliche. Teschubot Hageonim, aus Handschriften gesammelt, corrigirt und mit Anmerkungen versehen, von Rabbi Jakob Mussaphia, Rabbiner zu Espaltero in Dalmatien. Das Buch enthält Responsen von Rabbenu Hai, RabbenuDoßa, Nabbenu Paltavi, Nabbenu Sch erira, Nabbenu Natronai, Rabbenu Jehudai, Rabbenu Nachschon bar Berachjah, Rabbenu Amram, Nabbenu Sar Schalom, Rabbenu Nissim, Nabbenu Chananel, Nabbenu Jehuda Albarzeloni, Nabbenu Saadjah und Anderen. Et Sopher, von Rabbi David Kimchi enthält in Kürze die maßorethischen Regeln und Angaben über die Neginoth. Herr Bär Goldberg zu Paris hat dasselbe aus einem großen welches mehr als 600 Jahr alt ist und sich in der kaiserlichen Bibliothek zu Paris befindet, ausgezogen. Der Hauptinhalt dieses Merkchens ist größtentheils in dem bekannten Sepher Hamichlol enthalten. Diese beiden Bücher haben zusammen einen Umfang von 19 Bogen. Der Divan des Rabbi Jehuda Halevi, nach einer alten Handschrift herausgegeben und mit Anmerkungen versehen von S. D. Luzato, Professor am Nabbinerseminar zu Padua; erster Theil. — Wer kennt nicht den berühmten Verfasser desKusari, den gluthvollen Sänger des begeisterten Zionsliedes! Rabbi Jehuda Halevi war einer der größten Dichter, einer der tiefsten Denker aller Zeiten; er lebte am Anfänge des 12. Jahrhunderts in Kastilien, zur Zeit der schönsten Blüthe der spanisch - arabischen Wissenschaft und Poesie. N. Abraham Jbn Esra, R. Moses Jbn Esra, R. Jehuda und R. Salomo Jbn Ghajat, R. Salomon Parchon waren seine Freunde und Genossen. Von Beruf ein Arzt, war er eben so groß als Philosoph wie als Dichter. Sein Buch Kusari ist eins der wundervollsten Produkte des Menschengeiftks; sein Zionslied, das zweite in unserer Sammlung für den Fasttag des 9. Ab, entlockt Hunderttausenden alljährlich Ströme von Thränen. Die meisten seiner Gedichte waren bis noch vor kurzer Zeit unbekannt und so gut wie verloren. Da fand Rabbi Elieser Aschkenasi, ein Buchhändler, welcher die ganze Welt durchreist, um seltene Werke aufzukaufen, in Tunis den vollständigen Divan (so nennen die arabisch-spanischen Dichter ihre Gedichtsammlungen), und kaufte ihn im Aufträge des Herrn Professors Luzato, der ihn um 22 fl. an sich brachte. Im Jahre 1840 veröffentlichte Herr Professor L. 64 dieser Gedichte, die Geiger theilweise in's Deutsche übertrug. Sie verfehlten nicht, ungeheures Aufsehen zu erregen, so daß sogar Heinrich Heine unserm Dichter im Romanzero ein Denkmal setzte. Der handschriftliche Divan, den Herr Prof. L. besitzt, hat keine bestimmte Ordnung. Gottesdienstliche Gesänge, Hymnen, Lob - und Danklieder wechseln in bunter Reihe mit Freundschaftsgedichten, Hochzeitsliedern, Klageliedern und Näthseln ab. Herr Prof. L. hat es nun übernommen, dieselben zu ordnen, zu punktiren und zu erklären. — R. Jehuda Halevi hat seine Gedichte nicht selbst gesammelt; der Sammler der in Rede stehenden Handschrit hieß Josua bar Elia Halevi, von dem sonst nichts Näheres bekannt ist. Auch im Besitze des Herrn Karmoli zu Franks, a. M. befindet sich ein Divan unseres Dichters, dessen Sammler R. Jehuda Almagarbi war; ebenso befindet sich ein solcher in der bodleanischen Bibliothek zu Oxford, der jedoch kaum 200 Jahre alt ist. Der Dwan des Herrn Prof. L. zerfällt in 3 Theile, von denen der erste 421 Gedichte, der zweite 214, der dritte 180 enthält; 84 Gedichte desselben Verfassers sind in den verschiedenen Gebetbüchern (Machsorim) enthalten. Wir wollen gleich das erste Lied der uns vorliegenden Sammlung in freier deutscher Übertragung hierhersetzen: „Zu Ehren Jerusalems, der heiligen Stadt. Du schöne Landschaft, Du Wonne der Welt, Stadt des großen Königs! nach Dir sehnt sich meine Seele von den äußersten Enden des Westens aus. Die Fülle meines Erbarmens wird erregt, wenn ich der Vergangenheit gedenke, Deiner Herrlichkeit, die entschwunden, und Deiner Pracht, die zerstört ist. O, wer trüge mich auf Adlerfittigen zu Dir hin, damit ich mit meinen Thränen Deine Erde befeuchten könnte! Ich möchte Dich aufsuchen, und wenn Dein König nicht in Dir weilt, und wenn an der Stelle Deines Balsams von Gilead Schlange, Molch und Scorpion Hausen, so möchte ich doch Deine Steine küssen und Deine Erdschollen würden mir bester denn Honig schmecken." — Herr Prof. L. erwirbt sich durch die Herausgabe dieses Divans ein großes Verdienst um die jüdische Literatur. — Ueberhaupt können wir dem Verein nach den Proben, die er uns gebracht, ein günstiges Prognostikon stellen; und so wünschen wir ihm für die kommenden Jahre das beste Gelingen. —

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