Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 5 (1864)
- Issue
- Heft 49 (7.12.1864)
- Date
- 1864-12-07
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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648 an Kameelen, Schafen und Rindern, Knechten und Mägden, gesegnet von Gott um seines Vaters willen. Mehrere Jahre waren seit der Trennung verflossen, ohne daß der Sohn den Vater und der Vater den Sohn wiedergesehen. Da ward Abraham von unwiderstehlicher Sehnsucht nach seinem ältesten Sohne ergriffen, und er bat Sarah um Erlaubniß, denselben besuchen zu dürfen. „Es sei Dir gestattet," sagte Sarah, „jedoch unter der Bedingung, daß Du an dem Wohnsitze ^Smaels Dein Kameel nicht verlässest, um etwa bei hm und seiner Mutter einzukehren, sondern sogleich, nachdem Du ihn von Deinem Kameele herab vor dem Zelte gesprochen, wieder zurückkehrest." — Abraham versprach, so zu thun, und machte sich schon den andern Tag in aller Frühe auf den Weg. — Nach einer halben Tagereise gelangte er gegen Mittag zu den Zelten Jsmaels. Er traf nur dessen Frau mit ihren Kindern. „Wo ist Jsmael?" frug Abraham an dem Eingänge des Zeltes, ohne sein Kameel zu verlassen- — „Er ist auf die Jagd gegangen," antwortete Meribah, „und feine Mutter ist auch nicht da" — „Meine Tochter," sagte Abraham, „ich bitte Dich um ein wenig Wasser, daß ich trinke; denn ich bin nmd und matt von dem langen und heißen Wege in der Steppe." — „Wir haben weder Brod, noch Wassert" rief Meribah. — Sie blieb in ihrem Zelte, kümmerte sich nicht weiter um den fremden, alten Mann und fragte nicht einmal, wer er sei, schlug ihre Kinder und fluchte ihnen, fluchte ihrem Manne und schimpfte auf ihn, daß er so lange ausbleibe. — Abraham verdroß dieses sehr. „Komme wenigstens einmal heraus!" rief er ihr zu. — Sie trat mürrisch aus dem Zelte. Abraham saß auf seinem Kameele. „Wenn Dein Mann kommt," sagte Abraham jetzt zu ihr, „so sage ihm: ein alter Mann aus dem Philisterlande ist dagewesen, um Dich zu besuchen; ich habe ihn zwar nicht gefragt, wie er! heißt, aber so und so sieht er aus. Er läßt Dich j grüßen und Dir sagen: „Neiße den Zeltpflock i aus, den Du eingesetzt, und setze einen an- I dern an seine Stelle ein! Denn jener ge- > ziemt Dir nicht und steht Dir nicht gut." - Hierauf wandte Abraham sein Kameel und ritt da-! von. — Als Jsmael nach Hause kam, berichtete Meribah ihm, was vorgefallen, beschrieb ihm den alten Mann und theilte ihm auch dessen närrische Worte mit, wie sie sagte. — Der Sohn eines Weisen ist schon ein halber Weiser. — Jsmael erkannte aus der Beschreibung die ehrwürdige Gestalt seines Vaters und begriff auch, was sein Vater ihm hatte sagen wollen. Er verstieß Meribah als seiner unwürdig und heirathete dann eine Frau aus dem Stamme der Cananiter. — Abermals waren drei Jahre vergangen. Da sprach Abraham wieder zu Sarah: „Laß mich hingehen, Jsmael zu besuchen; es sind schon viele Jahre, daß ich ihn nicht gesehen." — Sarah willigte ein unter derselben Bedingung. — Er kam ebenfalls gegen Mittag an und frug nach Jsmael, ohne sein Kameel zu verlassen. Die junge Frau eilte sogleich aus dem Zelte und sagte ihm, daß Jsmael in die Steppe gegangen sei, um zn jagen und die Kameele zu weiden, und bat ihn, abzusteigen und im Zelte auf seine Ankunft zu warten und sich unterdessen von der Reise zu erholen. „Du bist müde, alter Vater," sagte sie herzgewinnend, „ich sehe es Dir an." — „Ich kann nicht absteigen," erwiderte Abraham, „denn ich muß bald wieder zurückkehren; aber ich bitte Dich um ein wenig Wasser, denn mich dürstet sehr." — Die junge Frau eilte sogleich in's Zelt zurück, holte Wasser und Brod und Milch und Früchte und reichte es ihm mit herzlicher Freundlichkeit dar, indem sie sagte: „Iß und trink, alter Vater, und erquicke Dich!" — Abraham aß und trank freudigen Herzens und pries im Stillen seines Sohnes Glück, und als er gegessen und getrunken, dankte er der lieblichen, jungen Frau und sprach: „Ich bitte Dich, meine liebe Tochter! wenn Jsmael nach Hause kommt, sage ihm: ein alter Mann, so und so gestaltet, aus dem Philisterlande, war da; er läßt Dich väterlich grüßen und Dir sagen: „Halte mir ja den Zeltpflock, den Du Dir eingesetzt, in Ehren! Er ist gut und schön, und der SegenGottes wird durch ihn auf Deinem Zelte ruhen." — Hierauf entfernte sich Abraham. — Als nun Jsmael zürückkam, ging seine junge Frau ihm freundlich entgegen und berichtete ihm, was sich ereignet. Da umarmte Jsmael sie, küßte sie und sprach: „Ja, der Segen Gottes wird auf meinem Zelte ruhen, so lange Du, mein trautes Weib, mir bleibest. *) — *) Nach einer andern Darstellung war die erste Frau eine MoaLtterin mit Namen Aßia oder auch Aischal,, Adischah (ützer die Aehnlichleit der Namen der Frauen Jsmaels mit denen der Frauen Muhmcd's s. B. Beer's „Leben Äbrahems " V. 172); die zweite eine Acghpterin mit Namen Fatima, und die Worte Abrcbams lauteten: „Die Sckwelle (miphtkan; nicht: Pfosten, wie Weil es gibt) Deines Hausis ziemt Dir nicht." Andere geben das Wort jathed, das wir durch Zeltpflock gegeben, durch Nagel. — Auch die Araber kennen diese Erzählung. Vergl. Weil's bibl. Legenden der Muselmänner S. 90 ff. — Hierzu zwei Beilagen. Berantrv örtlich« Redaktion: Vr. Lehm«««. — Verlas der Li Rovr'schrn Hofbuchhandlung. — Dampf-Schnellprrsirndruck von I. GottSleben in Main».