Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 5 (1864)
- Issue
- Heft 47 (23.11.1864)
- Date
- 1864-11-23
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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613 terhaltenden findet auch, dem Titel entsprechend, die Belehrung ihre Stätte. Der Herausgeber scheint der hebräischen Sprache in hohem Grade mächtig zu sein; auch ist die typische Ausstattung eine vorzügliche. — Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Würzburg, 16. Nov. In geräuschloser Stille, aber mit der der Veranlassung entsprechenden Würde, wurde hier am 7. d. M. eine Anstalt eröffnet, welche die Keime reichen Segens für die Israeliten Bayerns in ihrem Schoße trägt. In der von Herrn Distrikts- Rabbiner Bamberger mit Genehmigung der K. Regierung unter vielen Mühen und Anstrengungen gegründeten und der Staatsaufsicht unterstellten israelitischenLehrerbildungsanstält wurden, nachdem einige entsprechende Dankpsalmen recitirt worden waren, die ersten Zöglmge ausgenommen und die Lehrer in ihr Amt eingewiesen. Erlauben Sie nur, hiermit einen kurzen Bericht über diese Anstalt zu geben. Dieselbe befindet sich außerhalb der Stadt in einem ringsum freistehenden, nach allen Seiten eine prächtige Aussicht bietenden Hause, in sehr gesunder und ruhiger Lage, von Gärten und Feldern begrenzt. Nach dem Plane der Anstalt sollen die Zöglinge sechs Jahre in derselben verweilen und 4 Vorbereitungs¬ und 2 Seminarcurse durchmachen. Mit Rücksicht auf die beschränkten Mittel hat inan aber vorerst nur 2 Curse, nämlich den letzten Vorbereitungs- und ersten Seminarcurs ausgenommen, jeder mit 6 Zöglingen. Die Seminaristen sollen nach zwei Jahren die Schlußprüfung erstehen. Die Zöglinge erhalten in der Anstalt Kost und Wohnung; letztere ist, wie der Unterricht, für Alle unentgeltlich, für die Kost sollen die Bemittelten nur die Selbstkosten der Anstalt ersetzen, Unbemittelte erhalten auch die Kost frei. Der von der k. Regierung genehmigte Lehrplan zählt folgende spezifisch jüdischen Unterrichtsfächer auf: Pentateuch mit Raschi, die sämmtlichen übrigen Fächer der h. Schr. in der Ursprache, Mischna, Talmud, Nitualcodex, Chobot-Halebabot oder eine ähnliche Schrift, jüdische Geschichte, hebräische Grammatik und Composition; außer diesen religiösen werden die Lehrgegenstände, dre im k. Seminare dahier gelehrt werden, auch in der Anstalt gelehrt, wobei auf deutsche Sprache und Stylübungen, sowie auf Pädagogik und Methodik sehr umfängliche Rücksicht genommen ist. Die in der Anstalt eingerichtete Synagoge, in welcher täglich der Früh - und Abendgottesdrenst abgehalten wird, bietet den Zöglingen Gelegenheit, sich im Vorsängerdienste und im Thoravorlesen praktisch einzuüben, ein Gegenstand, der bisher bei der Lehrerbildung ganz vernachlässigt worden ist. Eine reiflich erwogene Haus-, Tages und Stundenordnung regelt das Leben in der Anstalt bis auffS Einzelnste. Von Morgens 5 Uhr bis Abends 10 Uhr hat jede Stunde ihre Bestimmung, Unterrichts- und Uebungsstunden wechseln mit Erholungsstunden und gemeinschaftlichen Spaziergängen; Alles ist darauf berechnet, die Zöglinge an die dem Lehrer ganz besonders nöthige Ordnungsliebe und Pünktlichkeit und an sparsames Haushalten mit Zeit und Kraft zu gewöhnen. Die Seele des Ganzen ist Herr Distriktsrabbiner Bamberger, der, wie der Begründer, so jetzt der von der k. Regierung mit der Vorstandschaft betraute Leiter der Anstalt ist, welche in ihm L'"v"p wahrlich keinen Stiefvater hat. Täglich erscheint der anderweitig viel beschäftigte, wie bekannt, einer großen Anzahl von Schülern (i2v' p) rabbinischen Unterricht ertheilende Mann in der Anstalt, theils um die Erhaltung der Ordnung und den Unterricht zu überwachen, theils um sich bei den Lehrern und Zöglingen nach etwaigen Wünschen und Bedürfnissen zu erkundigen, denen er, kaum ausgesprochen, abzuhelsen sucht, wie er überhaupt keine Mühe scheut, das Gedeihen der Anstalt zu fördern, worin ihn auch seine wackern Kinder eifrigst unterstützen. Manche h 0 chwürdigen jüdischen Herren Geistlichen, welche glauben, den Himmel zu haben, wenn sie auf weichem Pfühle ruhend von Sonntag bis Freitag eine Predigt zu Stande gebracht haben, dabei aber Alles darunter und darüber gehen lassen, dem Verfall der Religion, der mit Riesenschritten um sich greifenden Sabbatschändung , Gesetzesübertretung, Thoraunterrichtsvernachlässigung müffig, wenn nicht mit schlecht verholel nem Wohlgefallen zusehen, möchten wir hierher wünl schen, damit sie sehen, was ein Rabbiner der Jetztzeit leisten soll, und, wenn er will, auch 22"2! kann. In der Wahl der Lehrer scheint die Anstalt glücklich gewesen zu sein. Es sind zwei ordentliche jüdische Lehrer angestellt, Herr Stern (bisher zu Freudenthal in Württemberg) und Herr Schlenker (bisher zu Moers in Rheinpreußen), von welchen Ersterer in der Anstalt wohnt und die Hausordnung leitet. Neben diesen beiden sind zwei sehr tüchtige Fachlehrer für die Anstalt gewonnen worden, Herr Wolfram, Professor an der K. Gewerbeschule, für den Realunterricht, und Herr Benz, Lehrer an der Domschule, für die technischen Fächer. Die angestellten Lehrer sind von der hohen Bedeutsamkeit ihrer Aufgabe durchdrungen, es begeistert sie das Bewußtsein, daß die Anstalt, die sie berufen, ein Princip vertritt,! UNO daß sie an der Lösung einer Aufgabe arbeiten,