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Der Israelit · 1864-11-23 · Heft 47 (23.11.1864) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
5 (1864)
Issue
Heft 47 (23.11.1864)
Date
1864-11-23
Page
– (sequence 10)
Language
German
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624 Neuilleton. Der Patriarch Äbraham. Von PH. Schlesinger, Rabbiner zu Moor. Eine Stelle im Midrasch lautet wie folgt: -nv ->QX '2">?dt2 p'.-rv , 1SL)s, O.-I12r< -L7 1I1-N2P 'O^' '^-1 ls> ->!2-t; N->N -V1O -<2 P'.IQ -tu ,i'-!'!2.-i „Und Arahanl kanl, Sarah zu betrauern. Woher kam Abraham? R. Levi sagte : Er kam vom Begräbnisse Terach's. Dies widerlegte R. Jose mit der Bemerkung, daß Terach zwei Jahre vor dem Tode Sarah's beerdigt wurde; daher meine die Schrift nichts Anderes, als daß Abraham zurückkam von dem Berge Morijah" (Ber. rabba 58).. Ein tieferer Blick wird zeigen, daß die Worte R. Levi's keinen Anachronismus, vielmehr einen plausiblen Gedanken enthalten, daß man es wagen dürfte, zu behaupten: R. Jose habe nur gegen den Literatsinn des zu kurz gefaßten Ausdruckes seines Kollegen Einwand erhoben, ohne dessen eigentlichen Gedanken bekämpfen zu wollen. — Folgendes wird uns zum näheren Verständnisse führen. Schwer, unendlich schwer ist die Lösung der menschichlichen Aufgabe auf Erden. Dazu hat Gott den Menschen auf diese dunkle und schlüpserige Laufbahn gesellt, daß er unter stetem Kampfe, mit Ueberwindung aller Hemmnisse dem hohen Ziele seiner Vollendung entgegenschreite. Und je glücklicher seine Strebekraft sich entfaltet; je Heller seine Bahn von dem Lichte der gewonnenen Erkenntniß beleuchtet wird: desto mächtiger und zahlreicher pflegen die Hindernisse ihm hemmend in den Weg zu treten — aber auch desto herrlicher der Triumph der obsiegenden, ruhmgekrönten Tugend! In zehn Versuchungen bat Gott Abraham, unfern Vater, auf die Probe gestellt Diese hatten nicht bloß den Zweck, um seine Tugend von allen irdischen Schlacken zu läutern, damit er selbst veredelt, vollkommen verklärt werde; sondern auch, um der gekämmten Menschenwelt die Göttlichkeit seines Geistes auf offenkundige Weise zu manifestiren. — Der Charakter Abrahams war gleichsam der Ambos, auf welchem die Vorsehung durch die Hommerschläge des Geschickes nachahmungswürdige Musterbilder für das Menschengeschlecht verarbeiten ließ. Als Veredler und Erheber der in den liefen Pfuhl des Götzenthums versunkenen Menschheit mußte feine über alle Selbstintereffen erhabene und flammende Liebe zu Gott, die unerschütterliche Festigkeit seiner sonnenklaren Ueberzeugung durch solche eclatante Proben an den Tag gelegt werden, welche die Gediegenheit seines Charakters in den Augen der Welt über allen Zweifel erheben, und jede Spur der Verdächtigung gänzlich tilgen sollten. (eli-. HUarvaru-I, Ler. 22. 1, .-»vH. Konnte dies auf eine andere Weise erzielt werden? Mit Nichten! Denn noch nie hat es eine menschliche Größe gegeben, die nicht von dem schnöden Neide verläumdet, von dem Gift der bösen Zungen begeifert wurde. - Ganz gewiß hatte der fromme Patriarch solche Feinde; ganz gewiß war der böse Leumund stets gerüstet, um den klangvollen allerwärtS gepriesenen Namen Abrahams zu verdunkeln. Und wahrlich die Scheelsucht ist zu keiner Zeit verlegen um die Erfindung der brauchbaren Mittel. — Wie? Dieser Mensch will ein Herold weltbeglückender Wahrheiten sein? Der will die alten Götter stürzen — und das Panier eines einzigen Gottes erheben? Welcher Genius hat ihn; die Schatzkammer himmlischer Mysterien eröffnet? Wo hat er den Quell seiner neuen Wahrheiten entdeckt? etwa in dem Hause seines Vaters Terach? War ja auch Terach ein strenger Verehrer der alten Götter! blon provulasiii-ps, prope pvma eaöuut! Wie der Baum, so die Frucht! Ganz gewiß sind dem Sohne die Prinzipien, die er im väterlichen Hause eingesogen, tief iws Herz geprägt; und ist Abraham heimlich ein solcher Götzendiener, wie es sein Vater gewesen. Nur eitle Großthuerei, nur gränzenlose Ruhmsucht ist es, die ihn mit solchem Eifer antreibt, einen neuen Glauben zu verkünden, um allenthalben als der weiseste, frömmste Mann zu glänzen — um als göttlicher Prophet verehrt zu werden." So mochten die Feinde Abrahams gar oft sich geäußert haben. Und deshalb nannten sie ibn nie mit seinem eigentlichen Namen; sondern r>->n p, Terach's Sohn, um durch die Erinnerung an dessen götzendienerischen Vater es alle Welt glauben zu machen, daß er selber im Geheimen dem einzigen Gotte nicht huldige, sondern gleich seinem Vater ein Götzendiener sei. Ja überall, wo von Abraham, dessen merkwürdige Persönlichkeit viel Aufsehens erregte, die Rede war, unterließen die Lästerzungen nicht, i-.-iri zu rufen. So wurde der Name Terach oft und öfters gemeldet, so lebte er fort rm Munde des Volkes, selbst nachdem dessen Träger bereits gestorben - erlangte somit eine Unsterblichkeit aus Erden. — Raselli, 4. 3,) Als aber Abraham seinen einzigen, im Alter erzeugten, innigst geliebten Sohn, dem Befehl seines einzigen Gottes mit aller Bereitwilligkeit gehorchend, opfern wollte, wovon er nur durch die Stimme Gottes abgehalten wurde : da mußte Jeder die außerordentliche Frömmigkeit Abrahams anerkennen, da mußte Jeder einsehen, daß der Glaube Abraham's an den einig-einzigen Gott ein wahrhafter sei, daß er den höchsten Grad der Vollendung erreicht; da mußte der böse Leumund verstummen, und von da ab durste er nimmer genannt werden >2, sondern Abraham, der göttliche Fürst!

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