Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 5 (1864)
- Issue
- Heft 49 (7.12.1864)
- Date
- 1864-12-07
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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647 Amerika. Lima. (Peru.) Als Kolonie hat Peru von seinem Mutterlande all diejenigen Eigenschaften empfangen, welche demselben eigenthümlich sind, so auch die Inquisition mit ihrer Intoleranz und ihren unmenschlichen Verfolgungen. Lima hat sogar einer der Straßen den Namen der Inquisition gegeben; hier wurde das ^uto-äa-te an Frau Castro vollzogen, welche als des Judenthums verdächtig, verbrannt wurde. Man findet die Einzelnheiten über die spanischen Juden, welche nach Südamerika gekommen sind, in den von der Nt vista de Lima seit 1860 veröffentlichen Annalen der Inquisition. Auf 3 Schlachtopfer kommen immer zwei, die des Judenthums verdächtig waren (judaizantes); sonderbarer Weise waren das immer die Reichsten, ihr Vermögen fiel dann dem heiligen Officium anheim. In den Annalen der Inquisition von Mexiko kommen derlei Thatsachen nicht vor, weil die Gesetze des spanischen Indiens die Neuchristen von dieser Gegend, der reichsten Amerikas, ausschloffen. Ueber Diejenigen, welche sich nach Peru begaben, berichtet das Werk Acosta's: „Colonisation von Neugranada," daß derTheil dieser Republik, welche noch heut Antiochia heißt, ganz von Juden kolonistrt worden sei. Die Nachkommen der ersten Kolonisten dieses Staates werden noch von den übrigen Einwohnern scherzweise Juden genannt. Sie zeichnen sich durch ihren Reichthum, durch intellektuelle Fähigkeiten und durch ihre ausschließliche Beschäftigung mit Ackerbau und Handel aus; ihre Züge tragen noch heute die Spuren jüdischer Abkunft. Ich habe im Jahre 1850 in Lima einen Gesandtschaftsattachs aus Antiochia gekannt, der mir die Angaben Acostas wörtlich bestätigt hat; er fügte hinzu, daß die Einwohner Antiochiens niemals einen ihrer Söhne Theologie studiren lassen, und daß es aus diesem Grunde keinen antiochischen Priester gebe. Das sind die wenigen Nachrichten, welche ich über unsere Glaubensgenossen in Peru während meines zehnjährigen Aufenthaltes habe sammeln können, ungeachtet mir die Bücher der Nationalbibliothek von ihrem würdigen Direktor, dem tugendhaften Freunde Israels, Herrn Or. Vigil, zur Disposition gestellt worden sind. Ich kann nicht umhin, hier eines spanischen Werkes zu erwähnen, welches von der Ankunft des Messias handelt. Der Verfasser desselben, ein Priester, Namens Tacumba, behauptet, daß allein die Juden ihn sehen werden, weit sie allein dessen würdig sind. Das Buch enthält eine Apotheose unseres Volkes. Daß ein spanischer Priester solchen Ideen Ausdruck gibt, ist noch weniger zu verwundern, als daß die Spanier den Druck dieseH Buches erlaubt haben. Der erwähnte Priester ist sicherlich von jüdischer Abkunft. Seit der Unabhängigkeitserklärung Peru's im Jahre 1822 dürfen die Juden hier öffentlich ihren Glauben bekennen; seit 15 Jahren wohnen denn auch hier wieder Glaubensgenoffen, die von New-Dork oder Kalifornien hierher kamen. Die Anzahl derselben beläuft sich höchstens auf 50 Seelen; sie sind sämrutlich Polen, bis auf 4 oder 5, die Franzosen find. Seit 1858 wird hier ein Minjan veranstaltet, um die hohen Feste Rosch Haschana und Jom Hakippurim zu feiern. Seit dieser Zeit hat man auch eine Wohlthätigkeitsanstalt errichtet, um unAicklichen Reisenden und armen Kranken zu Hilfe zu kommen. Es gibt noch keinen besonderen jüdischen Friedhof. Die Verstorbenen werden auf dem protestantischen Vegräbnißplatz begraben. Namentlich zeichnen sich die hiesigen polnischen Israeliten durch ihre Wohlthätigkeit aus; niemals wird hier Mitleid vergebens in Anspruch genommen; bei außergewöhnlichen Anlässen veranstaltet einer von ihnen eine Privatsammlung, und das Resultat ist immer ein befriedigendes. Das Klima von Peru ist im Allgemeinen sehr gesund, die Einwohner sind sanften Charakter's, die Hilfsquelle des Landes find eben so unerschöpflich wie diejenigen von Mexiko; durch Zufluß von Colonisten und Kapitalien würde das Land sehr bald zu großem Wohlstände gelangen. Das wird sich durch die vollständige Gewissensfreiheit und durch die allmähliche Einwanderung unserer europäischen Glaubensgerealisiren. Maurice Caplan. (Arch. isr.) Feuilleton. Der würdige und der unwürdige Zettpflock.*) Von V «i» s L s» «. Jsmael hatte sich, nachdem ihn sein Vater Abraham auf das Geheiß Sarah's mit seiner Mutter Hagar von sich entsendet, in der Wüste Paran niedergelassen und eine Frau aus dem Aegypterlande, welche seine Mutter Hagar ihm zugesührt, genommen, mit Namen Meribah. **) — Der Segen Abrahams ruhte auf Jsmael, und er besaß mehrere Zelte, war reich *) Nach Sepher hajaschar 26 d. — 27 d. — Jalkut »ajera Rr. 95. — Vergl. auch Scder haddoroth S». — Pirke L. Etirs. Cap. 3V. Largum Jvnath. 1. D. M. 21, 21. **) Drr Name ist aLfichtlich gewählt; » bHuitrt: Die Zanksüchtige.--