Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 5 (1864)
- Issue
- Heft 45 (9.11.1864)
- Date
- 1864-11-09
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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59S Der Mensch freilich — so schloß der Lehrer — sieht, wie die Schrift sagtnur auf Das, was vor Augen ist, aber Gott sieht auf das Herz. — Wie oft hat eine Handlung den Schein einer guten, und sie ist in der That eine recht schlechte, und umgekehrt scheint manchmal eine Handlung eine recht schlechte und ist in Wirklichkeit eine recht gute. — Ein Sohn setzte seinem alten, hochbejahrten Vater ein wohlgemästetes und gut zubereitetes Huhn zum Mittagessen vor. Der alte, arme Mann freute sich des seltenen Mahles und sprach liebevoll und dankbar: „Woher hast Du Das, mein Sohn?" — „Was kümmert Dich das Woher?" rief barsch der Sohn, dem die Versorgung des alten Mannes längst zur Last war — „Friß Alter und schweig! Auch der Hund frißt und schweigt." — So dieser Sohn. — Ein anderer Sohn, der in einer Mühle arbeitete und den schweren Mühlstein drehen mußte, um das tägliche Brod für sich und seinen alten Vater zu gewinnen, hörte daß die Vögte des Königs angekommen seien um müßige Leute, alt wie jung, zur Bearbeitung der königlichen Felder aufzugreifen. Rasch holte er seinen alten Vater, führte ihn in die Mühle an den Mühlstein und sprach: „Komm', lieber Vater, setze Dich für mich eine Weile an den Mühlstein und drehe ihn, so gut Du kannst, eine Weile statt meiner, und laß mich ein wenig in unserem Stübchen ausruhen." — So befremdend dieses auch dem alten Vater vorkam, er that es dennoch seinem Sohne zu Liebe. Aber der gute Sohn wollte dadurch den alten Vater den Augen und Händen der unbarmherzigen königlichen Bögte entziehen und sich, der er doch jünger und krätftiger war und leichter Anstrengung und Mßhandlung ertragen konnte, für den Vater aufgreifen lassen. — Da sprachen die Weisen: „Jener Sohn hat sich durch sein Thun, trotz dem gemästeten Huhn, das er dem Vater vorsetzte, die Hölle erworben; dieser hingegen, trotz der schweren Arbeit am Mühlstein, die er seinem Vater auferlegte, das Paradies. —" Anzeige«. er Unterfertigte, unterstützt durch die Lehrkräfte § des hiesigen Großherzogl. Gymnasiums, nimmt israel. Zöglinge, welche sich dem Studium oder dem Geschäftsstande widmen wollen, in Pension und Unterricht. Für gute, religiöse und väterliche Erziehung, sowie für gediegenen Unterricht wird bestens gesorgt. Jährliches Honorar 175 fl. Büdingen, Großh. Hessen, 24. Okt. 1864. Ottensoser, Lehrer. it dem 1. März k. I. wird die LehrerundCantorstelle bei der hiesigen Gemeinde, verbunden mit einem jährlichen Gehalte von 250 Thlr., vacant. Reflectirende wollen sich unter Beifügung ihrer Zeugnisse frankirt an den Unterzeichneten Vorstand wenden. Unverheirathete Bewerber erhalten den Vorzug. Borke» in Weftphalen, October 1864. Der Vorstand der israel. Gemeinde. (Pfalz). Die Stelle eines Vorbeters und Element.arlehrers mit freier Wohnung und mit einem Baargehalte von 338 fl., exclusive der Gebühren des Schächterdienstes, welche sich mindestens auf 70—80 fl. jährlich belaufen, ist zu besetzen Meldungen sind zu richten an den_Vorstand I. Bruck. In der 1*^ I» «L o I» 8 - I» 8 t a I t von M. S. Löwenthal, ordentl. Lehrer der isr. Unterrichtsanstalt (Rector Hr. Rabb. Hirsch) erhalten Knaben, die eine hiesige Lehranstalt besuchen, eine streng religiöse Erziehung, gewissenhafte Vorbereitung, Nachhilfe und Beaufsichtigung, die sorgsamste geistige und körperliche Pflege. Referenzen: Die Herren PH. A. Cohn, E. Schwarzschild, Herz Weiller (Firma: I. I. Weiller u. Söhne), M. I. Kirchheim, Buchhändler Kauffmann.