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Der Israelit · 1864-11-23 · Heft 47 (23.11.1864) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
5 (1864)
Issue
Heft 47 (23.11.1864)
Date
1864-11-23
Page
– (sequence 9)
Language
German
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4« des Israelit. Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. . Preußen. Gollub, >3. Nov. Neben dem hier schon seit längerer Zeit bestehenden Vorschußverein für polnische Handwerker hat sich in diesen Tagen auch ein solcher Verein für Handwerker mosaischen Glaubens gebildet, zu dem die Initiative von den reicheren und angeseheneren israelitischen Einwohnern ausgegangen ist. Stimmberechtigt sind nur diejenigen Mitglieder des neuen Vereins, welche eine Einlage von mindestens 5 Thaler als eisernes Kapital deponiren und einen monatlichen Beitrag von 5 Sgr. zahlen. Mehrere Kapitalisten haben unter ausdrücklicher Verzichtleistung auf Rückerstattung Einlagen zu 25—50 Thaler gemacht. Darlehnsberechtigt ist jeder israelitische Gewerbtreibende, auch der ärmste, selbst wenn er nicht zum Verein gehört, sobald er für die entliehene Summe Garantie leistet. Veranlassung zur Gründung dieses Vereins gab außer dem Bedürfniß der Umstand, daß der polnische Vorschußverein nur katholischen Mitgliedern zugänglich ist. Es ist in der That bedauernswertb, daß unser Volk noch nicht aus der Höhe der § Bildung steht, die es bei gemeinnützigen Unternehmungen und überhaupt in den Verhältnissen des bürgerlichen Leben die confessionellen Unterschiede vergessen läßt. Die Vorschußvereine würden auch in unserer Gegend weit mehr reüssiren und größere Erfolge haben, wenn alle Confessionen und Nationalitäten sich in ihnen zu gemeinsamer Hilfeleistung vereinigten. " (K. W.) Thorn, im November. Hier wurde der sehr humane Director der höheren Töchterschule, vr. Prowe, von katholischen Geistlichen wegen „Entchristlichung der städtischen Schule" denunzirt, weil derselbe gestatte, daß an dieser Lehranstalt der Rabbiner vr. Rahmer den jüdischen Schülerinnen Religionsunterricht ertheile. In Folge dessen sandte die Regierung einen Schulrevisor hierher, der dem Religionsunterrichte daselbst beiwohnte und eine Prüfung der Schülerinnen vornahm, die zu seiner größten Befriedigung ausfiel. Oesterreichischer Kaiserstaat. Wien, 12. Nov. Jüngst brachten mehrere Blätter die Mittheilung, daß einem Juristen mosaischer Confession in Wien Seitens des Justizministeriums die Zulassung zur Richteramtsprüfung verweigert wurde. Dieser Vorfall mußte um so mehr befremden, als mehrere jüdische Juristen in früherer Zeit die Richteramtsprüfung anstandslos abgelegt hatten. Dies gab dem Herrn Or. Poffaner v. Ehrenthal den Änlaß, in der gestrigen Versammlung des Vereins „zur Uebung gerichtlicher Beredsamkeit" die Frage der Zulassung der Juden zur Richteramtsprüftlng vom gesetzlichen Standpunkte zu erörtern. Or. v. Possaner vertrat die Meinung, daß die österreichischen Gesetze die Ablegung der Richteramtsprüfung von confessionellen Voraussetzungen nicht abhängig machen. Redner macht geltend, daß durch die März-Verfassung und die Grundrechte vom 4. März 1849 die confessionellen Beschränkungen beseitigt, und durch die Aufhebung dieser Grundrechte nicht wieder ins Leben gerufen wurden. Einen Beweis hierfür liefere die Thatsache, daß es eines Specialgesetzes bedurfte, um die Besitzfähigkeit der Juden wieder einzuschränken. Auch das Patent vom 31. December 1851 und das Oktober-Diplom sanctioniren neuerdings die Gleichheit der Staatsbürger vor dem Gesetze, und das Protestanten-Patent vom 8. April 1861 beabsichtige, wie dessen Wortlaut besagt, den bereits früher sanctionirten „Grundsatz der Gleichberechtigung aller anerkannten Confessionen nach sämmtlichen Richtungen des bür gerlichen und politischen Lebens zur vollen Geltung zu bringen." Selbstverständlich berief sich der Vortragende auf die Ministerial-Verordnung vom 1. März 1850, welche die Zulassung der Juden zur Richteramtsprüfung ausdrücklich gestattet. Lemberg, im November. Die hiesige isr. Gemeinde hat eine Deputation nach Wien gesandt, um dem zum Minister des Auswärtigen ernannten ehemaligen Militär- und Civilgouoerneur von Galizien, dem Herrn Grafen Mensdorf- Pouilly, ihre Glückwünsche auszusprechen. Die Deputation besteht aus den Herren: Prediger I)r. Löwen st ein, Jakob Herz Bernstein, M. I. Mises und vr. Landsberg. Frankreich. Paris, im November. Unter denen, welche der Kaiser mit einer Einladung nach Compiögne beehrt hat, befindet sich auch unser Glaubensgenosse, Herr Julius Op pert, Professor an der kaiserlichen Bibliothek.

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