Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 5 (1864)
- Issue
- Heft 46 (16.11.1864)
- Date
- 1864-11-16
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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608 nachgewiesenen Albernheiten zu bringen, benützte er die unsinnige Kritik im Ben - CH., um dem Redakteur seinen Dank öffentlich für das Verdienst der Verbreitung dieser Kritik auszusprechen, widerlegt diese und nicht das Merkchen, betheuert vielmehr, es gar nicht gelesen zu haben. Das ist die Logik dieser Herren. Nun, Herr F., der immer, wie es scheint, in einer feuchten wässerigen Region schwebt, wird gewiß aus den Wolken fallen, wenn erhört, daß der ganze Kritiklärm ein Humbug, „eine freche zweifache Fälschung sei". Ueber die edle „Neuzeit" und ihre tapfere Bundesgenoffenschaft, die noch immer nicht ermüdet, ihre, die Sache des Komp. Preßprozeffes betreffende, von allem Anfang an lügenhafte und falsche Darstellung nicht nur aufrecht zu erhalten, sondern auch noch stets fortfährt, die besten und würdigsten Namen der heutigen Judenheit mit dem gemeinsten, ausgesuchtesten Schimpf zu bewerfen, schreibe ich Ihnen künftig. Ich weiß es, es mag Ihnen wie jedem Ehrenmann? wenig Zusagen, sich mit diesen Patronen viel zu thun zu machen; aber es ist doch einmal eine traurige Nothwendigkeit, auch mit solchen Gegnern von Zeit zu Zeit Abrechnung zu halten. Der Kitzel, auch einmal em Wörtchen in die Oeffentlichkeit zu schleudern, auch einmal mit einer wichtigen Persönlichkeit, der man sonst schwerlich im Leben begegnen würde, „anzubinden", ist für viele gemeine oder auch nur unbedeutende Menscken zu verlockend, als daß sie diesem Reize widerstehen könnten. Nur zeige man diesen „Herren" auch die Kehrseite des reizenden Bildes: daß man nämlich nicht ganz ungestraft die Aufmerksamkeit eines größeren Publikums auf die eigene Unwichtigkeit lenkt. Das Vorhalten eines Spiegele, in welchem sich die weltmeisternden Schmäher nun wieder einmal erkennen werden „von Angesicht zu Angesicht", wird denselben eine gute Lection sein. Gott befohlen/ y. Frankreich. (Jüdische Briefe von Albert Cohn. Fortsetzung). Da ich keine Emolumente verlangte und der Titular- Professor seine Einkünfte fort beziehen sollte, so erlangte Herr Professor Wenrich sehr bald die Autorisation des protestantischen Consistoriums. Welches Glück für mich / Kaum 2V Jahre alt, wurde ich außerordentlicher Professor und zwar vom Monat November 34 bis zum Mai 36. Alle protestantischen Geistlichen, welche in dieser Zeit aus dem Seminar hervorgegangen und jetzt über ganz Oesterreich zerstreut sind, sind meine Schüler. Dieselben haben mir ihre Freundschaft bewahrt und haben mir ihre Dankbarkeit durch Toleranz gegen meine Glaiöbensgenossen bewiesen. Im Hause und unter der Leitung des Professors Wenrich studirte ich Arabisch, Persisch und Sanscrit; derselbe empfahl mich auf's Wärmste dem Hofrath im Ministerium des Auswärtigen, Freiherrn von Hammer, Verfasser der Geschichte des türkischen Kaiserreichs und Mitglied des Instituts von Frankreich. Da dieser eine getaufte Jüdin geheirathet hatte, so war er sehr liberal in seinen Ansichten, liebte und protegirte viele Juden. Seine ganze Bibliothek stand zu meiner Verfügung; sobald eine schwierige Stelle mir ausfiel, so erklärte er sie mir, ganz glücklich über die reißenden Fortschritte, die ich machte. Eines Tages, als er mir einige Stellen aus dem Zamach-Schari, einem Commentar zum Koran, in der Ausgabe von Marassi erklärt hatte, sagte er zu mir: „Dies ist Nichts, Sie dürfen nicht in Wien vegitiren; gehen Sie nach Paris. Sie finden dort ausgezeichnete Gelegenheit, sich zu unterrichten an der Schule der orientalischen Sprachen, welche mit Meisterhand der alte Sylvester de Sacy, mein guter und ausgezeichneter College, an den ich Sie empfehlen werde, eingerichtet hat; ebenso werde ich Sie an Ab. Rünaud, Conservator-Adjunct an der Bibliothek, empfehlen. Dort können Sie Persisch am College de France bei Hrn. Sylvester de Sacy hören. Sie haben dort Hrn. Buruouf und Hrn. Quatrcnwre für Sanscrit. Gehen Sie ja hin; ich werde Ihnen Briefe an alle diese Herren mitgeben; ich werde mit dem Fürsten Metternich sprechen, daß er Sie unserm Gesandten, dem Grafen von Apponi, welcher überdies aus Preßburg ist, empfehle; ich werde mit dem Baron Salomon von Rothschild sprechen, daß er Sie mit den Mitteln zur Reise versorge; ich gebe Ihnen auch 50 fl. dazu." Wer war glücklicher, als ich! Ich sollte nach Paris gehen, ich, der Abkömmling einer Familie, deren Haupt Frankreich im Anfänge des 18. Jahrhunderts verlassen hatte (mein Urgroßvater wurde 1680 zu Huningen geboren und starb im Jahre 1787 im Alter von 107 Jahren — die Grabschrist ist noch heute auf dem alten Friedhof zu Preßburg zu lesen); ich, der ich, wie mein Urgroßvater „Abraham ben Schimschon" heiße, sollte meine Familie nach einer Abwesenheit von fast 140 Jahren in Frankreich wieder Herstellen. Ich konnte vor/freudiger Aufregung nicht schlafen. Ich theilte das Project Herrn Wenrich mit, der es in allen seinen Theilen billigte und mir ebenfalls Empfehlungen an Hrn. Sylvester de Sacy und an Hrn. Grangeret de la Granche versprach. Meine guten Eltern bedauerten zwar meine Entfernung, hofften aber, mich später wiederzusehen; alle meine Freunde billigten den Plan meiner Auswanderung, da sie wohl einsahen, daß es für mich in Oesterreich Nichts zu hoffen gab. So verließ ich denn Wien am Ausgange des Sabbat am 11. Juni 1836, begleitet von allen Schülern des protestantischen Seminars. Mein seliger Vater war nach Wien gekommen, um bei meiner Abreise zugegen zu sein und mir seinen Segen zu geben. Von meiner Mutter und meinen übrigen Verwandten hatte ich mich in Preßburg verabschiedet. Achtzehn Jahre später, am 11. Juni 1854, verließ ich Paris, um mich über Wien nach Jerusalem zu begeben. _(Forts, f.)_ Hierzu eine Beilage. L«ra»t«»rtl1che Radactio»: vr. Lehma»». — Lrrla> der Le Kosx'schr» Hofd»chha»dlung. — Dampf»Sch»«ll»regrndr»ck van I. <Sott»lebe« in Uiain».