Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 5 (1864)
- Issue
- Heft 49 (7.12.1864)
- Date
- 1864-12-07
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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650 Weib l" „Wohl mag unter den tausend Frauen, die D« besitzest, keine Deiner Seele genügen; — aber Dn wirst zugeben müssen, daß es viele brave und wackere Frauen in Israel gibt, vielleicht nicht weniger als Männer!" — „Es mag aus eine Probe ankommen," erwiederte Salomo. „Kennt Ihr einen braven, rechtschaffenen Mann, der eine schöne Frau besitzt, die zugleich als fromm und brav gilt?" „Wir kennen einen solchen," war die Antwort, „einen braven und tüchtigen Mann, dessen eben so brave und wackere Frau an Schönheit wohl keiner Deiner Frauen nachsteht." — „Laßt mir den Mann kommen!" sagte Salomo. — Als der Mann vor den König kam, führte ihn dieser in ein abgesondertes Zimmer und sprach zu ihm: „Ich habe von Deiner großen Weisheit vernommen und möchte Dich gern stets in meiner Nähe haben. Ich wünschte daher, Dir eine meiner Töchter zur Gemahlin zu geben und Dich zu meinem Reichskanzler zu ernennen." — „Was bin ich," sagte der Mann, „und was ist meine Familie, daß ich einer solchen Ehre werth sein sollte!" — „Deine Bescheidenheit,"'erwiederte Salomo, „läßt Dich Dir selbst so gering erscheinen, und um so mehr möchte ich Dich zu meinem Schwiegersöhne haben. — Aber Du bist schon verheirathet. — So gehe hin, führe es heute Nacht aus, und bringe mir morgen den Kopf Deines Weibes." — „Dein Wille geschehe, mächtiger König!" sagte der Mann. — Der Mann ging, auf dem ganzen Wege mit dem Gedanken beschäftigt, wie er die Forderung des Königs erfüllen soll. Dann dachte er wieder: „Sie ist so schön, so brav, ist die Mutter Deiner Kinder!" — Als er nach Hause kam und den freundlichen Gruß seiner Frau kaum erwiederte, frug ihn die Frau: „Warum bist Du so gedankenvoll? so niedergeschlagen?" — „Ich fühle mich nicht wohl," antwortete der Mann. — Die Frau brachte das Abendessen; aber der Mann mochte weder essen, noch trinken. Die Frau aß mit den Kindern und ging dann mit ihnen zu Bette. „Güte Nacht, lieber "Mann!" sagte sie; „gehe auch bald zu Bett, und Gott gebe, daß Du morgen wieder.ganz wohl bist." — Frau und Kinder schliefen bereits, und noch saß der Mann da, und die Gedanken jagten sich bei ihm, gut und bös. Jetzt sprach sein guter Engel: „Wie solltest Du Dich so gegen Gott versündigen und um der eitlen Ehre und des noch eitlern Goldes willen Dein gutes, liebes Weib erschlagen und Deine kleinen Kinder ihrer Mutter berauben!" — Dann erinnerte der Böse wieder an die große Auszeichnung, hie ihm der König erweisen will, an die hghe Stelle, die er am königlichen Hofe bekleiden soll. — Endlich sprang er aus, ergriff ein Schwerd, das an der Wand hing, zog es blank aus der Scheide und trat in das Schlafgemach. Er zieht leise den Bettvorhang hinweg — da lag seine Frau ruhig schlafend, ein Kind an der Seite und eines an der Brust. — Er wich zurück. — Nochmals tritt er mit dem Schwerd in der Hand hinein, und abermals weicht er zurück. — Als er zum drittenmale hineintrat — schon war es nach Mitternacht — da lag seine junge Frau, mit dem schönen Haupte ein wenig zur Seite über das Bett herausreichend, die Haube war ihr entfallen, und das aufgelöste Haar bedeckte in langen Locken zum Th eil das Kind an der Brust, zum Theil hing es zur Erde berab. — Da ergriff ihn ein mächtiges Erbarmen, und er sprang zurück und warf das Schwerd weit von sich und rief: „Und gäbe mir der König all seine Schätze und wollte er mir die höchsten Ehren erweisen, nimmermehr soll es geschehen!" — Er hob das Schwerd wieder auf, steckt^ es in die Scheide, hängte es an den vorigen Platz und ging dann zu Bett und schlief ruhig bis zum Morgen. — Den andern Tag in aller Frühe kam ein Diener des Königs und rief den Mann zum König. — „Wo ist der Kopf, den Du mir bringen wolltest frug der König sogleich den Mann, als er eintrat. — „Mein König," erwiderte der Mann, „der Muth gebricht mir, es zu vollführen." — „Unter Tausend fand ich einen tüchtigen Mann," sagte Salomo leise. Dann sprach er laut: „Gehe! Du bist der Ehre nicht werth, die ich Dir zugedacht." Nach einer langen Zeit schickte der König insgeheim nach dem Weibe des Mannes. Er führte auch die Frau, als sie kam, in ein besonderes Zimmer und sprach zu ihr: „Man hat mir Düne Schönheit und Deine Klugheit gerühmt, und ich sehe, man hat, was die Schönheit betrifft, nicht zu viel gesagt. Siehe, ich bin Dir hold, und ich wünschte, daß Du die Zierde meines Frauenpalastes werdest. — Aber Du besitzest bereits einen Mann, — Du könntest — wenn Du Deinen Mann nicht allzusehr liebst — Dich seiner vielleicht entledigen." „Mein König," antwortete das Weib, „für Deine Gunst ist mir kein Opfer zu theuer; ich werde Dir morgen seinen Kopf überbringen." — Salomo, der in der That befürchtete, die Frau möchte ihren Mann auf irgend eine Weise tödten, sprach nun: „Das ist schön von Dir, und damit es Dir um so leichter gelingt, so nimm hier dieses Schwerd, das ich zu diesem Zwecke im Voraus zubereiten ließ, es kann nicht fehlen, mit einem Hiebe ist"s vollbracht." — Dje Frau nahm das Schwert, verbarg es unter ihr Gewand und entfernte sich, — Als der Mgdfl den. Abend nach Hanse kam, ging ihm seine Frau freundlich entgegen, umarmte und