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Der Israelit · 1864-11-30 · Heft 48 (30.11.1864) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
5 (1864)
Issue
Heft 48 (30.11.1864)
Date
1864-11-30
Page
– (sequence 7)
Language
German
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63Z 1 Freunde der Wissenschaft und eines aufgeklärten Lebens (vis eolairvs) in Israel die Bitte zu richten, Herrn Cohn alle Rathschläge zur Erreichung des gewünschten Zweckes zu ertheilen, indem ich versichere, daß ich jeden Dienst, den man ihm erweisen wird, als mir erwiesen betrachten werde; ich bin zu jedem Gegendienste gerne bereit." Dieser offene Brief trägt gleichfalls das Datum von Freitag dem 10. Juni, und Samstag Abend, den 11. Juni, verließ ich die Hauptstadt. Es war das erste Mal, daß ich eine große Reise unternahm, namentlich deßhalb groß, weil es zu jener Zeit noch keine Eisenbahnen gab. Bis dahin waren meine Reisen von Wien nach PrMburg, eine Entfernung von ungefähr 12 Meilen, meine einzigen Ausflüge gewesen. Ich reifte durch das ganze Donauthal, passirte das so herrlich gelegene Kloster Melk, Linz und Salzburg, wo überall kein Jude auch nur eine Nacht zubringen durfte. Eine halbe Stunde von Salzburg verließ ich Oesterreich. Ich hatte in Wien warme Freunde, mir sehr ergebene Herzen zurückgelassen; aber die Regierung jener Zeit hatte meine tiefste Abneigung erregt. Ich kam nach Bayern und brachte den ersten Samstag in München zu. Während der wenigen Tage, welche ich mich dort aufhielt, hörte ich Philosophie bei Schelling und Sanscrit bei Frank. Die Synagoge, in welcher schon damals Rabbiner Aub fungirte, der noch heute dorr ist, hatte gut geregelten Gottesdienst, wohlunterrichteten Vorsänger und Chor. Da ich aber von Wien kam, wo Mannheimer als Prediger und Sulzer als Vorsänger die Bewunderung aller Derer erregten, die sie hörten, so überraschte mich das wenig. Nichtsdestoweniger war ich sehr zufrieden und glücklich. Augsburg, Stuttgart, Heidelberg und Frankfurt waren meine nächsten Stationen. In dieser letzteren Stadt hatte ich das Glück, den verstorbenen Baron Salomon von Rothschild zu treffen, welcher in seine Vaterstadt gekommen war, um der Hochzeit des Barons Lionel von Rothschild aus London, der gegenwärtig Mitglied des englischen Parlaments ist, anzuwohnen. Dieser wohlwollende Beschützer hatte die Güte, mich sofort bei feiner Tochter, der Baronin James von Rothschild, einzuführen, indem er meine schwachen Verdienste in sehr schmeichelhafter Weise hervorhob. Diese edle Dame ließ sogleich ihre damals eilfjährige Tochter rufen und lud mich ein, derselben bei ihrer Rückkehr nach Paris Unterricht zu ertheilen. Mit einem Wohlwollen, welches sich seit jenem Tage nicht verläugnet hat, gab sie mir einen Brief an einen ihrer Freunde, den verstorbenen Herrn Berger, welcher mich bei meiner Ankunft mit einer durchaus französischen Höflichkeit empfing. Der Tod des seligen Barons Nathan von Rothschild hielt damals die übrigen Glieder der Familie Rothschild länger in Frankfurt zurück, als sie gedacht hatten. Frankfurt bot damals vom jüdischen Standpunkte aus einen sehr traurigen Anblick. Die alte Synagoge war verfallen (?) der Gottesdienst ohne Ordnung und Regel. (!) Die jüngere Bevölkerung de- > suchte in einem Saale der Unterrichtsanstalt einen I Gottesdienst, der nichts Jüdisches hatte als den Naj men, einen Gottesdienst ohne Thora und ohne Gebete. So jung ich war, wollte ich doch da den Sabbat nicht zubringen. Unter den israelitischen Gelehrten, welche zu jener Zeit in Frankfurt lebten, hat die Gestalt des verstorbenen Michael Kreiznach einen angenehmen Eindruck in meinem Gedächtniß zurück gelassen. Während der Eine mir rieth, ich solle mich, um es zu Etwas zu bringen, taufen lassen, während ein Anderer sich rühmte, daß er Jomkippur nicht faste, rief er, erzürnt i über die Art und Weise, in welcher man zu einem! jungen Manne voll Gluth und Glauben sprach.- „Ich, i ich faste!" Es gab damals noch keine Trennung in Frankfurt, aber eine Gleichgiltigkeit und eine Gottlosigkeit! (iwpiste), welche in mir ein Gefühl des Schreckens! zurückließen. Ich reiste Freitag Nachmittag nach Wiesj baden, wo der junge Vr. Geiger, welcher jetzt Rabbiner in Frankfurt ist, als Rabbiner fungirte, um dort I den Samstag zuzubringen. (Forts, f.)!! Italien.! Die israelitische Gemeinde zu Neapel, welche § sich immer mehr befestigt, hat neulich ihren Rabbij ner, Herrn Benjamin Artom, installirt. Die feierliche Aufnahme fand am ersten Tage Nosch Haschanah statt; am zweiten Tage dieses Festes bestieg der Herr Rabbiner die Kanzel; ein großes Auditorium hatte sich eingefunden; auch einige Christen und protestantische Geistliche. Der Redner sprach von der Erhabenheit und Größe des mosaischen Glaubens. Die Rede wird auf Verlangen vieler Zuhörer durch den Druck veröffentlicht werden, zugleich mit einer Einleitung, die Geschichte, den Ursprung und die Entwicklung der jüdischen Gemeinde zu Neapel besprechend. Spanien. Madrid, den 4. November. Sie erhalten in Folgendem einige Nachrichten über die Israeliten in Spanien; es gibt deren nur eine kleine Anzahl, und sie sorgen dafür, daß sie soviel wie möglich unbekannt bleiben; nicht etwa, weil sie von der Regierung Etwas zu besorgen hätten, sondern weil sie die Folgen des allgemeinen Aberglaubens fürchten. Ich habe Gelegenheit gehabt, hievon ein Beispiel inmitten einer vornehmen Gesellschaft zu erleben. Man sprach von der spanischen Geschichte und kam bei dieser Gelegen- > i

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