Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 5 (1864)
- Issue
- Heft 45 (9.11.1864)
- Date
- 1864-11-09
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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591 Der Zweck der Schöpfung oes Menschengeschlechts ist: ll'Lov nr< .15/1 „Daß die Erde voll werde der Erkenntniß Gottes, wie Master das Meer bedeckt." Die ganze Menschheit soll zur Erkenntniß des wahren Gottes und durch dieselbe zur Ausübung jeglicher Tugend gebracht werden. Diese Mission beginnt mit dem Stammvater Abraham, dem ersten Verbreiter der wahren Gotteserkenntniß; sie wird fortgesetzt durch seine Nachkommen, die Israeliten; sie wird einst erfüllt sein, wenn alle Völker auf dem weiten Erdenrunde diese Stufe erreicht und die höchste Aufgabe ihres Daseins in der Erfüllung der göttlichen Gebote gefunden haben. Die Heiligung ist eine von Allen erreichbare. vxiL" Oip 121 Diese geschichtliche Aufgabe kann der Israelit nicht durch Anschließen an jede beliebige Lebensform erreichen. Wo bestimmte Zwecke erreicht werden sollen, da ist auch eine bestimmte, eigentlich dazu dienende Lebensordnung nöthig; besondere Lebensvorschriften, die geeignet sind, die Lebensführung zu stützen, zu kräftigen, den Geist für seine Aufgabe zu wecken, aufzumuntcrn, zu begeistern durch große geschichtliche Erinnerungen, durch Vorführung alles Großen, Guten und Edlen, das der Menschenbrust in unvergänglichen Denkmälern entstiegen. v.-m' p-t .IL^POD O'OP.-I sv OL'P 18L1 Oder sollte man annehmen können, daß irgend ein Gesetzgeber bei irgend einem Volke ein vorgestccktes Ziel erreichen könnte, ohne durch ganz eigens dazu dienende gesetzliche Vorschriften die Mittel zu dieser Erreichung zu bezeichnen? Was aber von jedem menschlichen Gesetzgeber ohne Ausnahme behaup tet werden kann, das gilt von dem höchsten Gesetzgeber ganz besonders in der Weise, daß er die zur Errei- . chung seiner Zwecke angegebenen Mitte! nicht der willkürlichen Deutung der Menschen überließ, sondern auch gleichzeitig die richtige Auffassung lehrte. Der Grundgedanke dieser Heiligung des Lebens ist allerdings Trennung und Absonderung. Allein welche Absonderung? Kein Zurückziehen in die klösterliche Einsamkeit; keine naturwidrige Entsagung der gebotenen Lebensgenüsse; kein unter Peinigung des Körpers verbrach-! tes Leben; nein! die verlangte Heiligung des Lebens! wird gerade erreicht durch das Zusammenleben mit unseren Mitmenschen, gerade durch die Gemeinnützig-! keil unseres Lebens; aber sie ist eine Trennung von! den verderblichen Einflüssen, die die Erfüllung unserer Aufgabe gefährden könnten, besonders eine Absonderung von jenen geschlechtlichen Verbindungen, welche die heilige Schrift als sündhaft bezeichnet. Noach wandelte mit Gott, heißt es in der heiligen Schrift. Was soll dies anders heißen, als er trennte sich von der Lebensrichtung seiner Zeitgenossen, er lebte nach einer göttlichen Ordnung? Drei Ursachen werden uns genannt, welche damals den Untergang des Menschengeschlechts herbeiführten. 1) Der Unglaube, und Aberglaube; 2) Die unnatürliche und widernatürliche Befriedigung sinnlicher Lust; 3) Die ungerechte, gewaltsame Aneignung fremden Gutes. Nun denn, diese weltgeschichtliche Erscheinung, dieses große Strafgericht der Völker, von welchem sich die deutlichsten Spuren in unserem Erdkörper vorfinden, ist der unwiderlegbarste Beweis, daß der Mensch nach einer göttlichen Ordnung zu leben habe, und daß die Heiligung unseres Lebens gerade dielen zerstörenden Ursachen des menschlichen Daseins entgegentritt. 1QL1 Op PID' pur „Ohne Offenbarung verwildert das Volk, lebt es aber nach dem Gesetze, so ist es glücklich." Überschreiten die Elemente der Natur die Grenze ihres Wirkungskreises, so wirken sie zerstörend, während sie innerhalb derselben erhaltend und bildend wirken. Des Wassers Fluthen, wenn sie das Bett überschreiten, des Feuers lodernde Flamme, wenn sie entfesselt wird, sie zerstören und vernichten; doch der Mensch tritt ihnen beherrschend entgegen, indem erste eindämmt und auf dasjenige Gebiet zu beschränken sucht, wo sie nur wohlthätig wirken können. So ist auch die Heiligung unseres Lebens eine Trennung von den zerstörenden Einflüssen desselben, eine Eindämmung derselben innerhalb der Grenzen, in welchen dieselben j wohlthätig zu wirken bestimmt sind, mit einem Worte: eine Beschirmung unseres Herzens vor den tobenden! Leidenschaften, auf daß dieselben nicht --- die angewiejene Grenze überschreitend — Körper und Seele dem j Verderben anheimgeben.! Und diese Einschränkungen, diese Einfriedigungen l unserer Leidenschaften, das sind die O'-rr mmO rr-mi! O'OD^Oi, die verschiedenartigen göttlichen Vorschriften, die diese Heiligung erzielen helfen. Und wer durch einen aufmerksamen Blick in die! Geschichte sich von der hohen Aufgabe Israels inmit- I ten der Völker überzeugt hat, der muß konsequenter Weise auch die zur Lösung dieser Aufgabe vorgezeichneten Mittel adoptiren, weil Zweck und Mittel hier unzertrennlich sind. Aber, werden die Humanisten einwenden, welche unvereinbaren Gegensätze werden uns hier zusammengestellt? Auf der einen Seite gibt man zu, daß eine Anschließung des Israeliten an das bürgerlich sociale Leben nothwendig fei; man will sogar, daß er die allgemeinen Bildungselemente in sich aufnehme, daß er die Berührungen nicht meide, welche die erweiterten Verkehrsverhältnifse, die staatlichen Fortschritte herbeigeführt haben; auf der andern Seite verlangt man