Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 5 (1864)
- Issue
- Heft 48 (30.11.1864)
- Date
- 1864-11-30
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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beit auf die Juden zu sprechen. Ein Anwesender bemerkte, daß er niemals einen Juden gesehen habe, und daß er wohl begierig wäre, diese Art Thiere kennen zu lernen. Ich befriedigte sogleich seine Neugier, indem ich ihm mittheilte, daß er einen Juden vor sich sehe. Man beeilte sich, sich bei mir zu entschuldigen, indem man hinzufügte, daß man in Spanien so sonderbare Vorstellungen von den Juden habe, daß die Frage, ob die Juden wie Menschen aussehen, keine ungewöhnliche sei. In Toledo habe ich zwei Denkmäler gesehen, welche an den Glanz Jsra ls in Spanien erinnern; es sind das zwei in Kirchen umgewandelte Synagogen, von denen die eine iäavta-klilarm Is. Liavea und die andere X. 8. cksl Havsitv heißt. Diese letztere wurde im Jahre 1366 von Rabbi Samuel Halevi, dem berühmten Minister des Königs Don Pedro, erbaut. Seit der Austreibung der Juden im Jahre 1492 überließen sie die spanischen Könige den Rittern von Calatrava, welche sie nach christlicher Sitte verzierten, und Altäre, einen Chor und Kirchenstühle darin bauten. Das Schiff derselben ist 21 Metres lang, 10 Metres breit und 12 Metres loch. Ringsherum sind 54 Bögen, welche sich durch die Schönheit, den Reichtbum und die Vollendung ihrer Ornamente auszeichnen. Noch kann man an den odern Räumen die Spuren der Frauengaller e erkennen; auch finden sich noch viele hebräische Inschriften vor, die da Gott preisen, den König Don Pedro und den Erbauer Rabbi Samuel Halevi rühmen Dieser alte Tempel ist aus Backsteinen itr dauerhaftester Weise erbaut, und das Gebälk des Daches soll aus Cederu vom Libanon verfertigt sein, welche der Erbauer mit großen Kosten herbeibringen ließ. 8anta-Nsria la Lianen ist eine andere merkwürdige Erinnerung an die jüdische Epoche. Im Aenßern unterscheidet dieses Gebäude Nickis von den elenden Bauten, welche es umgeben, den traurigen Resten des alten Judenviertels. Sobald man aber die Stufen, welche in das Innere führen, hinabgestiegen ist, so fühlt man sich überrasä t von dieser sonderbaren Mischung von Pracht und Nacktheit, von launenhafter Wunderlichkeit der Linien und dem feinen Geschmack der Ornamente; man glaubt sich m eine phantastische Pagode versetzt. Man erblickt einen Wald achteckiger Säulen, denen die ihren Proportionen gemäße Hälfte ihrer Höhe fehlt. Diese bilden fünf Schiffe und tragen in kühner Curve maurische Bogen. Zur Rechten und zur Linken befinden sich Liese Brunnen, welch dereinst als Mikwah dienten. — Mein Führer sagte mir, daß der eine für die Rabbinen, der andere für die große Menge, und ein dritter für die Frauen bestimmt war. Im Innern dieses Tempels über der Thüre befindet sich folgende Inschrift: „Dieses Gebäude diente bis zum Jahre 1405 als Synagoge, dann wurde es in eine Kirche verwandelt unter dem Namen 8. Claris. Llarurs.. Der Cardinal Silriees hatte im Jahre 1500 darin ein Nonnenkloster gegründet. Im Jahre 1600 hatte man es in ein Oratorium verwandelt, welches bis 1794 bestand; dann wurde es zu militärischen Zwecken benutzt; im Jahre 1798 befahl Dvri Viesvte Lornivi^uv ätz Lrackv, General der Provinz, es wieder herzustellen, um dieses ebenso kostbare wie alte Denkmal zu erhalten." Jetzt dient Las Gebäude nur dazu, die Neugierde der Reisenden zu befriedigen. Ueber der Thür des Domes zu Toledo befindet sich eine spanische Inschrift, in welcher man Gott dankt für die Eroberung von Granada aus der Hand der Mauren im Jahre 1492. Ende Juli, heißt es dort, wurden alle Juden aus den Provinzen Castilien, Aragomen und Sicilien verjagt. Also mischen sich in den Gedanken der Eingebornen die Erinnerung an die Fremdherrschaft der Mauren und an die friedliche Anwesenheit unserer Voreltern. Ich begab mich sodann nach dem Eeeurial. Wie viele Schätze, von größter Wichtigkeit für unsere Geschichte und Literatur, sind da vergraben! Es befinden sich daselbst 30,000 Manuscripte, dcnnntcr 6300 Unica, von denen mehr als 700 hebräisch sind. Mau muß eine besondere Erlaubnis; vom Vorsteher dieses Klosters haben, wenn man den Lesesaal besuchen will; sehr schwer ist die Erlaubnis zu erhalten, daselbst zu studiren oder Abschriften zu nehmen. Ein gewisser Copinger, ein Deutscher, hat vor einigen Jahren den Katalog der hebräischen Mauu-cripts angefertigt, aber man hat mir nicht gesagt, ob derselbe gedruckt worden ist. Ich erfuhr dies Alles voa Herrn I G. Braun, einem Württemberger, welcher Professor des Hebräischen am Escurial ist. Dieser Lehrstuhl wurde vor einiger Zeit errichtet, damit die Seminaristen Unterricht in der hebräischen Grammatik erhalten. Die jüdische literarische Gesellschaft zu Leipzig hatte ihn um Nachrichten über die Manuscripte ersucht, und er hat sich vorgenommen, diesen Wunsch zu befriedigen. — Gerne hätte ich Ihnen die Photographien dieser Denkmäler geschickt, aber ich konnte keine erhalten, und man sagte mir, daß wegen der ungünstigen Lage solche auch nicht ausgenommen werden könnten. Joseph Pavia. (Arch. Jsr.) Hierzu eine Beilage. Verantwortlich» Redaktion: vr Lehmann. — Verlag der Le Ronx'schen Hofbnchhandlung. — Da«vf-Schnell»reffendr«ck von 2- TottSlebrn in Rain».