Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1864-12-07 · Heft 49 (7.12.1864) · page 5

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
5 (1864)
Issue
Heft 49 (7.12.1864)
Date
1864-12-07
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2446951-2447141-2447189--03035-2458410
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

645 Zeugniß dafür geben ihre zahlreichen älteren Stiftungen, zu denen fast jedes Jahr neue hinzutreten. Unter letzteren hat die erst seit kurzer Zeit bestehende Humboldftiftung zur Unterstützung jüdischer Studirender der Medizin bereits einen solchen Fond angesammelt, daß sie jährlich für die Promotion zweier Aerzte Stipendien von je 125 Thalern aussetzen kann- Aehnliche Ziele stellt sich die von unserem berühmten Glaubensgenoffen Herrn Professor Traube im vergangenen Monat begründete Stiftung, mit der einzigen Beschränkung, daß bei Bewerbung um ein Beneficium in erster Reihe jüdische Studirende ans seiner Vaterstadt berücksichtigt werden sollen. Professor Traube ist für Krankheiten der Brust und der Athmungsorgane anerkannt die erste Autorität in Deutschland, ja ich kann wohl sagen in Europa; denn nicht nur aus allen Ländern dieses Erdtheils, sondern auch aus Asien und Amerika kommen Patienten, ihn zu consultiren und sich seiner Cur zu unterwerfen. Einen auf verwandtem Gebiete gleich ausgezeichneten Israeliten hat Berlin leider vor! Kurzem verloren, nachdem er erst seit wenigen Mo-! natcn für die hiesige Universität gewonnen worden! war. Es ist der Professor der Naturkunde, I)r. , Pringsheim; er hat uns verlassen, um einem Rufe als ordentlicher Professor an der Jenaer Universität i zu folgen. (Hebrew.) j Pasewakk (Pommern), 21. Nov. Anbei übersende ich Ihnen Nr. 545 der pommerischen Zeitung, aus welcher Sie ersehen werden, in welch würdiger Weise der hiesige Rabbiner, Hr. Or. Ali feld, das Judenthum vertritt. Bei der gestern ftattgehabten Beerdigung des Vaters des Dirigenten unseres Männergesangvereins, denl auch l)r. A. angehört, sang der Verein christliche Choräle, die in den stärksten Ausdrücken das christl. Glaubensbekenntniß enthalten. Nach Beendigung der vom Hrn. Superintendenten Fischer gehaltenen Grabrede trat der Geistliche an die Sänger, in deren erster Reihe vr. Alifeld stand, mit den Worten heran: „Ich höre, der jüdische Rabbiner soll wieder mitgesungen haben." Als Or. A. hierauf entgegnete: „Ja, der bin ich," richtete der Superintendent an ihn die Frage: „Glauben Sie denn auch was Sie gesungen haben?" Die Antwort des Herrn vr. A. lautete: „Ja was ich gesungen habe, das glaube ich!" Der Korrespondent der pommerischen Zeitung tadelt das Benehmen des Herrn Superintendenten Fischer; ich hingegen und mit mir jeder gesinnungstreue Mann, kann das Benehmen des Herrn Superintendenten nur billigen, kann aber nicht umhin, meine tiefste Entrüstung über einen Rabbiner (ist) auszusprechen, der erst von einem evangelischen Geistlichen, auf das, gelinde gesagt, Tadelnswerthe seiner Handlung aufmerksam gemacht werden muß. Italien. Neapel. Hr. Baron Adolph und Frau Baronin Lionel v. Rothschild aus London haben der hiesigen israelitischen Gemeinde eine jährliche Rente von 2500 Lr. zur Erhaltung der ewigen Lamp; bestimmt, um dadurch das Gedächtniß ihrer Eltern zu ehren. — In den ersten Novembertagen ist hier eine jüdische Schule eröffnet worden. Nom, im November Ein furchtbares Verbrechen hat das Judenviertel in Schrecken versetzt. Zwei Individuen begaben sich in einen der Läden des Ghetto's um Kleider zu kaufen. Sie schleppten die^ Verkäuferin in ein oberes Zimmer, schnitten der-' selben mit einem Nasirmeffer die Kehle ab, und bemächtigten sich des Geldes und der Schmuckgegenstände, die sie bei ihr fanden. Es ist der Polizei gelungen, der beiden Thäter habhaft zu werden. Sie kamen beide aus der Mark Ancona. Donaufürstenthümer. Folgende sonderbare Geschichte, deren Ausgang noch unbekannt ist, hat sich in einer Gemeinde des Distrikts Ismail zugetragen. Im Monat Juli o. I. behauptete ein Israelit, welcher in der Gemeinde Macravliooca wohnte, daß sein Töchterchen ihm geraubt worden sei. Er hatte einen Priester von der Sekte der Lipovanen in Verdacht, die bei höchst sonderbaren Gebräuchen (die Lipovanen machen sich freiwillig zu Eunuchen) in einer Wüse sich der Proselytenmacherei hingeben, die der Toleranz der Gegenwart nicht mehr angemessen ist. Der Israelit, Namens Herschko Bercovicz, trat eines Tages plötzlich in das Haus des Priesters, sah dort 2 Kinder in einem Bette schlafen, nahm eines davon und entlief, indem er ausrief, daß das seine Tochter sei. Von den Lipovanen verfolgt, fand er bei den Juden Unterstützung. Es kam zum Kampfe, in welchem die Lipovanen das Kind wieder an sich rissen. Vor die Polizei gefordert, brachten die Lipovanen ein anderes Kind, welches der Vater nicht als das seinige anerkannte; auch die andern Juden behaupteten, daß das Kind vertauscht worden sei. Als der Präfekt von diesen Vorgängen erfuhr, befahl er dem Volizeimeister, den Lipovanen anheim zu geben, daß sie binnen 24 Stunden das Kind seiner Familie zurück gegeben haben müßten, wo nicht, würden sie eine schwere Verantwortlichkeit auf sich laden. Der PolLzeimeister gehorchte nicht allein dem Befehle nicht, sondern er machte auch einen Bericht, in welchem er den Israeliten zu verdächtigen und die Lipovanen von dem

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.