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Der Israelit · 1864-11-30 · Heft 48 (30.11.1864) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
5 (1864)
Issue
Heft 48 (30.11.1864)
Date
1864-11-30
Page
– (sequence 2)
Language
German
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628 Nach dem Wortlaut der heiligen Schrift ist das Benehmen Jizchaks wahrhaft räthsechaft. Hätte nicht der getäuschte Vater, da er merkt, daß nicht sein Sohn Esau den Segen empfangen, daß dm andere diesen vorweggenommen, demjenigen, der ihn hintergangen hatte, fluchen müssen? Und doch sagt er ^'i' 1112 22, er möge auch gesegnet bleiben! Und doch ruft er den Jakob vor dessen Abreise aus dem Vaterhause und bestätigt und erweitert den schon ertheilten Segen und gibt seinem Sohne Jakob den vollen Abrahamssegen! Und selbst der allmächtige Gott bestätigt den Segen und nennt Israel stets seinen erstgebornen Sohn! Zudem finden unsere Weisen in Jakob das Prinzip der Wahrheit, wie es auch heißt: 2pp'^ 22X;22 „Du gibst Wahrheit dem Jakob." — Wahrlich, unfern Vater Jakob trifft kein Vorwurf der Lüge und des Betrugs. Im Midrasch Rabbah (Paraschah 63) finden wir die Erklärung der hier in Rede stehenden Vorgänge; dort heißt es: fisr? 2pp' .-1x2 .->12 11211 PV2.1 2P11 1p 82'221 .111221 Vp 12'11 21221 112-12 PW21 2P11V2,2111222 1112P1 '2'11 12'2^> , 2--1P21 121p 11 P01 /'.I' 12X,2'2.122 1112P.1 111221 bp Ei;2l „Was hat Jakob bewogen, so ernstlich nach der Erstgeburt zu streben? EhedasMischkan errichtet war, war es erlaubt, auf den Anhöhen Opfer darzubringen, und den Gottesdienst versahen die Erstgebornen. Nachdem das Mischkan errichtet war, ward es verboten, auf den Anhöhen Opfer darzubringen, und den Gottesdienst versahen die Kohanim. Daher sprach Jakob : Soll dieser Bösewicht (Esau) dem Allheiligen Opfer darbringen? Deßhalb strebte er danach, die Erstgeburt zu erwerben." Es war eine große Aufgabe, welche dem Hause Abrahams geworden war. Abraham hatte inmitten einer götzendienerischen Welt den einzigen Gott erkannt, der sich ihm dann offenbarte und ihn zum Träger und Verkünder Seines Namens auf Erden machte. Das Leben Abrahams war dieser hohen Erkenntniß gemäß gewesen: Gottesfurcht, werkthätige Tugend, Menschenliebe, Feindesliebe, Gastfreundschaft, strenge Rechtlichkeit, Uneigennützigkeit, die hingehendste und aufopferndste Liebe zu Gott, die sich niemals beirren ließ — das waren die hervorragenden Züge, die in der Familie Abrahams erblich sein sollten. Demgemäß hatte Jizchak gelebt und gewirkt; ihm wachsen zwei Söhne heran, die sich jedoch als Gegensätze entwickeln. Esau wird ein Mann der Verstellung, der Hinterlist, ein Mann des Feldes, ein Jäger, zugleich auch ein Räuber und Mörder, ein Mann, der allen seinen Leidenschaften die Zügel schießen läßt und ihnen Befriedigung verschafft. Jakob hingegen wird ein frommer, vollkommner Mann, der da weilt in dem Zelte der Gotteslehre. Wem von Beiden gebührt wohl die Abrahamserbschaft? Sicherlich dem allein dazu Befähigten, dem Jakob; aber Esau war der Erstgeborne. Wir haben schon oben bemerkt, daß unsere Preisen in Jakob das Prinzip der Wahrheit ausgeMägt finden; ebenso ist bei ihnen Abraham das Prinzip^er Liebe, der schrankenlosen überströmenden Liebe (irM), und Jizchak das Prinzip der Gerechtigkeit, der strengen, unbestechlichen und rücksichtslosen Gerechtigkeit (pi). Nicht die schrankenlose überströmende Liebe ist dazu geeignet, das Grundprinzip der Well zu werden; durch sie wird Gesetz und Sitte gefährdet werden, wird Willkür und Gesetzlosigkeit emporwuchern; versagte doch Abraham seinem Sohne Jsmael Nichts, war es doch die unbegrenzte Liebe und Milde, die diesen auf Abwege gerathen ließ. Die Liebe allein vermag nicht die Well zu beherrschen; durch sie wird der Böse übermächtig, und der Gute schutzlos der Ausbeutung des Schlechten preisgegeben. — Aber auch die strenge, rücksichtslose Gerechtigkeit vermag nicht die Grundlage der Wett zu werden; sie würde die Welt zerstören, statt sie aufzubauen; sie würde Tod und Verderben über den kleinsten Fehltritt verhängen, und Gott seiner liebsten Kinder, der rückkehrenden Sünder, berauben. Sie würde stets einseitig urtheilen und nur selten das Wahre treffen. Liebe und Gerechtigkeit müssen sich vereinen, der Liebe muß dis Gerechtigkeit zur Seite stehen, und die Gerechtigkeit muß durch die Liebe gemildert werden. Diese Vereinigung beider, das ist die Wahrheit 22-r. Daher sagen unsere Weisen, daß die Wahrheit das Siegel des Allheiligen ist, daher erzählt uns das Gotteswort, daß Gott bei der Schöpfung die Gerechtigkeit der Liebe zugesellt hat. Jizchak wollte den Esau segnen, weil er das Prinzip der strengen, rücksichtslosen Gerechtigkeit vertrat, weil er den Heuchler nicht durchschaute und so das Recht der Erstgeburt weder umgehen konnte noch wollte. Erst als Jizchak von Esau selbst erfahren, daß Jakob die Erstgeburt erlangt habe, da rief er seinen Sohn Jakob, um ihm nun auch wissentlich seinen Segen zu bestätigen. Um die göttliche Wahrheit zu bewähren, um selbst der Segen der Welt zu werden, um das Abrahamserbtheil zu erhalten, um der Welt die Wahrheit als sittliche Grundlage zu geben, mußte Jakob die Erstgeburt und den Segen seines Vaters erlangen. So sagen auch unsere Weisen:;i' nx 2111 1111 '2V plL'b 'pp' 1'IIIN 11112 221L" '12 .12121 12122,22112" '12 12121, ipipp ''.1 P12 , L7P12 jkl' '21 ''i' ^112 22 '2p „Der Schrecken des Menschen gibt zum Strauchel Anlaß, und wer aus Gott vertraut, wird behütet. Da Jakob den Jizchak erschreckte, hätte ihm Jizchak fluchen sollen; da er aber auf Gott vertraute, ward er behütet, und Jizchak sprach: er soll auch gesegnet bleiben." Jakob mußte so handeln, es war sein unabweislicher Beruf, und das Gelingen stellte er Gott anheim. Aber nicht um eitler Dinge willen, um Besitz, Ehre, Herrschaft, sondern um des

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