Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 5 (1864)
- Issue
- Heft 44 (2.11.1864)
- Date
- 1864-11-02
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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579 seien; er fürchte, daß die Experimente der neuen Colonisatoren ebenso erfolglos, wie die bishergemachten bleiben würden. Oesterreichifcher Kaiserstaat. Wien. Der Wiener „Loyd" läßt sich folgende Begebenheit aus einem Städtchen im Neutraer Comitat berichten: Eine junge Jüdin daselbst gerieth mit den Ehegesetzen ihrer Confession in Conflikt, ließ sich von ihrem Gatten scheiden und trat mit einem Zimmermann christlicher Confession in ein intimes Verhältniß. Der ehelichen Verbindung stand nur noch die Verschiedenheit der Confessionen des Paares im Wege. Das elende Weib entschloß sich nun, ohne weiteres ihrer Liebe auch dieses Opfer zu bringen; sie verfügte sich zu dem Ortspfarrer mit dem Vorgeben, aus religiöser Überzeugung von den Wahrheiten der christlichen Lehre Christin werden zu wollen. Der Geistliche in Unkenntniß über Charakter und früheres Leben der Proselytin, nahm dieselbe natürlich (?) auf und begann mit ihr den vorbereitenden Religions-Unterricht. Mittlerweile brachten jedoch die Eltern der begeisterten Neophytin, welche natürlich die Taufe hintertreiben wollen, und der allzeit geschäftige Stadtklatsch denn doch die Motive zu Ohren des Pfarrers, die seine Schülerin zu ihm geführt, und er wollte sich nun vorerst überzeugen, ob er nicht ein „räudig Schaaf" in die Gemeinde des Herrn aufnehmen wolle Ein Zufall hatte ihm hierüber Gewißheit verschafft Eines schönen Abends während der Fastenzeit, kurz vor dem zur Taufe anberaumten Tage, begab sich die „werdende" Christin mit ihrem Zukünftigen zu einem gemüthlichen Schmause, bestehend in eirer gebratenen Gans und einer Flasche Rebensaft, in's Wirthshaus. Der Vater der Elenden witterte dieß Stelldichein im Wirthshause und beorderte den Richter und die Geschwornen dahin, um Zeugen der erheuchelten Ergebung in die Lehren der Kirche seitens der leichtsinnigen Tochter zu sein. Die Zeugen begaben sich auch in's Wirthshaus und nahmen diesen Akt »ä votaw. Am darauffolgenden Tage verfügte sich der Vater zum Pfarrer und denuncirie seine Tochter als eine Heuchlerin, bei der die Taufe nichts weniger als die reine Liebe zum Christenthume sei. Ter Pfarrer entbot die Tochter zu sich, begann wie gewöhnlich den Unterricht in den Vorschriften der christlichen Lehre und kam also auch auf die Lehren der Enthaltsamkeit und die Verbote des Fleischessens während der Fastenzeit zu sprechen. Die Frage, ob sie alle diese Lehren beherzigen und treu halten wollte, bejahte sie, io wie sie aus die Frage, ob sie jetzt während ihrer Weihe keines von diesen Geboten übertrat, verneinend antwortete, letzteres sogar knieend bei der Dreieinigkeit beschwor! Es blieb nun noch die Anhörung der Zeugen über den Vorfall vom vergangenen Abend übrig. Und als der vorsichtige Pfarrer das Weib mit den Zeugen confrontirte, und Letztere erzählten und beschworen, daß das ihnen gegenüberstehende Weib mit ihrem Geliebten am vorigen Abende dem Genüsse des Fleisches und des Weines sich hrngab, erklärte der Pfarrer das Weib als Meineidige und wies dasselbe von der Taufe zurück Das entschlossene Weib ließ es jedoch bei dieser Abweisung nicht bewenden, sondern ging nach Neutra und meldete sich beim Domcapitel zur Taufe, indem es gleichzeig die Anzeige machte von der erlittenen Abweisung seitens des Pfarrers. Allein diese Anzeige bekam ihr sehr übel. Das Domcapitel zu Neutra stellte den Pfarrer wegen seiner Handlungsweise zur Rede, und als dieser den Sachverhalt referirte, wurde sie beim Domcapitel zum zweitenmale abgewiesen. Noch ließ sie indeß nicht ab. Sie ging nun nach Benedek, wo ebenfalls der Sitz eines Domcapitels ist, und meldete sich daselbst bloß znr Taufe, ohne jede weitere Anzeige. Kaum meldete sie sich aber, und schon erfuhr es das Neutraer Domcapitel, welches sofort den Thatbestand berichtete, mit der Warnung, keinen Tropfen Weihwasser an diese Unwürdige zu verschwenden. So war es zum drittenmale um die Taufe derselben geschehen. Aber noch ist das Weib bereit, einen vierten Versuch anzustellen. Es heißt nämlich, daß es nach Gran gegangen sei. um sich daselbst direkt an Se. Eminenz den Fürst-Primas von Ungarn in Angelegenheit der Taufe zu wenden. Pefth. Aus der benachbarten Ortschaft Kittsee berichtet man der „Preßb. Ztg." folgenden Vorfall: Am Sonntag den 9. d. M. Abends versammelten sich die dort wohnenden Juden in ihrem Gotteshaus, um den langen Tag „Jom Kippur" nach ihren Gebräuchen zu feiern. Während der Rabbi seine Predigt hielt, kamen aus dem Wirthshause die kroatischen Bursche mit ihren Mädeln in die Synagoge (der Zutritt war Jedem frei); es versammelte sich . endlich sämmtliche Jugend vom Orte und füllte den Tempel an. Man ersuchte sie nun, sich zu entfernen; allein darüber aufgebracht, begannen sie ihren Unfug, drängten die Juden von den Sitzen, schien sich sodann selbst, nahmen die Lichter herunter, zündeten sich die Pfeifen an, wackelten an den Bänken, so daß sie umfielen, ja Einige trieben Spott und äfften den Rabbi nach, zerschlugen die großen Glasscheiben vor den Gebettafeln und rissen den Vorhang, welcher an der Eingangspforte angebracht war, ab Die betenden Juden drängten! darüber entrüstet die Unberufenen aus der Synagoge und wollten ihre Andacht weiter sortsctzen; doch außerhalb des Tempels rotteten sich bei 200 Menschen zu-! sammen, um zu warten , bis die Juden herauskom-