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Der Israelit · 1864-11-30 · Heft 48 (30.11.1864) · page 12

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Journal
Der Israelit
Volume
5 (1864)
Issue
Heft 48 (30.11.1864)
Date
1864-11-30
Page
– (sequence 12)
Language
German
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638 Je sich wieder Kräfte regen, Daß zu grünen er beginn', Und auch Blätter neu gewinn', —" „Sieh, so wenig darfst Du hoffen, Du in Deinen blut'gen Sünden, Gnade je vor Gott zu finden, Von der Reu' zu spät betroffen. Gehe! für so blut'ge Thal Weiß der Mensch Dir keinen Rath" — „Wenn dem so ist, will ich gehen," Sprach der Mann und ging von dannen, „Will, wenn's so ist, mich ermannen, Will es lassen, wie's geschehen, Will, noch schlimmer als zuvor, Ganz verschließen Herz und Ohr. - " Aber kaum daß ein'ge Stunden Unserm Rabbi still verflossen, Siehe, da beginnt zu sprossen Und zu grünen, zu gesunden Sein bis jetzt so dürrer Stab Von dem Knopf zur Spitz hinab. „Also doch auf Gnade hoffen!" Rief der Rabbi höchst verwundert, „Der zum Morde aufgemuntcrt. Wie er selber sagte offen! Anders nicht, rer sünd'ge Mann Hat ein Gutes sonst gethan." Und er ließ den Mann sich kommen „Siehe," sprach er, „Gottes Willen Heißt mich Deinen Wunsch erfüllen, Dir zum Heile und zum Frommen Sieh den Stab, so dürr und kahl, Wie er grünt als Gottesmal" „Daß dies Wunder Dir geschehen Zeigt, daß Gott Dich werth befunden, Jetzt in Deinen bangen Stunden, Gnadenreich Dir beizustehen; Daß er irgend eine Thal Günstig Dir verzeichnet hat." „Sage mir denn frei und offen, Welche That ist Dir zur Stütze, Daß die Buße Dir auch nütze, Daß Vergebung Du darfst hoffen. Sprich mir unverhohlen, frei, Daß Dein Schritt nicht fruchtlos sei." — „Wohl muß ich es eingestehen," Sprach er, „seit den Unglückstagen Hab' ich Haß zur Schau getragen, Wo ich Juden nur gesehen; Hab' so manchem braven Mann Herzleid tückisch angethan " „Einen Tag nur ausgenommen, Deß mit Wehmuth ich gedenke, Weil ihn einzig zum Geschenke Ich vom Himmel Hab' bekommen. Er nur einzig und allein Kann als gut bezeichnet sein." „Manches Netz ward schon gesponnen, Um den Haß um Gottes willen, Um die Gier nach Raub zu stillen; Tück'scher aber nichts ersonnen, Als die blutgetränkte Mähr', Daß der Jude Blut begehr'" „Blut begehr' von Christenknaben, Um so seinem Gott zu Ehren. Seinen Osterkelch zu leeren Und sich an dem Trank zu laben. Dies verruchte Bubenstück Bracht' mich zu mir selbst zurück." — . Einst nach einer Stadt gekommen, Sah ich Haß und Raubgier glüben, Doch vergeblich sich bemühen, Ihrer Beute beizukommen, Bis sich endlich jener Wahn Tückisch brach die blut'ge Bahn." ..Heimlich warf man eine Leiche Eines kaum verstorbnen Knaben. Die man stille ausgegraben Aus dem eigenen Todtemeiche. Einem Juden in das Haus, Brach darauf in Jammer ans." „Fing zu jammern an, zu schreien, Wie es endlich klar geworden, Daß die Juden Kinder morden, Sie dem Marlertod zu weihm; Bis der wuthentbrannte Häuf' Jagte alle Schrecken auf." „Laßt uns/ schrie er, ..All' verdammen, Männer, Frauen, Kinder, Greise, Allesammt auf eine Weise Geben hin dem Tod der Flammen! Auch nicht Einer bleib' verschont, Alle seien gleich belohnt!" „Und es schienen schon die Armen Rettungslos zu Schand' geworden, Als den wilden wüth'gen Horden

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