Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 5 (1864)
- Issue
- Heft 43 (26.10.1864)
- Date
- 1864-10-26
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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5«3 fassung in Frage stellt und so dem Wohle deS. Staates als Gesammtkörper entgegenarbeitet: so ist eS dem Bolle nur dann möglich, den Staat aus der Gefahr zu retten, wenn es sich ein Abgeordnetenhaus nach seinem Willen, entsprechend seinen Absichten, schaffen kann, was es aber nur alsdann vermag, wenn ein Jeder unabhängig, ohne Furcht, seine Existenz zu gefährden, zur Wahlurne schreitet. Frei und unabhängig kann er aber nur alsdann wählen, wenn er nicht seinen Namen zu nennen braucht, ihm also die Regierung nicht wegen mißliebiger Wahl Hindernisse für sein ganzes Leben in den Weg legen kann. Welchen Grund hat nun dieser oder jener, wenn er gegen die Intentionen der Regierung wählt? will er eine Schrulle befriedigen? Nein, er will das Wohl des Staates! Dient er diesem oder jenem Minister, wenn er in Staatsdiensten verwendet wird? Nein, er dient nicht einer Person, er verwendet seine Kräfte im Dienste des Staates. Wie ganz anders ist aber das Verhältniß bei der Abstimmung über die Emancipation der Juden. Dies ist ein Act, bei dem eigentlich die Bevölkerung gar nicht gefragt werden muß, so hat Baden sie entschieden gegen den Willen der Landbevölkerung proclamirt; hier sollte nur einem Jeden Gelegenheit geboten werden, mit beizutrageu, ein altes Unrecht zu sühnen. Wenn, wie dar hiesige radikale Localblatt will, einem Jeden die Freiheit gewahrt und Keiner in die Verlegenheit gesetzt werden soll, gegen seine innere Neigung stimmen zu müssen aus Furcht, sein Brod zu verlieren, so sagt es nichts Anderes, als Schneider Hinz und Schuhmacher Kunz leben von Juden, dagegen ist Nichts einzuwenden, das ist sogar recht schön, denn jüdisches Geld steht keinen Heller geringer im Courszettel notirt, als christliches, aber nun wollen Hinz und Kunz doch nicht, daß die Juden ihnen gleichgestellt seien, weil es einmal Juden sind, so darf man sie nicht zwingen, diese innere Ueberzeugung verläugnen zu müssen. Wer in unserm Fall gegen die öffentliche Abstimmung war, der wollte nicht das Wohl des Staates, das nur in der Gleichberechtigung aller Staatsangehörigen wurzelt, der hatte nicht den Staat, der hatte die Person im Auge und wollte einem Vorurtheil Rechnung tragen, das längst verjährt sein sollte. Doch die Debatten find jetzt vorüber, die Juden sind emancipirt und Frankfurt ist jetzt in Wahrheit eine freie Stadt geworden, der Gewinn für beide Theile ist unabsehbar, und die Covsequenzen werden nicht ausbleiben. Doch halten wir eS nicht für das Wichtigste, daß der Jude jetzt Bürgermeister und Senator werden kann, das ist nicht die Hauptsache; allerdings ist es schön, doch ist es nicht das Höchste, man kann als schlichter Bürger Äensogut dem Staate nützlich sein, wie als Lenker deffrwen; der höchste Gewinn liegt auf einer arckern Seite darin, wie sich jetzt die jüdische Gemeinde im freien Staate gestalten wird, und dieses wollen wir im nächsten Artikel beleuchten. Arber die lange Lebensdauer des Menschen in -er norstn-fluthtichrn Leit. Bon U. knIÄ. „Denn diese Vorschriften sind für euch keine werthlose Sache, sondern euer Leben beruht darauf, und dadurch werdet ihr lange leben auf dem Erdreich, welches zu erobern ihr über den Jordan ziehet." (V. B. M. C. 32. V. 47.) Nicht nur das geistige Leben der Völker hat nach Jahrtausenden durch veränderte Wohnsitze, durch die hierdurch nöthig gewordene veränderte Lebensweise, durch den Anblick einer andern Natur und durch andere climatische Einwirkungen große Veränderungen erfahren, so daß seit jener Zeit, von welcher es in der heil. Schrift heißt: „Auf der ganzen Erde war einerlei Denken und einerlei Ausdrucksweise," ein geistiges Streben und Wirken mit den verschiedensten und mannigfachsten Resultaten zu Tage getreten ist, die unS die immense Entwicklungsfähigkeit des menschlichen Geistes darthun und das graue Alterthum als eine Zeit erscheinen lassen, wo der Menschengeist noch in seiner Kindheit stand, sondern jenes geistige Fortschreiten, jenes geistige Leben, das ja den ganzen Menschen beherrscht, und je nach seinem Inhalte ihm führt und leitet, hat auch Unterschiede herbeigesührt, die nach des Dichters Ausspruch: „Das Auge ist der Spiegel der Seele," sich auch äußerlich, oft auffallend genug, kundgeben. In dieser Beziehung erscheint eine Vergleichung der Lebensdauer des Menschen der vorsündflvthlichen und auch noch einige Jahrhunderte der nachsündfluthlicheu Zeit mit der jetzigen als besonders bemerkenSwerth. Dieser Unterschied ist so bedeutend, daß Männer, die dm Gang der menschlichen Dinge nur auf empirische Werse zu beurtheilen gewohnt sind, zu der Meinung gedrängt wurden, man habe hier für die Jahre eine andere, von der unseligen abweichende, Zeitrechnung anzunehmen. War — sagen sie — die körperliche Organisation des Menschen vor Jahrtausenden eine andere? War die Knochenstrnctur eine stärkere? War eine stoffliche Verschiedenheit, in wücher die Bedingung einer länger« Lebensdauer lag? Und da diese Fragen alle mit „Rein" beantwortet «erde» müssen, warum erreichen denn jetzt die Menschen kein so hohe- Attev «ehr? Wohl ist es richtig: Der Mensch ist stvffkH und mechanisch noch jetzt so organifirt, wie er einst aus des Schöpfers Ham hervorgegangen. Und doch