Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 5 (1864)
- Issue
- Heft 43 (26.10.1864)
- Date
- 1864-10-26
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2446951-2447141-2447183--02952-2458321- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
In dem gebirgigten Theil erheben sich unzählige Pflanzungen mit hundertjährigen Oelbäumen, Weinstöcken und Feigenbäumen. Alle Felder von Jaffa bis hieher smd mit indischen Feigenbäumen eingezäunt, welche ohne Kultur wachsen und reichliche Früchte tragen, die man auf verschiedenen Märkten verkauft. Dieser Baum wurde bisher noch nicht genug gebaut wegen mangelhafter Sicherheit. Aber seit einigen Jahren hat die türkische Regierung kleine Forts errichtet, wo türkische Soldaten sich aufhalten, welche beständig auf verschiedenen Straßen und in verschiedenen Landschaften patrouilliren. Ich begegnete bei Tag und bei Nacht einzelnen Personen, welche durch diese wenig oder gar nicht besuchten Gegenden allein ohne Furcht oder Besorgniß reisten.*) Die Straßen find zwar nochgrößtentheils in schlechtem Zustande, allein auch in diesem Punkte hat die Regierung schon die geeigneten Schritte eingeleitet. Wenn man Jerusalem zuerst von der Straße von Hebron aus erblickt, so bietet die h. Stadt einen äußerst imposanten Anblick. Die gezackten Mauern, welche sie umgeben, die vielen Thürme, die religiösen Monumente, alles dies verherrlicht die Ansicht. Die Straße, welche zu dem Hebroner Thor führt, ist auf beiden Seiten begrenzt von meistens europäischen Kaufläden. Aber bei dem Eintritt in die Stadt sieht man erst recht ein, warum man sein Kleid zerrissen, man erblickt allenthalben große aber öde Straßen, das Pflaster ist in erbärmlichem Zustande, kurz, mit jedem Augenblicke wird man daran erinnert, daß „die Wege Zions trauern, weil Niemand zum Feste kömmt, alle seine Thore wüste liegen, seine Priester seufzen, seine Jungfrauen trauern, ihm selbst aber es bitter ergeht" Dieses drückende Gefühl wird einigermaßen ausgewogen durch den Geist der Toleranz und der Eintracht, welcher zwischen den Bekennern der verschiedenen Religionen herrscht. Derselbe ist wahrhaft wohlthuend und wird nur sehr wenig gestört durch die Bemühungen der Missionäre, die jedoch nur selten von verworfenen Individuen mit Erfolg gekrönt werden. Die Bevölkerung von Jerusalem vermehrt sich von Tag zu Tag, und neue Einrichtungen treten überall ins Leben. Die Aschkenasim lassen 4 neue Synagogen bauen, von denen eine sehr geräumig und schön ist. Sie projectiren auch, ein Hospital für Kranke zu gründen, mit dem eine Versorgungsanstalt für bejahrte Männer verbunden werden soll. Diese lobenswerthen *) Möge das „Jew. Chron." hievon Notiz nehmen, und wenn es sich an unseren Herrn Korrespondenten direct um Aufschluß wenden will, möge es sich an Herrn Oberrabbiner Isidor in Paris wenden, der die Güte haben wird, ihm die Adresse genau anzugeben. 568 Institutionen vereint mit denen, welche von der Familie Rothschild gegründet sind, werden die Armen aus den Klauen der Engländer retten. Ich habe das Rothschild'sche Spital besucht und bin über dasselbe in höchstem Grade erstaunt. *) Der Verein zur Unterstützung armer Wöchnerinnen und die Künstler- und Handwerkerschule gedeihen auf's Schönste. Schon sind verschiedene gute Kräfte aus derselben hervorgegangen und ernähren sich mit ihrer Famile ganz gut. Das ist dem berühmten Herrn vr. Albert Cohn zu verdanken, der auch im Namen seiner Gemahlin wöchentlich Brod vertheilen läßt. Die ^Iliavos israelit? universelle ist in diesen Ländern vortheilhaft bekannt. In Jaffa ist einZweig- Comitö derselben, das v.n dem Central - Comitö eine ganz spezielle Empfehlung an den französischen Gesandten erhalten hat zu Gunsten unserer Glaubensgenoffen, welche damit sehr zufrieden sind. Diese Empfehlung hat mit göttlicher Hilfe schon gute Früchte getragen. Auch in Kairo und hier sind solche in der Organisation begriffen, und demnächst werden andere in Alexandria, Beyrut, Rhodus, Smyrna und Alepo errichtet werden. In Alexandria ganz besonders steht die Gemeinde glänzend da.**) Nach dem Vorbilde der dortigen Schule werden in kürzester Zeit in Kairo, Rhodus, Smyrna, Damask und Alepo Unterrichtsanftalten mit des Herrn Hilfe ins Leben treten. Im Allgemeinen bin ich höchlichst erfreut, zu sehen, daß der Geist des Fortschritts und der Civilisation sich auch unter unfern Brüdern im Orient Bahn gebrochen hat, und ich hoffe, daß die Zeit nicht mehr fern ist, von welcher der Prophet sagt: „Denn voll ist die Erde von Gotteserkenntniß, wie die Wasser das Meer bedecken, wo dann gehen die Völker im Lichte Israels und Könige im Glanze seiner Strahlen." I. I. A. (Nach dem Univ. isr.) Amerika. San FranziSko, im August. Der Krieg im Osten der Union hat einen bedeutenden Zufluß der hiesigen jüdischen Bevölkerung zugeführt, so daß sich dieselbe wohl auf fünfzehnhundert (Seelen?) belaufen mag. Für die hohen Feiertage genügen die drei großen Synagogen nicht; es werden daher bereits jetzt Vorkehrungen zur Herrichtung besonderer Betlokale getroffen. *) S. Israelit Nr. 41 u. 42. S. 553. **) S. Leitartikel in Nr. 35 des Israelit S. 463. Hierzu eine Beilage. verantwortliche Redaction: vr. Lehmann. — Verlag der Le vour'schen Hostrichhandlnng. — Dampf-Echnellprefsendrnck von I. Gott-leben in Main».