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Der Israelit · 1864-11-02 · Heft 44 (2.11.1864) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
5 (1864)
Issue
Heft 44 (2.11.1864)
Date
1864-11-02
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Beilage zn Nr. 44 des Israelit. - ' ... 'l - > >- . ll >> ,i V > geikungSnachrichten und Correspondenzen. Amerika. Aus Tan Franziska in Califormen erhalten wir eine erschütternde Nachricht. Unser Correspondent, Herr A. Engländer, aüs Floß in Bayern gebürtig, dessen trefflicher Correspondenzen viele unserer Leser sich noch erinnern werden, ist in entsetzlicher Weise urn^s Leben gekommen. Er hatte einen gewissen George Porter, Lbsriü' von Walla- Walla, gerichtlich aus seiner Wohnung vertreiben lassen. Dieser kehrte nach wenigen Minuten mit einem Pistol zurück und schoß durch die Thür den Unglücklichen in den Leib. Der Bedauernswerthe starb nach zwanzig Stunden. Der Mörder wurde sogleich verhaftet und befindet sich in festem Gewahrsam. China. Ein kaiserliches Edict hat die Freiheiten des öffentlichen Gottesdienstes für die Bekenner jedweder Religion proklamirt. Feuilleton. Skizzen aus Danzig. Ein Erinnerungsbild, von L. Jacob y. (Nach dem „Hebrew.") Unter der manigfach reichen Auswahl von Nachrichten über jüdisches Leben, welche diese Zeitschrift Ln jeder Nummer bringt, las ich unlängst auch einige kurze Notizen aus der alten und einst so mächtigen Handelsstadt Danzig, welche mir einige Erinnerungsbilder aus meiner siebenjährigen Gymnasiastenzeit in jenem „nordischen Venedig" lebhaft vor die Seele führten. Der geehrte Leser möge daher freundlichst verzeihen, wenn ich heute in zusammenhangsloser Reihenfolge einige bunte Skizzen von den dortigen in vieler Beziehung interessanten, jüdischen Verhältnissen zu zeichnen versuche. Wohl nicht häufig mögen in einer Stadt die jüdischen Verhältnisse eine so merkwürdige Gestaltung angenommen haben, wie in Danzig. Unter den 80,000 Einwohnern dieser Stadt befinden-sich ca. .2,600 Juden, und diese mäßige Anzahl ist in nicht weniger als fünf, vollständig von einander getrennte Gemeinden getheilt, deren jede ihre eigene Synagoge, ihre eigenen Cuttusbeamten und Vorstände besitzt, welche mit Eifersucht darüber wachen, daß die Selbstständigkett und Unabhängigkeit jeder Gemeinde von irgend einer der anderen gewahrt und intact erhalten bleibe. Diese Eigenthümlichkeit, welche dem jüdischen Leben daselst — wenn sie auch in vieler Beziehung immerhin beklagenswert!) erscheinen mag — etwas manigfach Buntes und Wechselvolles verleiht, was andere Städte nicht besitzen, hat ihren Ursprung und ihre Erklärung unmittelbar in der Geschichte der Stadt Danzig selbst. ' Die eigentliche, sogenannte Alt- oder Rcchtstadt Danzig ist nämlich von einer Menge Vorstädte umgeben, deren größter Theil noch jetzt außerhalb der eigent-! lichen Festungswerke liegt, während die übrigen heut zu Tage vollständig mit der Altstadt verschmolzen sind, j (Eine jener Vorstädte, Langefuhr, ist durch eine! Meile lange Lindenallee, eine andere, Mattenbuden, durch zwei Arme der Motlau und die dazwischen liegende Speicherinsel von der Stadt geschieden.) Bei dem Absperungszwange aller dieser einzelnen Stadttheile während des Mttelalürs und den engherzigen Verkehrshindernissen, welche nur einem sehr geringen Theile der Juden gestatteten, in der Stadt selbst zu wohnen, konnte es nicht fehlen, daß die jüdischeil Bewohner der getrennt liegenden Vorstädte durch den Mangel eines gemeinsamen Vereinigungspunktes sich gezwungen sahen, selbstständige Gemeinden zu gründen, die alsdann nach dem Namen der einzelnen Stadttheile genannt wurden. Als nun mit dem Lichte der neuen Zeit die Verkehrsschranken, die in ihrer ganzen Schwere besonders auf den Juden lasteten, nacheinander fielen, da hatte sich im Laufe der Jahrhunderte jenes partikularistische Gemeindewesen bereits so herausgebildet und so tiefe Wurzeln geschlagen, daß es trotz mannigfacher Bestrebungen und Versuche Einzelner nicht gelang, eine Verschmelzung herbeizuführen. Die alten Gemeinden blieben auch da gesondert bestehen, wo eine lokale Trennung und Verschiedenheit einzelner jener Vorstädte von der Altstadt bereits längst nicht mehr vorhanden ist; und so sieht man denn heutzutage in einem Theile der Stadt, dessen Umkreis noch keine tausend Schritt beträgt, drei große (jetzt sämmtlich neu erbaute) Synagogen sich erheben, von denen zwei, die Weinberger und die Altschottländer, einander fast gegenüber gelegen sind. Die vierte, die Mattenbuder Gemeinde hat ihren getrennten Wohnsitz auf der gleichnamigen Vorstadt beibehalten, während dagegen die fünfte und kleinste Gemeinde ihren Sitz auf Langefuhr gänzlich nach der Stadt verlegt hat und nur noch durch ihren Namen an jenen Vorort erinnert.

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