Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1864-11-16 · Heft 46 (16.11.1864) · page 5

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
5 (1864)
Issue
Heft 46 (16.11.1864)
Date
1864-11-16
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2446951-2447141-2447186--02992-2458364
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

605 Schrift zur Ueberredung der „treuen Gläubigen" einzuweben für gut fand, allem jenen sehr unbegründeten Pathos, allen jenen überschwenglichen Phrasen, allen jenen den Gegnern hineininterpretirten Motiven, Absichten und Zwecken, an die nicht ein Einziger derselben gedacht hat, nur um sie so recht auf hohem Cothurn daherschreitend widerlegen zu können. Allem Diesem tritt die vorliegende Schrift mit einer Ruhe und Besonnenheit gegenüber, wie sie nur der Besitz der Wahr-' heit, der nicht zu schreien und zu lamentiren nöthig hat, nur solch ein staunenerregender Neichthum des Wissens, eine so seltene Fülle von Quellen, eine so gediegene Belesenheit, wie sie diese Broschüre bietet, bewahren kann. Der hochgelehrte Herr Sch. gehört noch zu jenen leider immer seltener werdenden Denkmälern der schönen alten Zeit, in der im geraden Gegentheil zu unserer gebildeten, in der nicht einmal immer die Rabbiner es der Mühe Werth halten, sich mit den Folianten der Tradition zu beschäftigen, auch dereinstige jüdische Kaufleute, Schuhmacher und Schneider aus diesem einzigen Borne jüdisch lebendigen Lebenswassers schöpften, in der man ihn studirte, weil man Jude ist. Herr Sch. hat hier in Eiseustadt unter dem berühmten R. Moses Pereles der durch seine Größe Tiiiro und seine Tiefe in der Art des -UQ'^> viele, viele Jünger um sich vereinte, seine talmudischen Studien gemacht,*) und Gemeindemitglieder, die sich seiner noch sehr wohl erinnern, erzählten mir von dem immensen Schatze des jüdischen Wissens, verbunden mit der imponirendsten Kraft des Gedächtnisses, welcher schon damals das höchste Staunen aller Sachverständigen erregte. Dieser Mann ist Kaufmann, Gott hat ihn mit Gütern der Erde gesegnet, hat ihm das Glück einer unabhängigen Stellung verliehen; das ist Alles nichts Seltenes; selten aber ist wenigstens hier zu Lande (wenn auch 7>"2 in anderen großen Länderstrecken nicht), daß derselbe den Dank dafür Gott dadurch abstattet, daß er dem vvi' w in würdigster und sprechendster Weise Rechnung trägt; daß er ferner den landläufigen, abgedroschenen, breitgetretenen Redensarten wie: „was geht das mich an? rc." entsagt; und zuerst privatim einem Freunde aus der Schatzkammer seiner Studien und mit dem Rsichthum seines Talentes eine von Citaten und Verweisungen auf Quellen strotzende Recension schrieb und dann mit größter Bereitwilligkeit dem Wunsche des Empfängers jener Recension, dieselbe durch den Druck zu veröffentlichen, entgegenkam. Aus der Broschüre selbst Excerpte zu geben, hält ganz außerordentlich schwer; steift überall so gedrängt, *) Diesem Umstande haben wir sogar theilweise die ganze literarische Freude zu danken. Es hat nämlich Herr F. A. Weiß, dessen Commilito derselbe war, sich veranlaßt gefühlt, seine Broschüre dem „Jugendfreunde" zu übersenden, welcher hierauf in drei Tagen die in Rede stehende Arbeit verfaßte. so geistreich, so aus vollem Köcher die schärfsten Pfeile aussendend, so sehr aus dem gewaltigen Meere nicht nur des -mnri, sondern auch der , ttciOOiri und anderseits den Schriften des Wessely geschöpft, daß Rec. gesteht, lange Zeit schon nicht zu solch einem immensen Talente und Wissen hinaufgeblickt zu haben. Wer sich nun eine große Freude bereiten will, dem ratheich, diese kleine Broschüre, auf welche wie auf wenige das 2m rorwri vpQ nw'rr.-, gesagt werden kann, eingehend zu studiren; er wird nicht nur zu dem negativen Resultate kommen, daß der Vers, des rw) (wie alle seine Collegen) nur Sand und Nichts als Sand in die Augen streuete (wie viel absichtliche Täuschung hierbei mitunterläuft, darüber vergl. man u. A. in vorliegender Schrift die ebenso reichhaltige als gelehrte Partie S. 19».), daß alle die von ihm beigebrachten vermeintlich zwingenden Argumente vor der kritischen Wahrheit in Nichts zerfallen, sondern er wird auch ein großes positives Resultat großen Wissensreichthums aus der Lectüre der Broschüre mitnehmen. Wir machen hierbei unter vielen, vielen anderen Stellen auf die Untersuchung, welcher der gelehrte Herr Verf. bei der Refutation der Behauptung des Gegners, daß das einfache riniix allein die Grundlage des jüdischen Glaubens sei, anstellt, besonders aufmerksam. Desgl. auf die interessante Variation über das bxiV') wwa px; desgl. auf jene herrliche Appendix, in welcher der Herr Verf. so geistreich und wie in der ganzen Broschüre stets mit Verweisung auf unsere ältesten Autoritäten nachwsist, daß allen Wahrsagungen über die Zeit des rr-,^2, welche bei den sich vorfinden, ohne Ausnahme immer eine entsprechende Stelle in der :i^r> selbst correspondirt. Ich könnte noch viel mehr citiren, allein der Raum dieses Blattes gebietet mir Einschränkung , uns so will ich nur noch schnell auf Not. 1 S. 5 über das i'Z' on die Aufmerksamkeit wenden. Daß der einleitende 2722 im Ausdrucke an manchen Dunkelheiten leidet, steht zu disser so seltenen Vortrefflichkeit ganz außer Verhältnis Möge der geehrte und gelehrte Herr Vers, durch das Bewußtsein, sich ein ewiges Denkmal gesetzt zu haben, für etwaige Jnvectiven in tendenziösen Zeitschriften ein reichliches Aeqmvalent fühlen; möge ihn und Männer seiner Gesinnung und seiner ,-niriTi r>2rix, die edlen Zierden seiner Nation, noch lange erhalten, und möge ihnen die Freude zu Thsil werden, eine jüngere Generation aufwachssn zu sehen, dis sich zu denselben Ansichten über .-in-, rw.iro -moH bekennt, von der sie selbst ein so schönes Beispiel gegeben!

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.