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Der Israelit · 1864-12-07 · Heft 49 (7.12.1864) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
5 (1864)
Issue
Heft 49 (7.12.1864)
Date
1864-12-07
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Beilage zu Nr. 49 des Israelit. Zeitungsnachrichten und Correspondeuzen. Oesterreichischer Kaiserstaal. Lemberg, Ende November. Vor einiger Zeit stand in der „Wiener Presse" ein Aufsatz, „die polnischen Juden" betitelt, der, sichtlich aus der Feder eines jüdischen Apostaten hervorgegangen, die Israeliten Polens mit Hohn und Schmach überschüttete. Die Juden werden darin als arm, unwissend und verachtet bezeichnet, zu Pferdedieben gestempelt, gemeiner Verbrechen berüchtigt. Es kommen Sätze darin vor, wie: „der polnische Jude ist Fatalist wie der Türke und abergläubisch wie eine Nothhaut". — Sollte man es für möglich halten, daß eine jüdische Zeitschrift diesen Schmahartikel abdruckt, ohne auch nur ein Wort der Bemerkung hinzuzufügen, und somit denselben zu dem ihrigen macht? Und doch ist dieses in Nr. 41 des von Exrabbiner Phillippson herausgegebenen jüdischen Volksblattes geschehen t Bereits haben die hebräischen Zeitschriften Hamagid und Hamewasser in scharfen Worten ihre Mißbilligung hierüber ausgesprochen Einsender glaubte jedoch, auch dem deutschlesenden Publikum darleacn zu müssen, wie Herr Phillippson di^ Ehre seiner Glaubensgenossen zu wahren bemüht ist? Türkei. Korrstantirrol-el. Der „Läiestore israelits.", eine italienische Zeitschrift, gibt einige interessante Daten über den Ursprung der hiesigen israelitischen Gemeinde. Als Sultan Mahomed ll. am 29. Mai I4ö3 Konstantinopel erobert und somit dem oströmischen Reiche ein Ende gemacht hatte, ließ er einen großen Theil der christlichen Bevölkerung tödten. Um nun die verödete Stadt wieder zu bevölkern, gestattete er den Juden seines weiten Reiches, nach Konstantrnopel zu ziehen und gewährte denselben viele Vortheile. Als der Sultan nach einigen Jahren die Insel Morea eroberte, veranlaßte er die jüdische Bevölkerung derselben, nach Konstantinopel überzusiedeln. Während in Europa um dieselbe Zeit die Juden in äußerster Niedrigkeit lebten, verfolgt und gedrückt wurden, genossen sie unter Sultan Mahomed II. der vollsten Freiheit; einer der Leibärzte des Sultans war ein Jude, ein anderer Jude wurde vom Sultan mit einer Gesandtschaft beehrt. Rabbiner zu Konstantinopel war zu jener Zeit R. MoseS Kapsali. Als sich nun unter türkischer Herrschaft die Gemeinde so ungemein vergrößerte, so j ließ der Sultan Erkundigungen einziehen, ob ver Rab-! biner der ehemals unbedeutenden Gemeinde auch bel sähigt sei, dem nunmehr so großen Wirkungskreise vor-! zustehen. Es ergab sich, daß der Rabbiner ein eben so gelehrter, wie weiser und strengrechtlicher Mann i war. Der Sultan bestätigte ihn ln seinem Amte, erwies ihm viel Ehre, ließ ihn vor sich kommen und gab ihm auf dem Rückwege das Geleit vom kaiserlichen Palast bis zur Wohnung des Rabbiners, wiewohl der Weg ziemlich weit war. Einst wollte der Sultan sich persönlich von der Gerechtigkeitsliebe des Rabbiners überzeugen. Verkleidet wohnte er unerkannt einer jüdischen Gerichtssitzung bei. Gerade hatte ein armer Mann einen Proceß mit einem der reichsten und angesehensten Israeliten Konstantinopels. Der Rabbiner erwog die Angelegenheit sorgfältig mü» verurtheilte dann den Reichen. Dieser weigerte sich, das Urtheil anzuerkennen, pochte auf seinen Reichthum und sein Ansehen. Unerschrocken und unbestechlich that der Rabbiner den Widerspenstigen in den Bann und zwang ihn dadurch, die Ansprüche des Armen zu befriedigen. Als der Sultan mit seinen Begleitern den Gerichtssaal verließ, sagte er zu diesen: „Hier habe ich einen Richter gesehen, der ist, wie ich ihn wünsche". Von diesem Tage an gewann der Sultan den Rabbiner sehr lieb, überhäufte ihn mit Ehren und berief ihn endlich in seinen geheimen Rath. — Der jüdische Leibarzt des Sultans hieß Hakim Jakob; auch dieser war ein Liebling seines Monarchen und wurde von demselben später zum Schatzmeister ernannt. Feuilleton. Solomon ANsein Rath oder -re Lranenprove. *) Von -U.. Einst sprachen die Räthe Salomo's zu demselben: „Sage, o König! wie konntest Du den Ausspruch tyun: **)" „Noch suchte meine Seele etwas, und ich fand es nicht: Unter Tausend fand ich einen tüchtigen Mann; doch unter eben so viel nicht ein wackere- *) Nach Meschalim schel Schclomo Nr. 3. — Auch i«Me- »ajeschuah des R. Risflm Gaon 8d., so wie Zesnah ureLnah stuth 18üä. — Pred. 7, 36. -

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