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Der Israelit · 1864-11-16 · Heft 46 (16.11.1864) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
5 (1864)
Issue
Heft 46 (16.11.1864)
Date
1864-11-16
Page
– (sequence 2)
Language
German
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602 die Religion M Bekenner Melden. Das Judenthum beschränkt sich darauf, eine Herrschaft auf das Gemüth der Juden zu üben, sie gut, wehrhaft, rechtlich, edel, menschenfreundlich zu machen, die Leidenschaften zu unterdrücken, die Befähigung zur Tugend zu ermöglichen, Gottesfurcht in die Herzen zu pflanzen und den Namen Gottes auf Erden zu verherrlichen. Wir wissen nicht, wie diese Macht des Judenthums einen zersetzenden Einfluß auf die politischen, socialen, religiösen und Sittenverhältnisse üben kann. Im Gegentheil, wir leben der festen Ueberzeugung, daß die jüdische Sittenreinheit, die jüdische Mildthätigkeit und Barmherzigkeit, die jüdische Gottgläubigkeit — Tugenden, die zum größten Theile sich auch bei denjenigen Juden vorfinden, die in Bezug auf die Ausübung des Gesetzes eine laxere Praxis üben — überall, wo Juden wohnen, das beste Beispiel geben, welches auch auf Nichtjuden nicht ohne Wirkung bleibt Es scheint das „M. I." sehr zu verdrießen, daß meine Glaubensgenossen nicht mehr, wie früher, in Ghetti's eingepfercht sind, und daß sie es in unserer Zeit wagen dürfen, auf offener Straße anständig gekleidet zu erscheinen; es sagt nämlich: „Die Juden fühlen sich ihrer Macht und Herrschaft schon so sicher, daß sie nicht nur die früher übliche Verheimlichung längst aufgegeben haben, sondern auch seit einiger Zeit und wie auf Verabredung gleichzeitig an vielen Orten zu . iner prunkvollen Schaustellung übergegangen sind." Sollte man nicht meinen, es würde „die gute alte Zeit" herbeigewünscht, in welcher die Juden gezwungen waren, ihr bischen sauer erworbenes Eigenthum sorgfältig vor raubsüchtigen Pöbelhaufen zu verstecken, die dann die Beraubten so nebenbei todtschlugen? Aber worin soll denn eigentlich jene „prunkvolle Schaustellung" bestehen? Es schmerzt mich tief, daß ein Journal, welches so oft hervorhebt, daß es die konservativen und religiösen Interessen vertritt, in der Erbauung „prächtiger Synagogen" eine strafbare, prunkvolle Schaustellung findet. Gereicht es nicht vielmehr meinen Glaubensgenossen zum höchsten Lobe, daß sie, w;nn sie Reichthümer besitzen, einen großen Theil derselben opferfreudig auf den Altar der Religion niederlegen? Sollte das ein Blatt, welches im Dienste der Religion zu stehen vermeint, nicht vielmehr rühmend anerkennen? Ist etwa der Gott, zu dessen Ehre und zu dessen Dienste wir unsere Synagogen erbauen, ein anderer, als der der Christen? „Haben wir nicht Alle einen Vater, hat nicht ein Gott uns erschaffen?" (Maleachi, C. 2. V.!0.) Es scheint das „M. I." sehr zu schmerzen, daß einzelne Juden Ländereien und schöne Häuser besitzen. Wir sehen keinen Grund, warum Leute, die sich durch Fleiß, Nüchternheit, Sparsamkeit und Betriebsamkeit Vermögen erworben haben, dasselbe nicht in Häusern oder Aeckern anlegen sollen, weil sie — Juden sind. Versucht ein Jude, sich in unredlicher Weise Vermögen zu erwerben, so bestraft ihn das Gesetz; aber die Verbrecher - Statistik aller Länder weist für die Juden ein günstiges Verhältniß nach; hat ein Jude in rechtlicher Weise sich Vermögen erworben, warum soll es ihm mehr, als andern Menschen, verwehrt sein, sich die Bequemlichkeiten des Lebens zu verschaffen? Nur die tadelnswertheste, jeder sittlichen Grundlage entbehrende Scheelsucht kann ihm das mißgönnen. Nunmehr tritt das „M. I." mit einem schon oft gehörten und oft widerlegten Vorwurf wider uns auf; es behauptet nämlich, es seien jüdische Zeitungen, jüdische Witzblätter und Theaterstücke, welche die monarchischen, christlichen und deutschen Gesinnungen und Einrichtungen bekämpfen. Es ist wohl möglich, daß an derartigen Blättern auch einzelne Juden Mitarbeiten; soviel steht jedoch fest, daß diese einen verschwindend Keinen Bruchtheil ausmachen, daß mindestens eben so viele Juden an konservativen uns wissenschaftlichen Zeitschriften wirken, daß für die Richtung der Einen, wie der Andern, das Judenthum nicht verantwortlich gemacht werden kann, und daß von jenen Witzblättern rc. Juden und Judenthum mindestens eben so viel zu leiden haben, wie Christen und Christenthum. Was das „M- I." von der Knechtung der Christen durch die Juden auf gewerblichem Gebiete vorbringt, entbehrt eben so sehr jedes Grundes, wie alle andern liebevollen Auslassungen desselben. Die Juden waren bis vor wenigen Jahrzehnten von der Ausübung des Handwerks ausgeschlossen, und selbst, als ihnen das Handwerk gesetzlich zugänglich geworden war, weigerten sich viele "christliche Meister, — solche Fälle kamen noch vor kaum zwanzig Jahren vor — jüdische Lehrlinge auszubilden. Seitdem das Handwerk den Juden erschlossen ist, gibt es schon eine ganz respektable Menge jüdischer Schuhmacher, Schneider, Schreiner, Bäcker, Gerber, Färber rc. Warum will also das „M. I." das Handwerk zu einem spezifisch christlichen stempeln und die Händler und Magazininhaber absolut zu lauter Juden machen, wie wenn es keine christlichen Händler und Magazininhaber gäbe? Das „M. I." wirft den Juden vor, daß sie Zusammenhalten. Ja, wir halten zusammen, aber nicht in dem Sinne, wie das „M. I." es behauptet. Wir halten zusammen in der Verpflegung unserer Kranken, in der Unterstützung unserer Armen, eine Mildthätigkeit, die sich nicht blos auf die jüdischen Hilfsbedürftigen erstreckt*), wie die Armen aller Orte, wo Juden wohnen, es bezeugen können. Daß *) Selbst hier in Mainz und so an vielen Orten existiren nicht unbedeutende Mische Vermächtnisse, deren Ertrag aüch an Nichtjuden vertheilt wird und namentlich dev kleinen Handwerkern zu Gute kömmt.

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