Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 5 (1864)
- Issue
- Heft 48 (30.11.1864)
- Date
- 1864-11-30
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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Beilage zu Rr. 48 des Zsraelit. Zeitungsnachrichten und Correspondenzeu. Deutschland. Mainz, 23. Nov. Herr Rabbiner Or. Guggenheimer zu Kolin erhielt unlängst einen höchst ehrenvollen Nus nach Bonyhad in. Ungarn; da aber die israelitische Gemeinde zu Kolin ihren ehrwürdigen Seelenhirten nicht fortziehen lasten wollte, so hat dieselbe die größten Opfer gebracht, um sich ihren würdigen Rabbiner zu erhalten, was ihr denn auch gelungen ist. Diese für Herr Rabbiner Vr. G. so ehrenvollen Vorgänge haben den Neid und die Galle jener zwei österreichischen Blätter erregt, welche aus der Lüge und der Verleumdung ein Handwerk machen: der Neuzeit und des Ben-Chananja. Die beiden ehrenwerthen Blätter haben sich bemüht, Herrn Rabbiner Or. G. bei dieser Gelegenheit mit Schmutz zu bewerfen. Wir erhalten nun von Seite der Verehrer des Rabbiners Herrn Dr. G. eine Widerlegung jener Schmäharkikel, die wir jedoch aus doppelten Gründen ihrer ganzen Ausdehnung nach nicht wiedergeben können, erstens weil wir dann auch die darin widerlegten Schmähungen reproduziren müßten, und zweitens, weil sich der Korrespondent in seinem allerdings gerechten Eifer zu einer zu derben Sprache hat Hinreißen lauen Wir entnehmen aus der uns vorliegenden Correspondenz die Versicherung, daß für Hr. Rabbiner Or G. nicht nuc in Bonyhad, sondern in ganz Ungarn, in allen Kreisen, in denen für Aufrechthaltung echten Judenthums noch reger Sinn zu finden ist, die lebhafteste Sympathie vorwaltet, daß die Nachricht von seiner Rückkehr nach Ungarn überall di. freudigste Aufregung erregt, und daß sein Entschluß, nicht nach Bonyhad zu gehen, in die tiefste Betrüb,'iß versetzt hat. Es kann ja auch wohl nicht anders sein. Wenn ein Mann seiner Ueberzeugung solche Opfer gebracht hat, wie das Hr. vr. G. in Stuhlweißenburg gethan, so können ihm alle rechtlich denkenden Menschen ihre Achtung nichr versagen, und die Schmähungen elender Verleumder sind nicht im Stande, den Ruf eines solchen Ehrenmannes auch nur im Geringsten zu trüben. Wiesbaden, 20. Nov Der Frankfurter „Didaskalia" wird von hier aus geschrieben: „In dem von dem Vorstand des Central-Dombau-Vereins herausgegebenen, uns eben zu Gesichte gekommenen „Kölner Domblalt" vom 3r. Oktober heißt es in einem „Kirchen und kirchlichen Bauwerke, von Prise.c" überschriebenen Artikel wörtlich, wie folgt: „Toledo ist immer eine Stadt der Juden gewesen. Sie sollen sich schon in den Tagen Nebukadnezar's, nach der ersten Zerstörung Jerusalems, bleibend hier niedergelasten haben. Sie sind aber wahrscheinlich mit ihren berühmten Nachbarn, den Phöniziern, auf den aus der h. Schrift bekannten Tarsischiffen her- , übergekommen, früh zu Neichlhum und Macht und zu dem mit diesen Dingen leider zu häufig verbundenen Uebermuthe gelangt, der zu allerlei Conflikten mit den Einwohnern führte und endlich ihre Ausweisung veranlagte." Eine Fälschung der Geschichte, wie sie hier mit frommer Miene versuch: wird, kön- ' nen wir nicht ungerügt hingehen lasten. Der einzige! Grund für di> im Ihre t492 auf Betreiben der h. Inquisition resp. des Generalinquisitors Torquemada erfolgte Austreibung der, mindestens 3<0 000 Seelen zählenden. Juden nicht nur aus Toledo, sondern aus ganz Spanien war — was in dem betreffenden Edicte des Königspaares Fernando und Jstabella auch ohne Scheu ausgesprochen ward — ihre nicht zu erschütternde Anhänglichkeit an .hren jüdischen Glauben. Wenn der für das Klosterwesen schwärmende Verfasser über diese von einer römischkatholischen Institution hervorgerufene Greuelthat gerne einen Schleier decken möchte, so finden nur dies erklärlich, ja bei Männern seines religiösen Standpunktes sogar erfreulich; daß er aber jene unschuldigen Zeugen jenes brutalsten Glaubensfanatismus citirt, um sie nach Hunderten von Jahren mit einem beschimpfenden Fußtritte zu tractiren. das ist eine historische Gewissenlosigkeit, die wir mit Entrüstung ab- und zurückweisen." — Hamburg, 24. Nov. Unser heutiges „Amtsblatt" bringt dw Bekanntmachung des Senates, in welcher bestimmt wird, daß die wichtigen Gesetze, über Staatsangehörigkeit und Bürgerrecht, das Gew"rb 'gesetz, oas über die Entschädigung wegen Aufhebung der Realgerechtsame, und das Gesetz betreffend die Verhältnisse der hiesigen israelitischen Gemeinde, am t. Februar 1865 in Wirksamkeit treten werden. Hamburg. In der vorigen Woche wurde das Gesetz für die Regelung der jüdischen Gemeindever hältniste in Hamburg von dem dortigen Senat pnblicirt, uncsoll dasselbe innerhalb 3 Monate in Kraft treten Nach demselben ist Niemand mehr gezwungen, wenn er in Hamburg Bürger werden will, sich einer der jüdischen Gemeinden (der deutsch-israel. oder der portugies.) anzuschließen. Selbst die bisherigen Mitglieder der beiden Gemeinden können unbeschadet ihres Bürgerrechtes sich von derselben lossagen.