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Der Israelit · 1864-10-26 · Heft 43 (26.10.1864) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
5 (1864)
Issue
Heft 43 (26.10.1864)
Date
1864-10-26
Page
– (sequence 4)
Language
German
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sind die Ursachen dieser langen Lebensdauer nach der Ansicht des gelehrtm Abarbanel theils physische, die als solche sich dem Verstände von selbst aufdrängen, theils solche, die in der höhern Leitung der menschlichen Dinge liegen, die dem unbefangenen Geschichtsforscher überzeugend erscheinen. Abarbanel sagt nämlich: Ganz irrthümlich ist die Ansicht, daß wir jene große Anzahl von Jahren der vorsündfluthlichen Patriarchen als Monate anzusehen haben, indem das Wort.-uw hier eine Wiederholung des Mondwechsels bedeutet. Nach dieser Annahme würde z. B. der älteste Mensch Metuschelach nur etwa 80 Jahre, Abraham, von dem es heißt, daß er alt und lebenssatt gestorben sei, nur etwa 18 Jahre, unser Lehrer Mosche, der sv viel gewirkt, nur etwa 10 Jahre erreicht haben, wenn wir das Sonnenjahr zu 12 Monaten nehmen. Andeutungen in der heil. Schrift lasten vielmehr mit Sicherheit schließen, daß der Monat Monat und nicht Jahr genannt wurde. Bei der Sündfluth ist von Monaten die Rede, ebenso bei Thamar rc. rc. Wohl heißt das Wort eine Wiederholung, aber eine Wiederholung in den Produkten der Natur, die nur nach einem Sonnenjahr stattfindet, was ja auch jene bedeutsame Stelle Ln Bezug auf die Feier des Peßachfestes: „Gebt Acht, dasPeßachfest im Aehrenmonate zu feiern," zur Genüge constatirt. Und wenn auch in den heil. Schriften, die dem babylonischen Exil vorangingen, nirgends deutlich ausgesprochen ist, daß das Jahr zu 12 Monaten berechnet wurde, so läßt und ^>2?' gar keinen Zweifel zu, daß man es hier mit Sonnenjahren zu thun habe. Abarbanel schließt sich in seiner Ansicht der des großen Maimonides an, welcher sagt: Die Erreichung eines so hohen Lebensalters ist unzweifelhafte historische Thatsache; aber sie ward nicht allen Menschen zu Theil, sondern sie war das Privilegium einiger weniger Auserkorenen, wie sie uns in der heil. Schrift angeführt sind. Der große Haufe der übrigen Menschen erreichte wohl nur das gewöhnliche Lebensziel von 70 Jahren. Dafür spricht die Antwort des Patriarchen Jacob, als der König von Aegypten bei der ersten Vorstellung über sein ungewöhnlich hohes Alter sich verwundert zeigte: „Meine Tage reichen noch lange nicht an die Tage meiner Voreltern." Dafür spricht ferner der Inhalt des 90. Psalms, der das Lebensziel des Menschen auf 70 Jahre setzt. Jene waren die starken Männer der Vorzeit, die sich nicht vom Strome der Zeitrichtung fortreißen ließen, die sich nicht in den Strudel jener Genüsse warfen, welche die Elementarkräfte des Menschen abschwächen und aufreiben, jene Kräfte, die auch die kräftigsten Nahruungsmittel nicht zu ersetzen vermögen; es waren die Männer, die, wie Noach, mit Gott wandelten, in welchen ein Glaube, eine Ueberzeugung war , die sie die Freuden dieses Lebens nicht als das Endziel des Menschen erkennen ließen. Andere Momente, die dabei mitwirkten, liegen, nach Ansicht des erwähnten Schristerklärers, in den klimatischen Verhältnissen, in der Nahrungsbeschaffenheit der vorsündfluthlichen Zeit. Diese muffen andere gewesen sein; denn Veränderungen in der Gestaltung der Erdoberfläche, wie sie die große Fluth herbeiführte, bewirken nicht nur eine Veränderung der Luftbeschaffenheit, sondern influiren auf die Produktionsfähigkeit des Bodens und auf die qualitative Beschaffenheit der Produkte. pvip v'iisv OD Daß es nach der Sündfluth anders wurde, daß namentlich die qualitative Beschaffenheit der Nahrung eine andere war, geht aus der Erlaubniß des Fleischgenustes hervor, als wäre unter veränderten Verhältnissen die frühere Nahrungsweise nicht mehr ausreichend. Die Menschen, welche das hohe Alter erreichten, gehören darum der vorsündfluthlichen Zeit an, und die wenigen, welche in die nachsündfluthliche Zeit hineinragen, sind in der vorsündfluthlichen geboren und haben in derselben schon längere Zeit gelebt. Neben der veränderten Lebensweise, namentlich in Bezug auf zusammengesetzte Nahrungsmittel, die das spätere Cultur-Leben herbeiführte, erscheinen als wichtiges Moment die in der alten Zeit erst in späteren Jahren geschloffenen Ehen, wo die spater geschloffenen ein höheres Alter Nachweisen. Als Beweis wird König David angeführt, der zu 70 Jahren an der Entbehrung der natürlichen Wärme litt, während sein Sohn Salomo, jenen Fehler noch weniger vermeidend, nur 52 Jahre erreichte. In der Lebensgeschichte der Völker erscheinen Dinge, die, weil sie von dem gewöhnlichen Gange der Ereignisse abweichen, unser Erstaunen erregen; aber immer erscheinen jene außergewöhnlichen Dinge als eine Nothwendigkeit für jene Zeit. Ueberall zieht sich der Faden einer besonderen göttlichen Leitung der menschlichen Dinge durch die Ereignisse hindurch; auch mit dem außergewöhnlich hohen Lebensalter jener Menschen verhält es sich so: Es war neben den natürlichen Ursachen, die dabei mitwirkten, das Werk einer besonderen göttlichen Fürsorge. Es erscheint als Nothwendigkeit in einer Zeit, wo diese Männer, bei einem noch in der Kindheit stehenden Culturleben, durch ihre lange Lebensdauer gleichsam das lebendige Buch bildeten, durch welches die gewonnenen Erkenntnisse, die gemachten Erfahrungen auf die Mit- und Nachwelt verpflanzt wurden. Es waren die vom Geiste Gottes erfüllten Männer, die ihrem Zeitalter voranschritten und die Prinzipien vertraten, auf welchen die Existenz der menschlichen Gesellschaft beruht. Sehen wir aber von jener Zeit ab, wo wegen der noch wenig vorangeschrittenen Cultur ein hohes Lebensalter bei Einzelnen zum Heile der Gesammtheit sich als Nothwendigkeit ergab, so ist es im Allgemei-

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