Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 5 (1864)
- Issue
- Heft 48 (30.11.1864)
- Date
- 1864-11-30
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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Wie weit diese Sache führen wird, muß die Zukunft lehren. Hoffen wir das Beste für ein jüdisches Gemeindeleben, dessen streng-jüdische Institutionen vielen großen Städten zum Muster dienen könnten. Man hört allerlei Urtheile und Prophezeiungen; doch hierüber ein Mehreres nächstens. — In Berlin sollen sich einige jüdische reiche Glaubensgenoffen entschlossen haben, eine Reise nach Palästina zu unternehmen. Sie wollen in Constantinopel Dolmetscher mit sich nehmen. Wandsbeck, im Novbr. In Fried er icia (Jütland) ist, wie uns berichtet wird, der jüdische Friedhof entweiht worden. Es wurden auf demselben Grabsteine demolirt; die dortige Polizeibehörde offerirt für die Habhaftwerdung der betheiligten Verbrecher eine Belohnung von 20 Thlr. Niederlande. Amsterdam, Ende November. Die hiesige israelitische Gemeinde geht jetzt ernstlich daran, den lange Zeit vakanten Rabbinatssitz wieder zu besetzen. Am Ende des Jahres 5624 hat zu diesem Zwecke Herrn Rabbiner Frey mann ans Mlehne eine Probepredigt abgehalten; dasselbe hat am Anfänge des Jahres 5625 Herr vr. Landsberger, Rabbiner zu Ma stricht gethan, und nächsten Samstag (rnn^n 's) wird Herr Rabbiner Or Feilchenfeld aus Düffeldorf hier predigen. Wie ich vernehme, sollen noch mehrere Probeprediger berufen werden. In der jüngsten Zeit hatten wir einen kleinen Wahlkampf; es war ein Mitglied des Kirchenraths zu wählen. Die Partei der sogenannten Modernen machte alle Anstrengungen, um ihren Kandidaten Herrn A E. Wertheim durchzusetzen; nichtsdestoweniger wurde der Kandidat der Orthodoxen, Herr E. A Catz, mit großer Majorität gewählt. Amerika. Sa» Francisco. Die Sitze in der Synagoge der hiesigen israelitischen Gemeinde Immanuel wurden für die hohe» Festtage um 11,000 Dollar (27,600 fl.) vermiethet. Der Kostenanschlag für eine neue Synagoge, die in der Sutterstraße gebaut werden soll, beläuft sich aus 125,000 Dollar (312,500 fl.) — Unlängst wollte ein Kohen c w^'i heirathen; Rev. M. Henri, Prediger der polnisch. Gemeinde, verweigerte die Trauung, die dann Hr. Cohn, ehemals in Brandenburg, nunmehr Prediger an der Gemeinde Immanuel, vollzog. Beide wurden öffentlich (im Hebrew) nach ihren Gründen befragt; Mr. Henri antwortete gemäß Gesetz und Recht, indem er sich auf unsere heiligen Codices (Mischnah, Gemara, Schulchan Aruch) bezog. Herr Cohn antwortete mit den maßlosesten Schmähungen gegen unser heiliges Religionsgesetz. Cincinnati. Die hiesige israelitische Gemeinde Bene Jeschurun erbaut gegenwärtig eine Synagoge welche 2000 Plätze enthalten wird Dieselbe wird die größte Synagoge in Amerika sein. (Gleaner.) Brasilien. „Ddv Oleainer" gibt einige Nachrichten über die ersten Niederlassungen der Israeliten in Brasilien: Die erste jüdische Gemeinde, welche sich in diesen Gegenden nach ihrer Entdeckung bildete, bestand großentheils aus solchen Israeliten, welche aus Portugal UM ihres Glaubens willen verbannt worden waren. Brasilien diente damals als Land der Verbannung rnd der Deportation; dahin schickte die portugiesische Regierung die Verbrecher und auch die Juden, welche weder ihre Religion verleugnen noch ihre Frauen verlieren wollten. Dort mußten sie die Bäume umhanen und die Papageien einfangen, welche nach dem Mutierlande geschickt wurden. Nach dieser Kolonie schickte man auch alle Neuchristen oder Marannen, welche heimlich den Vorschriften der jüdischen Religion gemäß lebten. Mehrere unter ihnen fingen an mit Erfolg Plantagen zu gründen; als sie sich in der neuen Welt in Sicherheit fühlten, warfen sie den Schein des Christenthums ab, zu dem die Inquisition sie gezwungen hatte, und bekannten sich öffentlich zum Judenthume. Mt diesen Colonisten verbanden sich später französische Juden, welche ebenfalls um ihres Glaubens willen rhr Vaterland hatten verlassen müssen; auch einige Protestanten wunderten freiwillig oder gezwungen dorthin ans. *