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Der Israelit · 1864-11-23 · Heft 47 (23.11.1864) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
5 (1864)
Issue
Heft 47 (23.11.1864)
Date
1864-11-23
Page
– (sequence 6)
Language
German
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620 rens haben auch bereits eine Schrift ausgestellt und unterfertigt, worin sie erklären, daß sie sich dem CleruS zu großem Danke verpflichtet fühlen für dessen energisches, wohlthätiges und segensreiches Wirken zum Heile der Jugendbildung, und daß es durchaus nicht in ihrer Absicht oder in ihrem Wunsche liege, daß im VerhLltniß der Schule zur Kirche eine Aenderung herbeigesührt werde. Die Schrift trägt 42 Unterschriften und soll dem Consistorium in Olrnütz eingereicht werden. Wir müssen gestehen, daß bei diesem Vorgänge der Clerus auch nicht den geringsten Einfluß geübt. (Fr. I.) Niederlande. ILs veröffentlicht die englische Übersetzung eines Schriftstückes in portugiesischer Sprache, welches von der ersten Ansiedelung der portugiesischen Juden zu Amsterdam berichtet. Wir geben dasselbe hier in deutscher Uebertragung: Zum Gedächtnisse für ewige Zeiten. Der ehrwürdige Chacham, Rabbi Moses Halevy, gesegneten Andenkens, und sein Sohn, Rabbi Ahron Halevy, mein Vater, lebten beide in Emden, in der Provinz Ostfriesland. Ueber der Thüre ihres Hauses war eine Inschrift in hebräischer und lateinischer Sprache angebracht, welche lautete: Wahrheit und Frieden sind die Säulen der Welt. Im Jahre 5364 (1604) kamen zwei Schiffe von Spanien dort an, auf welchem sich zehn erwachsene Juden und vier Kinder befanden; diese gehörten zu den d. h. zu den Juden, die gezwungen waren, zum Chriftenthum überzugehen. Die Schiffe waren mit Gütern von großem Werthe befrachtet. Einige der Ankömmlinge kamen an's Land und besuchten die Stadt. Zufällig sahen sie, wie ein nach jüdischem Ritus geschlachtetes Huhn in das Haus meines Großvaters gebracht wurde, auf das die hebräische Inschrift bereits ihre Aufmerksamkeit gelenkt hatte. Sie traten ein und erfuhren von meinem Großvater, daß in Emden nicht allein Juden wohnen, sondern daß sie auch öffentlich ihre Religion bekennen dürften. Am andern Tage erschienen wieder zwei dieser Reisenden im Hause meines Großvaters; sie redeten ihn auf Spanisch an, welches er jedoch nicht verstand; er bat deßhalb seinen Sohn Ahron, meinen seligen Vater, mit ihnen zu sprechen. Die Fremden wünschten dieses insgeheim zu thun, traten mit meinem Vater in ein anderes Zimmer und erzählten ihm, daß sie Juden und aus Spanien in zwei Schiffen entflohen seien, daß sie noch acht Gefährten und neun Kinder bei sich hätten, daß sie wünschten, beschnitten zu werden und zur Religion ihrer Väter zurückzurehren. Mein Vater sagte ihnen, daß es schwierig wäre, ihrem Wunsche in Emden nachzukommen; er rieth ihnen jedoch, nach Amsterdam zu gehen, wo sie in einem gewissen Hause, nahe dem Montaubus - Thurme, eine Zeit lang wohnen könnten; er würde sie dort in zwei bis drei Wochen besuchen. Die Fremden folgten dem Rathe meines Vaters, gingen nach Amsterdam, fanden das Haus in der Junkerstraße, gegenüber dem erwähnten Thurme, welchen die Portugiesen noch heute den Ahronsthurm nennen. Mein Großvater und mein seliger Vater kamen dann nach Amsterdam. Die Fremden wurden durch diesen Besuch sehr erfreut; die gewünschte, förmliche Aufnahme in die jüdische Gemeinschaft fand nun statt und ward durch die Beschneidung besiegelt. Die zum Judenthum Zurückgetretenen mietheten nunmehr einen Raum, in welchem sie den Gottesdienst mit großer Andacht begingen. Aber kaum waren einige Wochen verflossen, als ihre christlichen Nachbarn sie als Fremde denuncirten, welche von Spanien gekommen wären, um hier zu wohnen, sich dann durch fremde Juden hätten beschneiden lassen und jetzt heimlich gottesdienstliche Versammlungen abhielten. In Folge dieser Angaben befahl der Bürgermeister, meinen Großvater und meinen Vater zu verhaften, was auch geschah. Nach einigen Tagen wurden die Gefangenen vor den Bürgermeister geführt und befragt, wer ihnen die Erlaubniß gegeben habe, an diesem Orte eine neue Kirche zu gründen, Gottesdienst nach jüdidischem Ritus abzuhalten und die Fremden, welche aus Spanien kommen, zu beschneiden; man theilte ihnen zugleich mit, daß das Gesetz die Todesstrafe über sie verhänge. Mein Großvater und mein Vater antworteten rkNgefähr in folgender Weise: „Es ist wahr, wir haben dasjenige gethan, wessen man uns anklagt; aber wir thaten es im Interesse von Amsterdam, weil diese Stadt durch diese Fremden ihren Seehandel bedeutend auszudehnen im Stande sein wird; wir hätten diese Fremden nach andern Städten führen können, wo man ihnen die unbeschränkteste Freiheit gern gewährt haben würde, aber wir führten sie hierher, aus Vorliebe für diese Stadt, denn diese spanischen Fremden haben große Schätze mit sich gebracht. Wenn es Euch gefallen würde, ihnen die Erlaubniß zu geben, hier unbeläftigt wohnen zu dürfen, so können wir Euch die Versicherung ertheilen, daß binnen Jahresfrist mehr als fünfzig Familien aus Spanien und Portugal mit großen Capitalien hierher kommen würden, und daß durch deren Vermittelung Amsterdam, welches jetzt nur einen kleinen Handel hat, der Hauptsitz des Seehandels werden würde." Als der Bürgermeister dieses hörte, fragte er sie, wo die Spanier jetzt sich aufhielten. Die Antwort war: „In demselben Hause, in welchem wir verhaftet i wurden." Der Bürgermeister ließ dann die Fremden > vor sich kommen, und da sie nur Spanisch oder Latei-

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