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Der Israelit · 1864-11-09 · Heft 45 (9.11.1864) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
5 (1864)
Issue
Heft 45 (9.11.1864)
Date
1864-11-09
Page
– (sequence 10)
Language
German
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096 Warschau, 31. Oct. Mehrere ausländische! Blätter haben über die .Fefthaltug und Frei-! lassung eines jüdischen Mädchens im Kloster! der Felicianerinnen verschiedene Nachrichten gebracht. > Alle diese Mittheilungen beruhen indeß, wie ich aus ' guter Quelle versichern kann, auf Entstellungen und > Jrrthümern; denn der wirkliche Sachverhalt war folgender: Der Vater dieses Mädchens, welches behufs der Conversion zum katholischen Glauben in gedachtem Kloster zurückgehalten worden war und von ihm vergeblich gesucht wurde, begab sich zum General-Director des Inneren und der geistlichen Angelegenheiten, Fürsten Czerkaski, mit seiner Beschwerde. Fürst Czerkaski verfügte sich persönlich in das Kloster der Felicianerinnen, welches durch seinen Eifer für Proselytenmacherei bekannt ist, und benachrichtigte die Vorsteherin von der erhaltenen Beschwerde. Der Besuch hatte dm beabsichtigten Erfolg; denn drei oder vier Tage nachher wurde das Mädchen aus dem Kloster entlassen. Da Fürst Ezerkaski der Priorin bei seinem Besuche bemerkt hatte, daß noch zwei andere Mädchen, welche sich in ähnlicher Lage befinden sollten, gesucht und deßhalb polizeiliche Nachforschungen gehalten würden, so ist vorgestern abermals ein Mädchen israelit. Glaubens, Namens Thekla Malaga, wieder zum Vorschein gekommen, die ebenfalls in jenem Kloster zurückgehalten worden war. Diese Vorfälle sind neue Beweise dafür, daß die katholische Kirche hier alle Mittel anwmdet, sich auszubreiten, während wir hier keine Beispiele haben, daß die griechische Kirche, welche von Rom aus so angefeindet und der Beschränkung der römischen Kirche angeschuldigt wird, sich ähnliche Uebergriffe gestattete. Von verschiedenen Seiten in der evangelischen Kirche werden Klagen laut, daß seit dm letzten Jahren eine unverhältnißmäßige Zahl von Uebertritten zur römischen Kirchen vorkomme. Gewiß sind der Nationalitätsschwindel und die Unwissenheit, welche hier gar zu oft Deutschthum und evangelischen Glauben, Polenthum und römischen Katholicismus für gleichbedeutend hält, mit Ursache davon, und bei dem herrschenden Jndifferentismus in Glaubenssachen wäre dieß auch nicht zu verwundern. (N. Pr. Z.) Feuilleton. Gott steht ans das Herz.*) Von T „Ein König" — so erzählte, um diese Wahrheit zu erläutern, ein Lehrer des göttlichen Wortes — „ein König hatte zwei Söhne, der eine war schon erwachsen, der andere noch ein kleiner Knabe. Da gebot der König einmal dem Knaben, ihn mit Sonnenaufgang zn wecken; zu dem erwachsenen Sohne aber hatte er gesagt: „Wecke mich erst in der dritten Morgenstunde!" — Den andern Tag, in aller Frühe, kam mit Sonnenaufgang der Knabe in das Vorgemach, um den Vater zu wecken. Aber der ältere Bruder, der auch schon da war, wollte es nicht zugeben, indem er sagte : „Mir hat der Vater geboten, ihn erst in der dritten Morgenstunde zu wecken." - „Und mir," antwortete der Knabe, „hat er gesagt, ich sollte ihn mit Sonnenaufgang wecken/" — Als sie so stritten und immer heftiger und lauter wurden, wachte der König auf und kam in das Vorgemach. Beide Söhne erschraken. Doch der Vater sprach: „Beruhigt Euch, meine Kinder! Bin ich auch durch Euern Streit ausgewacht, so war doch Euere Absicht beiderseits nur, den Vater zu ehren, und beide verdient Ihr meinen Dank." — Auf dieselbe Weise — fuhr der Lehrer fort — sollen auch einst, als Israel an das Meer gekommen war, und der Herr ihm befahl, hindurch zu gehen, die Stämme sich gestritten haben, wer zuerst hineingehen und die Ehre des bereitwilligsten Gehorsams haben soll. Indeß besonders die ältern Stämme so stritten, machte der jüngste Stamm Benjamin sich auf und stürzte in das Meer, weshalb auch der Psalmist sagt: **) „Benjamin, der Jüngste, führte dort sie an." — Das nahm Juda übel und wollte es ihm wehren und schleuderte Steine auf den Stammbruder. — Der Herr aber erkannte die gute Absicht Beider an, und Benjamin erhielt zum Lohne die Wohnung des Herrn in seiner Mitte, indeß Juda das Königthum erhielt. — 1. Sam. 16, 17. — Nach Mechtlta Beschäl. Par. 5. — Jalkut Beschäl. 68, ä. und Jeruschalmi Peah I. — **) Ps. 68, 28.

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