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Der Israelit · 1864-12-07 · Heft 49 (7.12.1864) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
5 (1864)
Issue
Heft 49 (7.12.1864)
Date
1864-12-07
Page
– (sequence 6)
Language
German
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646 Verdachte Zu reinigen suchte. Auf die Klage des Vaters des geraubten KindeS hat der Minister des Innern den Polizeimeister absetzen und in Anklagezuftand versetzen kaffen, ebenso die Lipovanen. Herr Cogalniceano hat dem Präfekten von Ismail sehr energische Verhaltungsmaßregeln gegeben. Der Minister verweist auf die heiligen Rechte der Familienväter und erklärt, daß das Gesetz den Kinderraub bestrafen würde, unter welchem Vorwand er auch ausgeführt werde. Man hält thätige Nachforschungen, um das Kind wieder aufzufinden und die Thäter streng zu bestrafen. Türkei. Koristantinopel. Ein Muselmann ging mit seinem Kinde durch das israelitische Stadtviertel, wo das Kind sich von seiner Hand verlor. Der Vater begab sich auf die Polizei. Alsogleich begab sich der Kavas-Baschi (Polizeilieutenant) mit einer Escorte von Polizisten an Ort und Stelle. Zwei Israeliten, welche in einem Bäckerladen saßen, unterhielten sich mit einander. Der Eine sagte: „diese Angelegenheit ist also jetzt beendet". Diese Worte hörte der Kavas- Baschi. Sogleich faßte er Verdacht, daß die Juden das Kind gestohlen hätten, um es bei Gelegenheit der Camich-bairam-Feste zu opfern; er befahl den Polizisten die beiden Israeliten zu greifen und zu binden, was auch unter Säbelhieben und Stockschlägen geschah. Alsdann begab sich der Kavas-Baschi mit seiner Eskorte in einige israelitische Häuser, indem er sich dieselben Mißhandlungen gegen Männer, Frauen und Kinder erlaubte, um zu erforschen, wer das türkische Kind gestohlen habe. Indem er durch die Straße ging, um noch andere Häuser in derselben Weise zu durchsuchen, bemerkte er an die Mauer gelehnt ein weinendes Kind, das nach seinem Vater rief. Es war das verlorene. Als man es fragte, ob es von den Juden mißhandelt worden sei, sagte es, daß ihm Niemand etwas zu Leide gethan habe. Der „Courrier d'Orient" sagt in Bezug hierauf: „Wann wird man denn endlich aufhören, die Juden für Kinderfreffer zu halten, wann wird man aufhören, sie bei den geringsten Anlässen zu mißhandeln? Es wäre gerecht, daß der Kavas-Baschi in exemplarischer Weise bestraft werde." Die „Archives isr." fügen noch Folgendes hinzu. „Wenn die hohe Pforte solche Vorgänge erfahren würde, so würden sie sich beeilen, den Urheber derselben zu bestrafen. Die türkische Regierung ist in Bezug auf ihre israelitische Unterthanen von den besten Absichten, von dem gerechtesten Geiste beseelt. Die Leiter derselben stehen hierin den Staatsmännern dss OccidentS nicht nach; aber sie erfahren nicht Alles, und die Subalternbeantten sind wie Ln manchem europäischen Lande noch um ein halbes Jahrhundert zurück. Die mißhandelten Personen sollten sich an die Regierung wenden. Die Zeiten sind vorüber, in denen eine solche Klage hätte gefahrbringend werden können." Asien. Aleppo, 25. Sept. Im Begriff, Aleppo zu verlassen, beeile ich mich Ihnen, Herr Redakteur, einige Einzelheiten mitzutheilen, welche, wie ich denke, Ihren zahlreichen Lesern von Interesse sein werden. Die Stadt ist in Europa bekannt genug. Gelehrtere Männer, als ich, haben sich damit befaßt, sie zu beschreiben; ich werde daher nur solche Dinge berichten, die vorzugsweise die Israeliten betreffen. Die israelitische Bevölkerung zählt fast 8000 Seelen. Fast der ganze Engros-Handel ist in ihren Händen, und drei italienische Israeliten, welche der Familie Pimoto angehören, repräsentiren als Konsuln die Regierungen von Rußland, Oesterreich und Preußen. Die große Synagoge soll nach einer allgemein verbreiteten Tradition noch vor der Zerstörung des zweiten Tempels erbaut worden sein. Allein die Architektur des Plafond's und die Reihen der Säulen, welche ihn stützen, scheinen nur bis in die ersten Zeilen der arabischen Baukunst hinaufzurerchen. An der linken Seite des Synagogenhofes befindet sich ein kleiner Keller, welcher ungefähr 2 Meter hoch, lang und breit ist. Hier soll der Prophet Esra bei seiner Rückkehr von Babylon ausgeruht haben. Eine ewige Lampe ist dem Andenken daran geweiht. Man bewahrt hier auch eine Sefer Thora, welche ebenfalls von Esra herstammen soll. Mitten in der Stadt sieht man die Ruinen eines starken Schlosses, der alten Cidatelle von Aleppo. Wie die Israeliten behaupten, soll dasselbe unter der Herrschaft König Davids erbaut worden sein. Man behauptet sogar, daß sich in demselben ein Stein befinde, welcher folgende hebräische Inschrift trage: „Joab ben Zerujah hat diese Festung erbaut." Unglücklicherweise haben alle Nachforschungen nach diesem Steine zu keinem Resultat geführt. In jüngster Zeit hat hier fast 3 Stunden lang ein furchtbarer Sturm gewüthet. Hagelsteine in der Größe eines Eies fielen auf die Stadt und deren Umgebungen. Die Hagelsteine fielen in mein Bett, indem sie zu den zerbrochenen Fensterscheiben hereinschkugen. Seit Menschengedenken hat man nichts AehnlicheS gesehen. Glücklicherweise Hai man nur Verwüstung, aber kein Menschenleben zu beklagen. Nersop, Direktor der israelitische Schule zu Bagdad. (Ärch. LsrV)

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