Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 5 (1864)
- Issue
- Heft 45 (9.11.1864)
- Date
- 1864-11-09
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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595 orientalischen Sprachen. Es gab in Wien wohl eins orientalische Academie, aber als Israelit konnte ich keinen Zutritt zu derselben erlangen. Indem ich meine talmudischen Studien bei Herrn Rabbiner Horowitz und Meine linguistischen und archeologischen Studien bei Hrn. l)r. Saalschütz, welcher voriges Jahr zu Königsberg in Preußen als Prediger und außerordentlicher Professor an der Universität gestorben ist, sortsetzte, arbeitete ich den größten Theil des Tages in der kaiserlichen Bibliothek zu Wien, da ich von der Polizei die Erlaubniß erlangt hatte, noch ein Jahr in Wien bleiben zu dürfen, eine Erlaubniß, die mir später für das folgende Jahr verlängert wurde; denn als geborner Preßburger durfte ich, den Landesgesetzen gemäß, nur dann in Wien bleiben, wenn ich einer Facultät angehorte; ich aber studirte orientalische Sprachen, was mir als Jude nicht gestattet war. In der kaiserlichen Bibliothek traf ich oft einen Mann von circa fünfzig Jahren, welcher sah, welche Mühe ich mir gab, arabisch und syrisch einzig durch die Hilfe von Grammatiken und Wörterbüchern zu lernen. Da er einiges Interesse an mir nahm, so lud er mich ein, ihn zu besuchen, und zeigte mir, wie man bessere und schnellere Fortschritte machen könne. Dieser brave und würdige Mann war der Professor Wenrich, ein ausgezeichneter Orientalist, dessen Arbeiten über die Geschichte des Koran, über die Geschichte der Araber in Sicilien, über die arabischen Uebersetzungen der griechischen Philosophen nach einander Preise von der cles lnseriptiovs" und von der Academie der Wissenschaften zu Paris erhalten hatte. Er war Professor am protestantischen Seminar, wo er Archeologie und die Geographie des heiligen Landes lehrte; aber seine Schüler waren sehr unwissend im Hebräischen und in biblischer Exegese; rer betreffende Professor, ein achtzigjähriger Greis aus Transsylvanien, konnte kaum Hebräisch lesen. Professor Wenrich fragte mich, ob ich mich wohl dazu verstehen würde, unentgeltlich einen Cursus der hebr. Sprache und der biblischen Exegese am protestantischen Seminar zu lesen. (Forts, folgt.) D o n a u f ü r st e n 1 h ü m e r. Aus Schabaz in Serbien wird dem„Hamagid" eine an einem Glaubensgenossen verübte Gewaltthat berichtet. Juda Kohen, wiewohl in Schabaz geboren, war dort nicht heimathberechtigt, lebte aber daselbst unangefochten mit seiner Familie bis zum Monate Ellul v. I. Da wurde ihm plötzlich mitgetheilt, daß er als Jude sich nicht länger in Schabaz aufhalten dürfe und binnen dreier Tage die Stadt verlassen müsse. Wiewohl er hiegegen protestirte und geltend machte, daß er in so kurzer Zeit seine Geschäfte nicht zu ordnen vermöchte, wurde er nach Ablauf der ihm bestimmten Frist in's Gefängniß geworfen und daselbst zehn Tage unter Räubern und Dieben festgehalten. Nunmehr mit Gewalt aus Schabaz ausgewiesen, wandte er sich nach Belgrad, wo er sich einen Regierungspaß erwirkte, um seine in Schabaz zurückgebliebene Familie abzuholen und seine Besitztümer dort zu veräußern. Kaum in Schabaz angekommen, wurde er auf's Neue verhaftet und zu dreißig Tagen Gefängniß verurtheilt. Alle Vorstellungen, sowohl von Seiten des Unglücklichen, als auch von Seiten der jüdischen Gemeinde waren vergeblich; der Beklagenswerthe weilt noch heute im Gefängnisse und das Alles, wiewohl er kein Vergehen begangen, sondern einzig, weil er Jude ist. Wird sich für die Juden Serbiens kein Montefiore finden? Feuilleton. Skizzen aus Danzig. Ein Erinnerungsbild, von L. Jacob y. (Nach dem „Hebrew.") (Schluß.) An jedem Ersten des Monats nach jüdischem Datum konnte ein Vorübergehender in derJopengasse Danzigs, in dem großen Flur des P.rlbach'schen Hauses ein seltenes Schauspiel erblicken. Da standen dicht gedrängt eine gewaltige Anzahl Armer christlichen und jüdischen Glaubens, Männer sowohl, wie Frauen. Allen voran in erster Reihe hatten die ganz alten Leute, die Blinden und die Verkrüppelten Platz genommen. Man unterhielt sich lebhaft aber nicht laut. Viele harrten ganz still des ersehnten Momentes. Punkt 8 Uhr erschien, von Zeichen der innigsten Dankbarkeit begrüßt, der Vater aller dieser Armen, der alte Perlbach; wie er immer zu gehen pflegte, mit hohem Käppchen auf dem schneeweißen Haar, und in einen langen, vielgetragenen grauen Rock gekleidet; dicht bepackt mit allerlei Liebesspenden kam er aus dem Zimmer hervor, und häufig genug schleppte ein Diener die Last derselben in einem großen Korbe nach. Da war kein gleichgültiges Hinlegen einer Gabe oder ein schnelles Abfertigen der Armen, um sie nur bald los zu sein. Die rührend - gemächlichsten Scenen fanden statt. Für Den ein Rock, für Den eine Fußbekleidung, wie gerade das Bedürfniß war; dem Einen ein Geldstück, dem Andern die Anweisung auf ein gutes Mittagsbrod; — Tücher und Kleider und Geld uno Speisen, Alles wurde an den Mann gebracht, respective an die Frau, bis nichts mehr im Korbe, und zugleich der Flur leer war. Und jede dieser Gaben war begleitet von einem freundlichen Worte, welches gewiß Vielen der Armen die