Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 5 (1864)
- Issue
- Heft 49 (7.12.1864)
- Date
- 1864-12-07
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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661 küßte ihn und sprach: „Wie sehnte ich mich nach Dir! Komm, laß uns das Abendbrod genießen und fröhlichen Muthes sein; ich fühle mich so heiter gestimmt. Ich habe deshalb auch eine Flasche Wein aus den Tisch gestellt." — Sie setzten sich zu Tische, und die Frau schenkte dem Manne, der sich über die Heiterkeit und Liebenswürdigkeit seiner Frau herzlich freute, so lange ein, und er trank arglos, scherzend und kosend, so lange aus, bis er einen Rausch fühlte. — Er ging zu Bette.— Als der Mann bald im Liefen Schlage lag, holt die Frau das Schwerd, das ihr der König gegeben, zieht es aus der Scheide, tritt an das Bett ihres Mannes und haut ihm nach dem Halse, so mit all ihrer Kraft, daß sie glaubt, ihm mit einem Hiebe den Kopf abgeschlagen zu haben. Mer der kluge König hatte dem Weibe ein freilich sehr glänzendes, jedoch zinnernes Schwerd gegeben. — Der Mann erwachte augenblicklich von dem Schlage. — Noch stand seine Frau da mit bloßem Schwerde und keuchend von dem Schwünge, mit dem sie ausgeholt. — „Was willst Du mit dem Schwerd?" rief der! Mann, sprang auf und riß ihr das Schwerd aus der i Hand. — Da fiel sie erschrocken vor ihm nieder und zitterte und weinte, und gestand ihm, was sich zwischen ihr! und dem Könige zugetragen, und wie des Königs ver-! führerische Worte sie so sehr bethört. „O, verzeih Deinem armen, unglücklichen Wekbe!" rief sie die Hände ringend. — „Stehe auf!" sagte der Mann sanft, „ich verzeihe Dir; weiß ich doch, welchen Kampf ich selbst zu kämpfen hatte." — Den andern Tag wurden sie beide vor dm König beschieden. — Die Räthe des Königs saßen in einem Halbrund vor dem König. — „Erzählt," sprach der König zu dm Beide«, „was sich hier zwischen mir und Euch und dann zwischen Euch in Euerem Hause zugetragen." — Sie erzählten beide, offen und wahr. — Ms die Frau mit niedergeschlagenem Blicke vollendet, da lachte der König auf und sagte: „Ihr sehet, meine Näthe, wie gut es war, daß ich ihr nur ein zinnernes Schwerd gegeben, und daß ich nicht so Unrecht hatte, als ich sagte: Doch unter eben so viel nicht ein wackeres Weib! — Aber," fügte er sogleich ernst hinzu, „um so wahrer auch durfte ich sagen:*) „Haus und Vermögen erbt man von deu Eltern; Aber der Gottheit Geschenk ist ein vernünftiges Weib." — *) Spr. Sal. 19, 14. Anzeigen. Asyl für gemüths- und nervenkranke Israeliten. In meiner Anstalt, -Le sich seit ihrem dreijährigen Bestehen allfeitiger Anerkennung erfreut, können Kranke beiderlei Geschlechts Aufnahme finden Für die Angehörigen solcher Leidenden möge es zur besonderen Beruhigung dienen, daß alle Kranken, deren Zustand es nur irgend erlaubt, an dem Familienleben des Unterzeichneten Antheil nehmen. Bayreuth (Bayern), iS. November 18«4.