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Der Israelit · 1864-11-16 · Heft 46 (16.11.1864) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
5 (1864)
Issue
Heft 46 (16.11.1864)
Date
1864-11-16
Page
– (sequence 6)
Language
German
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eoe Lau jüdischer Ärmennnd Pilgerwohnungen in Jerusalem. Wir haben dieser Tage 1601 fi. 58 kr. an das löbliche Central-Counts in Amsterdam geschickt, wovon 982 st. 53 kr. für obigen Zweck bestimmt sind, so daß die Gesammtsumme der hiefür von uns gesammelten und übermittelten Gelder nunmehr 9174 st. 21 kr. beträgt. Zeitungsnachrichten und Correspon -enzen. Deutschland. Frankfurt a. M., 7. Nov. GrafWorontzow, russischer Staatsrath und Mitglied des Cultusministeriums, welcher von seiner Regierung beauftragt ist, die israel. Schulen Deutschlands kennen zu lernen, besuchte dieser Tage die Bürger- und Realschule der hiesigen israel. Gemeinde. Er wohnte dem Unterrichte in verschiedenen Fächern bei und zog über die Geschichte der Schule die eingehendsten Erkundigungen ein. Hamburg, im Nov. Am Simchat-Thora hat sich hier leider ein Unfall zugetragcn. Als nämlich die Gefetzesrollen umher getragen wurden, hatte man eine derselben unbedachtsamer Weise einem alten schwachen Manne, Namens H., anvertraut. Die Last war aber für denselben zu groß. Er fiel, verletzte sich dabei am Kopfe, und die Gesetzesrolle lag am Boden. In Folge dessen hat der Oberrabbiner die Anordnung getrosten, daß, wie es üblich ist. Alle, die in der Synagoge anwesend waren, ein dreitägiges Fasten begehen. Oesterreichischer Kaiserstaat. Prag, den 1. Nov. Aus Mangel an bemerkenswerthen Ereignissen habe ich seit langer Zeit meiner Correspondentenpflicht nicht genügt, gegenwärtig aber läßt sich gerade über Stoffmangel nicht klagen; ich will daher über hiesige Vorkommnisse eine kleine Rundschau liefern. Vor Allem muß ich Ihnen melden, daß die gefürchteten Reformbestrebungen der Partei der Meiselsynagoge sich in den Sand verlaufen haben, und die ganze-Reform sich auf Abrogirung einiger Piutim, Einführung der deutschen Predigt und Chorgesang beschränkt, wie dieß seit Decennien schon im neuen Bethause für geregelten Gottesdienst stattfindet. Neu war bloß die Einführung der Predigt am Vorabend des Neujahrfestes. Doch wurde dieß mit dem hiesigen Brauch entschuldigt, daß auch die alten Rabbiner die erste Nacht zu Hause in ihrer Wohnung talmudische Vorträge halten; indessen halten diese ihre Vorträge nach dem Gebete, während Herr vr. Stein das Publikum bis 1/28 Uhr Abends aufhielt, bevor es zum Abendgebete gelangte; sonst gab es nichts Bemerkenswerthes. Dagegen ist andererseits von manchen Fortschritten zu berichten. So ist der Initiative einiger Lehrer vom Lande zu verdanken, daß Mitte vorigen Monats hier eine israel. Lehrerversammlung unter Protektion der Herren Ernst Wehli Professor vr. Wessely, vr. Stein, vr. Grünhut zusammentrat und einen Lehrerverein zu Gunsten von Lehrerwittwen und Waisen gründete, welcher einem längst tiefgefühlten Bedürfnisse abhelfen soll. Wer kennt nicht die traurige Lage verlassener Wittwen und Waisen? Ein derartiger Verein ist ein Act der Selbsterhaltung für die Lehrer, die meistens ihren Familien Nichts hinterlassen können. Dieser Verein soll durch jährliche Beiträge der Lehrer und der Gemeinden zu einem Pensionsfond für israel. Lehrer Böhmens gedeihen und heranwachsen. Jene Herren, welche an der Spitze desselben stehen, werden sich selbst für die Nachwelt Verdienste erwerben. — Die aus Veranlassung des Vorsitzenden der Cullusreprüsentanz, Herrn Ernst Wehli, gegründete höhere Talmudschule für Rabbinarskandidaten hat seit ihrem kurzen Bestände schöne Erfolge erzielt. Lehrer derselben ist Rabbi Juda Theweles, ein sehr scharfsinniger Talmudist. Dieser Tage wurde an dieser Schule eine öffentliche Prüfung abgehaltcn, und der Gründer, Herrn Ernst Wehli, hatte die Freude, junge Leute talmudische Diskussionen frei vortragen zu hören. Die anwesenden Herren, darunter alte, ergraute Talmudisten, waren ganz überrascht, jene ihnen bekannten schwierigen Themate so richtig auffassen und so klar behandeln zu sehen. Als Ehrengäste waren anwesend Herr Rabbiner Samuel Freund, die k. k. Professoren Or. Wessely, vr. Kämpf, die Prediger vr. Stein, Or. Hübsch, Neligionslehrer Or. Adler, Or. Ehrma-nn, Peter Spitz, S. Anschel und sonstige Gelehrte. Die Anstalt zählt 12 Hörer, die von Seite der Gemeinde Unterstützung finden, ihrem Geburtslande nach sind sie Ungarn und Polen. Möge die Anstalt auch ferner gedeihen und Prag seinen alten Ruf als wieder gewinnen helfen. Mit der Anstalt steht eine bedeutende Bibliothek in Verbindung, in welcher die Candidaten, für die Vorträge sich vorzubereiten, die nöthigen Hilfsmittel finden. Das Bibliothekzimmer wird ihnen jederzeit geöffnet. Bibliothek- Director ist Herr Oberrabbiner S. L. Rappoport. Herr Professor vr. Wessely feiert nächste Woche

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