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Der Israelit · 1864-11-09 · Heft 45 (9.11.1864) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
5 (1864)
Issue
Heft 45 (9.11.1864)
Date
1864-11-09
Page
– (sequence 5)
Language
German
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593 ligung derselben, wo es die Interessen der Allgemeinheit gilt, eine sehr rege ist, so war auch ihre Teilnahme hieran, wie nicht anders zu erwarten, weitaus die stärkste, da von 314 Wahlberechtigten 143, mithin 43 Procent gewählt haben, während die Evangelischen nur mit 14 und die Katholiken nur mit 9 Procent eingetreten sind. Gewählt wurden die Herren vr. Ladenburg, Kaufmann; Louis Bielefeld; David Aberle 86n. und Ludwig Jos. Scheurer. (Fr. I.) Preußen. Berlin, 24. Oct. Als der Magistrat kürzlich die Wahl eines evangelischen Predigers vorznnehmen hatte, wurde die vollzogene Wahl von dem stellvertretenden Syndicus, Stadtrath Schreiner, deßhalb beanstandet, weil ein jüdischer Stadtruth mitgewählt habe. Der Letztere begründete seine Teilnahme an der Hand der Gesetze und berief sich dabei auch auf ein ihm zur Seite stehendes Obertribunals- Erkenntniß. Der Magistrat erklärte dann die Beanstandung für unbegründet, die Wahl für vollkommen gültig und suchte nun die Bestätigung des Provinzial- Consistoriums nach. Dieses erachtete jedoch die Wahl für nicht geschehen, weil es sich um ein rein kirchliches Recht handle, von dessen Ausübung jeder der Kirche nicht Angehörige auszuschließen sei. Der Magistrat hat jedoch vorgestern beschlossen, eine andere Wahl nicht vorzunehmen, weil es sich nach seiner Ansicht nicht um ein rein kirchliches Recht handle und deßhalb auch das Consistorium zur Entscheidung gar nicht zuständig sei. Es solle deßhalb Beschwerde erhoben werden, nicht aber bei dem Minister der geistlichen zc. Angelegenheiten, sondern bei der dem Magistrat zunächst Vorgesetzten Behörde, der Regierung in Potsdam. (Fr. I.) Oesterreichischer Kaiserstaat. Prag, den 31. Oct. Einer der Männer, auf den unsere altehrwürdige Gemeinde stolz ist, Herr Professor vr. Wolfgang Wessely, wird Anfangs November das fünfundzwanzigjährige Jubiläum seiner Lehrthätigkeit begehen. Sie, geehrter Herr Redacteur, kennen Herrn Professor Wessely persönlich und wissen, daß derselbe nicht allein ein vorzüglicher Gelehrter, sondern auch ein treuer Bekenner des Judenthums ist, der in seinem öffentlichen und in seinem Privatleben streng den Geboten unserer heiligen Religion nachlebt. — Noch vor wenigen Jahrzehnten gab es keine jüdischen Universitätslehrer in Deutschland; wollte ein Jude eine Professur erlangen, so mußte er seinen Glauben zum Opfer bringen. Herr vr. W. ist Professor oräinLrivZ an der juridischen Fakultät der ältesten und ehrwürdigsten Hochschule Deutschlands. Er ist nicht allein Jude, er ist frommer Jude geblieben! Möge es ihm vergönnt sein, noch eine lange Reihe von Jahren mit seiner edlen Gattin sich des schönsten Glückes zu erfreuen! — (Auch wir erlauben uns, dem verehrten Jubilar, der sich unser, wie wir erst neulich erfuhren, noch sreundlichst erinnert, unsere herzlichsten Glückwünsche auszusprechen. Möge derselbe in ungebrochener Kraft seiner ehrenvollen Thätigkeit noch lange erhalten bleiben! — Red.) Prag, den 25. Oct. Wir haben bereits vor einiger Zeit berichtet, daß Herr Jsak Taussig ein Haus und 75000 ff. ö. W. zur Errichtung eines Hospitals testirt hat. Diese Anstalt ist nun gestern unter großen Feierlichkeiten in Anwesenheit des Herrn Oberrabbiners Nappaport, des Herrn Predigers und Rabbiners Prof. vr. Kaempf, des Gesammtvorstandes rc. eröffnet worden. Die Einleitung zu dem Stiftungsbriefe lautet, wie folgt: „Wir endesgefertigten Erben, Adolph, Gottlieb und Bertha Schwab, unseres am 23. October 1659 verstorbenen Oheims, des Herrn Jsak Wolf Taussig, schreiten hiermit, um einem mündlichen Aufträge des Verewigten zu entsprechen, zu Ehren seines und des Gedächtnisses seiner am 28. Juli 1858 verstorbenen Gattin, Frau Katharina Taussig, geb. Neustadl, zur Gründung einer Wohlthätigkeitsanstalt unter dem Namen „Jsak und Katharina Taussigssches Hospital für Israeliten" unter den in nachstehenden Statuten festgesetzten Bestimmungen." Herr Vr. Gitschin ist Arzt und Director der Anstalt. Der selige Herr Jsak Taussig hat sich überhaupt um unsere Gemeinde vielfach verdient gemacht, die demselben noch viele andere Stiftungen verdankt; so wird jährlich an seinem Sterbetage an eine unbemittelte Braut ein Legat von tausend Gulden ausbezahlt, .-w-ws? -ws das Andenken des Frommen gereicht zum Segen. ^Hyon, im Oct. Der hiesige ehrwürdige Bezirks-Rabbiner, Herr Moses Schön, hat im Vereine mit den Kultus-Vorständen der Filialorte am 6. Juli l. I. dem Sir Moses Montefiore in London eine von ihm in hebräischem Stile abgefaßte Dankadresse mit den heißesten Dankgefühlen in tiefster Ehrfurcht unterbreitet. Darauf erhielten wir am 11. September von dem ruhmgekrönten und aufopfernden Vertreter seinen Glaubensbrüder eine eigenhändige Antwort in hebräischer Sprache, in welcher er für die Adresse seinen tiefgefühlten Dank ausdrückt und dem Herrn dankt, daß Er seine Thätigkeit in Marokko mit Erfolg gekrönt hat. „Der Herr fahre fort," schließt dieser Brief, „sich über den Rest seines Erbtheils zu erbarmen, Er eile, ihnen zu helfen und beschleunige ihre Erlösung, so daß alle Völker der Erde sehen, daß Er Schild und Schutz ist für Alle, so Ihm verträum!" David Schwarz, Vorsteher.

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