Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1864-11-30 · Heft 48 (30.11.1864) · page 6

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
5 (1864)
Issue
Heft 48 (30.11.1864)
Date
1864-11-30
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
98% known words query
IRI
…/2446951-2447141-2447188--03021-2458395
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

632 im Hebräischen durch den Robb. vr. Rahm er ist unstatthaft; dagegen stcht es Ihnen frei, Ihre die dortige jüd. Schule besuchenden Kinder außerhalb der Schule durch den Rabbiner Rahmer aus Thorn oder durch eine beliebige andere Persönlichkeit privatim prüfen zu lasten". Es blieb nun der Schulkommission nichts weiter zu thun übrig, als über einen so eklatanten Eingriff in die Rechte der Gemeinde, ihre Kinder in ihrem Schullokale prüfen zu lasten, bei dem Cultusmmister Beschwerde zu führen. „Wir haben nicht gebeten," heißt es in jener würdevoll und mannhaft gehaltenen Beschwerdeschrift, „die Prüfung der Schüler in Religion und Hebräischem Seitens des Staates vorzunehmen, sondern nur, sie zuzulasten und ihr kein Hinderniß in den Weg zu legen. Sie gehört aber in die Schule und ist nicht Privatunternehmen, weil die Schule im Ganzen eine öffentliche ist, und der Religionsunterricht einen integrirenden Bestandtheil des Unterrichts, und einen sehr wesentlichen, ausmocht. Es liegt auch im Interesse des Staates, zu verlangen, daß Religionsunterricht ertheilt, und daß er gut ertheilt werde u. s. w. Am 23. September o. langte nun folgende ministerielle Entscheidung herab: Auf die Eingabe vom i7. v. Mts. eröffne ich der Commission der israelitischen Elementarschule, daß es derselben unbenommen bleibt, eine Prüfung der israelit. Schüler in der Religion durch den Rabbiner vr. Rahmer in Thorn zu veranstalten, und daß die Königl. Negierung in Marienwerder auch Nichts gegen die Benutzung des Schullokales zu diesem Zwecke einzuwenden hat. Ein amtlicher Charakter der Schulaufsichtsbehörde gegenüber kann aber dieser Prüfung nicht zugesprochen werden. Berlin, den 23. September 1864. Der Minister der geistlichen, Unterrichts¬ und Medizinal-Angelegenheiten. In Vertretung L e h n e r t. So endete denn dieser langwierige, unerquickliche Streit endlich doch mit dem Siege des Rechts, und die Gemeindemitglieder sind der Schulkommisfion, besonders den Herren C. Hirsch feld und Sternberg, zu Dank verpflichtet für die Ausdauer und Unverdrossenst, mit welcher dieselben sür die Interessen der Schule eintraten. Möge der Sieg zum Gedeihen der Schule benutzt werden! Frankreich. (Jüdische Briefe von Albert Cohn. Fortsetzung). Fast zur selben Zeit, am 10. Juni 1836, am Tage vor meiner Abreise, überreichte mir eine Deputation der Zöglinge des protestantischen Seminars, lauter junge Leute von 22 — 26 Jahren (ich zählte damals erst 2 l Jahre), Joseph Chimski aus Böhmen, Matthias Dorner aus Ungarn, Daniel Gattschling aus Transsylvanien, Michael Hoß aus Ungarn, welche fast alle gegenwärtig Superintendenten in Ungarn^ Böhmen und Transsylvanien sind, folgende Adresse: „Sehr geehrter Lehrer! Wenn uns die Trennung von einem Bekannten, den wir lieb gewonnen haben, schmerzlich erscheint, um wievielmehr muß uns die Trennung von einem liebevollen Lehrer ergreifen, der sich durch seine Verdienste in unserm Herzen ein unauslöschliches Andenken gegründet hat? Solch einen würdigen Lehrer verehren wir in Ihnen, sehr geehrter Herr; Sie haben uns in das Heiligthum der hebräischen Sprache eingcführt; wir fühlen, was wir durch dieses Studium gewonnen haben, und dieses Gefühl ist es, welches uns die Kraft raubt, Ihre Verdienste um uns so darzulegen, wie wir cs wohl wollten; aber das erregte Herz drückt sich einfach aus, und wir wagen zu hoffen, daß Sie den Ausdruck unserer Herzen nicht ablehnen werden, wiewohl wir die Ueberzeugung haben, daß Sie die süßeste Belohnung in der That selbst gefunden. * Genehmigen Sie daher, sehr geehrter Herr, unsere aufrichtigste und tiefste Anerkennung für Ihre w reinen Absichten, für Ihren so edlen Eifer, für Ihre so mühevolle Thätigkeit, und empfangen Sie, wir bitten Sie darum, die feste Versicherung, daß wir niemals ans dem Wege stillstehen werden, auf welchen Sie uns so ruhmreich geführt haben, daß wir uns vielmehr bemühen werden, immer vorwärts zu schreiten. Niemals werden wir diese köstlichen Stunden vergessen, in denen Sie uns die verehrungswürdige hebr. Sprache gelehrt haben. Wir werden uns Ihrer niemals anders, als mit tiefster Dankbarkeit erinnern. Möge Derjenige, dem wir Alle angehörcn, Sie auf allen Ihren Wegen, auch fern von uns, schützen; möge Er alle Ihre Anstrengungen mit Erfolg krönen, möge Er Sie erhalten, damit Sie für das Wohl der Menschheit noch lange wirken mögen!" Ich habe diese Schriftstücke, welche von einem so verschiedenen Geiste eingegeben sind, ausbewahrt, und nach so langer Zeit rufen sie mir den Charakter der liebenswürdigen Wiener Bevölkerung ins Gedächtniß zurück, zugleich aber auch jene traurigen Ausnahmsgesetze. — Mein alter Lehrer, Herr Prediger Mannheimer, welcher voriges Jahr seinen siebzigsten Geburtstag gefeiert hat, führte mich mit folgenden Worten bei seinen Freunden in der Fremde ein: „Herr Albert Cohn, geboren zu Preßburg, hat sich seit einigen Jahren hier in Wien mit den theologischen Studien und mit den orientalischen Sprachen mit Fleiß und Eifer beschäftigt. Namentlich um sich in den letzteren zw vervollkommnen, unternimmt Herr Cohn gegenwärttg eine Reise ins Ausland. Ich erlaube mir an alle

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.