Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 5 (1864)
- Issue
- Heft 47 (23.11.1864)
- Date
- 1864-11-23
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/2446951-2447141-2447187--03005-2458378- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
617 Nun besitzen wir mit des Himmels Hilfe den weltberühmten Sir MoseS Montefiore in London, dessen Thaten so allgemein bekannt find, daß man hierüber kein Wort zu verlieren braucht. Dieser Mann, dessen ganze Lebensaufgabe es war, sich der Juden in allen Welttheilen anzunehmen, war auch dabei in so sichtbarer Weise mit der himmlischen Hilfe begnadigt, daß derselbe auch bei diesem Unternehmen beziehungsweise das Centrum bilden kann und wird. Es ist bekannt, daß ein Jeder dahin trachtet, das höchste Glück hierorts in seiner Familie zu begründen und fortzupflanzen; ist nun Jemandem keine Nachkommenschaft vom Himmel beschieden, dann sucht der gottesfürchtige Mann Wege, daß seine guten Werke ihm eine Nachkommenschaft begründen. Hier bietet sich eine Gelegenheit zu einer großen Nachkommenschaft, zu einer Nachkommenschaft, indem Mill. verirrter und vernachlässigter Kinder dem Judenthume erhalten werden, und hierbei darf unser gefeierter und glücklich erprobter Glaubensheld Sir Moses Montefiore nicht fehlen. Wenn nun gleichwohl es außer dem Bereich der Möglichkeit ist, daß derselbe sich persönlich gleich wie bei den marockanischen Juden der Sache unterzieht, so kann er doch das ganze Unternehmen durch seinen hochgeseierten Namen und durch seine pekuniäre Unterstützung in's Leben rufen. Wenn schon mit dem nächsten Frühjahre begonnen werden soll, dann müssen wir schnell große Summen beisammen haben, was bei einzelnen Sammlungen unmöglich erscheint; denn die Erfahrungen bei den Pilgerwohnungen in Jerusalem zeigen zur Genüge, daß man zur Aufbringung von kaum 10,000 fl. mehrere Jahre gebraucht. Würde die Sache dem edlen Montefiore im richtigen Lichte vorgetragen werden, welches vielleicht durch den berühmten Oberrabbiner Or. Adler in London geschehen könnte, so wäre es etwa zu erwirken, daß Sir Moses Montefiore es gestattet, daß man dem Haupt-Comits dessen hohen Namen beisetzt, und daß derselbe zur schnellen Begründung des ganzen Unternehmens einige tausend Pfund (?) hergibt. Beides wäre sicherlich von höchster Wichtigkeit, denn der gefeierte Name Montefiore würde Eingang bei allen Großen der Erde verschaffen, und diese Geldunterstützung würde die Begründung und das Jnslebentreten des Ganzen zur Folge haben. Wäre dieser Anfang so geschehen, dann müßten Zweig - Comitä's zur weiteren Betreibung und Sammlung von weiteren Geldmitteln gebildet werden. Ich vermag nicht zu ermessen, ob und wie viel von diesem Vorschlag brauchbar ist. Doch glaubte ich, diese Sache anregen zu sollen; möchten doch allerorts Vorschläge laut werden, damit man am Ende doch zu einem richtigen Anfänge gelange. E. R. Rosenbaum." Wir haben nunmehr nur noch unsere bereits ausgesprochene Ansicht zu wiederholen, daß sich nämlich vor Allem ein Haupt-Comit6 bilde, welches die Oberleitung und die Organisirung von Local-Comitö's übernehme; wir erlauben uns, den Vorschlag zu machen, daß hiezu in den drei Ländern, England, Frankreich und Deutschland, je ein Rabbiner und ein Privatmann zusammentreten, und zwar in England Herr Oberrabbiner Adler und Sir Moses Montefiore, in Frankreich Herr Oberrabbiner Ullmann und Herr Cr6mieux, Präsident der i8raö11t6 universell?", in Deutschland einer der Herren Rabbinern Ettling er in Altona, Bamberger in Würzburg, Hirsch in Frankfurt, Hildesheimer in Eisenstadt, und Freiherr Wilhelm von Rothschild in Frankfurt a. M. — Wir bitten, daß die löblichen Redactionen des „Jeschurun", des „Univers Jsraelite" und des „Jewish Chronicle" von diesem unserem Vorschläge Notiz nehmen, damit derselbe zur Kunde aller Betreffenden gelange. — Literarischer Gericht. Herr Jechiel Brill, welcher ehemals in Jerusalem die von der türkischen Regierung unterdrückte hebräische Zeitschrift „Lebano n" herausgab, von der in diesen Blättern häufig die Rede war, weilt jetzt in Paris, um daselbst sein unterbrochenes Unternehmen fortzusetzen. Er hat deßhalb in diesen Tagen einen Prospect versandt, in welchem er mittheilt, daß seine Zeitschrift in Paris sich dieselbe Aufgabe stellen wird, die sie in Jerusalem hatte, daß sie namentlich Nachrichten aus Palästina, Arabien, Aethiopien und Indien bringen wird; auch wird das Feuilleton fortfahren, Abhandlungen talmudischen Inhalts zu veröffentlichen. Der Preis wird für das ganze Jahr bei portofreier Versendung 18 Frs. betragen. Wir wünschen dem Unternehmen das beste Gelingen. — Eine Zeitschrift ganz anderer Art: „Liokorstsi baittira," eine Monatsschrift zur Unterhaltung und Belehrung, herausgegeben von Rabbiner vr. B. Fischer, Leipzig bei Schäfer," kam uns dieser Tage zu. Dieselbe hat sich die Aufgabe gestellt, eine Art jüdischer Kladderadatsch zu sein und die Zustände unserer Zeit mit den Waffen des Witzes und zwar in hebräischer Sprache zu geißeln. Nach Art unserer deutschen Witzblätter sind auch Illustrationen angefügt; es fehlen auch die Müller und Schulze nicht, die hier wvV und heißen. Der Witz ist manchmal ein recht treffender. — Neben dem Un-