Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 5 (1864)
- Issue
- Heft 48 (30.11.1864)
- Date
- 1864-11-30
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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637 Eine glückliche Epoche brach für die brasilianischen A-rsen an, als die Holländer dieses Land im Jahre 1624 eroberten. Die bereits in diesem reichen Lande angesiedelten Israeliten veranlaßen ihre holländischen Brüder, an ihrem Loose Theil zu nehmen und als Coloniften nach diesem neuen von der Industrie noch wenig ausgebeuteten Lande auszuwandern. Ungefähr 600 Individuen, von zwei Rabbinen, R. Raphael D. Akudao und N. Jsaac Aboab, begleitet, begaben sich von Amsterdam dorthin und bildeten die jüdischen Gemeinde, deren Spuren noch vorhanden sind. Ihr Wohlstand wuchs derart, daß sie dem Gouverneur Moritz von Nassau, als er sich zürückzog, 6 Tonnen Goldes zur Erbauung seines Palastes anboten. Ihr Glück war jedoch in Brasilien nicht von langer Dauer. Die Gouverneure, welche dem Prinzen Moritz von Nassau folgten, verursachten eine Mißstimmung unter den Holländern und den hebräischen Coloniften. Ein Complot wurde gegen sie gebildet, aber noch recht zeitig entdeckt; aber der Friede war nichtsdestoweniger gebrochen, und viele Conflicte entstanden noch, in welchen die Juden gegen die Holländer kämpften. Im Jahre 1654 kam Brasilien wieder in die Gewalt Portugals. Die Juden, welche sich im Kampfe ausgezeichnet hatten, mußten das Land verlassen. Der portugiesische Gouverneur erlaubte ihnen, solange zu verweilen, bis sie ihre Güter verkauft hatten. Er stellte ihnen 16 Schiffe zur Disposition und gab ihnen eine aus seiner Leibwache gebildete Escorte mit, um ihre Rückkehr nach Amsterdam zu beschützen. Das war das Ende der ersten jüdischen Gemeinde in Brasilien. Jetzt entsteht, Dank dem Fortschritt der Zeit, der israelitische Cultus in Brasilien wieder; wir werden hierüber nächstens einige Nachrichten veröffentlichen. Feuilleton. Rabbi Zu-a Chafid und der Abtrünnige.*) Von Unter jenen hohen Namen, Die noch aus den alten Tagen, Reich an Wundern und an Sagen, Unsire Väter überkamen, Klang besonders einer vor, Dringend bis zu unsirem Ohr. *) Nach Maase-Buch Cap. 178. — Rabbi Juda mit dem Beinamen Chasiv, der Fromm-', ein Sohn des Rabbi Samuel Chasid, starb zu Regensburg 1217. — Wir, die wir die Zeiten trennen, Hörten gern in jüngern Jahren, Die noch reich an Glauben waren, Rabbi Juda Chasid nennen, Rabbi Juda Chasid's Ruf Sprach von Wundern, die er schuf. Als zu Regensburg er wohnte, Und in allen deutschen Gauen Ehrerbietung und Vertrauen Seine Wunderthaten lohnte, Da erschien vor ihm ein Mann. Muthgebrochen, und begann: „Eure Hülfe such' ich, Meister! Wollt erfüllen mein Begehren, Reuevoll zurückzukehren Rück zum ein'gen Gott der Geister. Meiner Väter treuem Gott Fiel ich ab mit frechem Spott." — „Und was konnte Dich bewegen, Deine Brüder zu verlassen, Die zu suchen, die uns hassen?" Frug der Rabbi ihm entgegen. „Was trieb Dich zum Gegner fort, Was hinweg von Iuda's Hort?" — Viele Jahre sind verronnen, Seit ich," ließ der Mann sich hören, „Strebend, ach, nach Glanz und Ehren, Meinem Gotte bin entronnen; Seit ich, zeigend neuen Sinn, Meinem Haus entfremdet bin." „Wohl Hab' ich mich schwer verschuldet An der eig'nen Brüder Leben, Hab' so Manchen preisgegeben Gift'gern Hohne, und geduldet, Selbst belobt, mit Knechtessinn, Riß man ihn zur Schlachtbank hin." — „Wehe!" rief der Rabbi, „Wehe! Wie mag sich ein Mensch erkühnen, Solche Schuld je ganz zu sühnen, Daß er rein vor Gott dastehe l Welche Buße, noch so schwer, Stellt ein Bruderleben her!" „Buße soll ich Dir auflegen — Sieh, so wenig diesem Stabe, Den ich in der Hand hier habe,