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Der Israelit · 1864-10-26 · Heft 43 (26.10.1864) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
5 (1864)
Issue
Heft 43 (26.10.1864)
Date
1864-10-26
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Beilage z« Nr. 43 des Israelit. Zeitungsnachrichten und Correspoudenzen. Palästina. Jerusalem,*) im Ab 5624. Ein schmerzlicher, nicht zu ersetzender Verlust hat uns, hat das ganze Judenthum getroffen. Die Vorsehung hat einen Mann aus unserer Mitte abgerufen, der wohl mit vollem Rechte eine Säule und Stütze unseres Glaubens, eine Leuchte in der für das Judenthum so finster hereingebrochenen Nacht der Verhältnisse genannt werden konnte. Wir stehen am Grabe des durch seinen biederen, wahrhaft jüdischen Charakter, durchseine gottgefälligen Werke sowie durch seine Talmudgelehrsamkeit in weiten Kreisen bekannten und hochverehrten R.AHron Beer aus Ungvar, der uns nach langem Leiden entrissen wurde. Wer fühlt nicht die Tragweite eines solchen Verlustes, wer klagt nicht mit uns bei dem Hinscheiden eines solchen Mannes, der schon in seinem Vaterlande bei allen Parteien des größten Ansehens, der außerordentlichsten Hochachtung genoß? Denn wer könnte mit mehr Recht die Stütze der Armen undUnglücklichen genannt werden, als der Hingeschiedene, in dem alle von Unglück und Widerwärtigkeiten Verfolgten ihren Vater und Helfer sahen? Trotz erlittener Vermögensverluste hörte sein edles Herz doch niemals auf, das tiefste Mitgefühl für die Leiden seiner Brüder zu hegen und diesen mit Rath und Thal beizuspringen. Man muß seine Biederkeit im Geschäftsleben, seine seltene Redlichkeit in Handel und Wandel gekannt haben, man muß wissen, wie erhaben er über alle Kleinlichkeiten dieses Lebens war, wie ihm jedes seiner Worte als der heiligste Eidschwur galt; vor Allem mußte man sein immenses Wissen auf talmudischem Gebiete kennen, um in ihm die Zierde unseres Glaubens zu verehren und seine Seelengröße anzustaunen. Wie er sein ganzes Herz stets den Satzungen unseres Glaubens zuwandte, so war es auch immer sein Wunsch, in dem heiligen Lande seine Tage beschließen zu können, und so siedelte er nach Jerusalem über, um sein Leben fortan nur dem Besten seiner Glaubensgenoffen zu widmen. Wie er diesen Vorsatz ausgeführt, wie ihm Nichts mehr am Herzen lag, als seinen Brüdern Hilfe und Unterstützung auf jede Weise zu gewähren, das können wir am besten beurtheilen, die wir Zeugen seiner Aufopferungsfähigkeit und seiner unermüdlichen Thätigkeit für das Wohl der von Kummer und Elend Gebeugten waren. Er war es vorzugsweise, der, gestählt und gekräftigt gegen die täglich wiederkehrenden Unbilden, von denen man außerhalb des heiligen Landes gar keinen Begriff hat, es bewirkte, daß wir, die Glaubensgenossen aus Ungarn, Böhmen und Oesterreich, autonom wurden, eine selbstständige Gemeinde bilden, die Verwaltung für mehr als 200 Personen selbst in die Hände nchmen konnten. Und unser ganzer der in ihm seinen Gründer, seinen Vater verehrt, steht tiefbekümmert an seinem Grabe, Thränen in Strömen vergießend ob des schrecklichen Riffes, welchen Gott ihm zugesendet, steht verwaist und verlassen da beim Hinfcheiden des liebevollsten und thätigsten Freundes. Und wie viele tiefeingegrabene Erinnerungen beherrschen die Einzelnen an diesem Grabe! Wie Vielen lieh er beim Ausbleiben der Unterstützungsgelder von seinen durchaus nicht so reichlichen Mitteln, wie viele verschämte Mitbrüder wissen von seinen Wohlthaten zu erzählen, wie Viele hat er aufgerichtet durch Rath und That, wie Vielen hat er Trost und Heilung in Leiden und Kummer gebracht? Da war keine universelle Angelegenheit zur Ehre des heiligen Bodens, zum Nutzen und Frommen unserer Glaubensgenoffen, der er sich nicht mit glühender Liebe hingab. So ist auch die Lücke tiefschmerzlich, welche dem Comit6 für den Bau von Armen- und Pilgerwohnungen in Jerusalem geschlagen, dem er auch, soweit es seine schon lange angegriffene Gesundheit erlaubte, mit großer Liebe angehörte. Wie aber sein Verlust ein unersetzbarer, so wird uns sein Name unvergeßlich bleiben und sein Leben uns immer ein Muster echter Gottesfurcht bieten. Eine Anzahl Verehrer des theuern Hingeschiedenen. ^2"?. Afrika. Marocko. Das „Gibraltar-Chronicle" enthält von hier aüs eine Correspondenz, aus der wir in Folgendem einen Auszug geben: „Dem Sultan von Marocko scheint es ernst zu sein mit der Ausführung des Versprechens, das er Sir Moses Montefiore gegeben. Ein Vorfall, der sich in einer Stadt im Innern, Damnat, ereignet hat, be weist, daß der Sultan seine jüdischen Unterthanen vor Unterdrückung zu schützen gewillt ist. Ein junger Maure, ein Verwandter des Gouverneurs, hatte eine schöne Jüdin gewaltsam entführt. Alle Vorstellungen seitens der Verwandten des geraubten jungen Mädchens, alle Beschwerden bei den marockanischen Behörden waren nicht allein vergeblich, sondern brachten dem Beschwerdeführenden Beleidigungen und üble Behand- Wegen der Festtage verspätet.

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