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Der Israelit · 1864-10-12 · Heft 41-42 (12.10.1864) · page 16

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Journal
Der Israelit
Volume
5 (1864)
Issue
Heft 41-42 (12.10.1864)
Date
1864-10-12
Page
– (sequence 16)
Language
German
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556 Da standen die beiden Weisen auf und küßten das Kind, und R. Jehuda sprach fast unter Thrüncn: „O Simon! *) gesegnet seist Du und gesegnet das Geschlecht, in welchem Du lebst! Nur durch Dein Verdienst sind selbst die Kinder der Schule zu hohen und starken Felsen geworden!" Da trat die Mutter heran und sprach: „Meister l ich bitte Euch, schauet auf mein Kind nur mit günstigem Auge!" „O gesegnet seiest Du, würdige Frau!" antworteten die beiden Weisen, „Dich hat Gott vor allen andern Frauen ausgezeichnet, Dein Theil und Dein Panier über das aller andern Frauen erhoben." „Ich fürchte das neidische Auge nicht," fiel das Kind ein, „bin ich doch ein Fischlein, der Sohn eines großen und gewaltigen Fisches! **) Der Fisch lebt ja gedeckt und beschützt von den Fluthen und über ihn hat das neidische Auge keine Gewalt, weshalb denn auch Jakob segnend spricht:***) „„Und sie sollen sich vermehren, den Fischen gleich, mächtig in des Landes Mitte."" Fische leben geschützt und gesegnet im Master und nur im Master; die Kinder aber, welche von ihren Eltern mit dem Segen Jakobs gesegnet werden, sollen auf der Erde unter den Menschen zunehmen." „Sohn eines göttlichen Engels," sagten die beiden Weisen, „unter uns ist kein böses Auge; wir kommen nicht von der Seite des dösen Auges, der Heilige, gelobt sei sein Namen! schütze Dich unter seinen Flügeln!" Das Kind sprach nun noch manches tiefsinnige Wort über diesen Segen Jakobs. „Wenn Vater und Mutter," sagte es unter Anderem, „ihr Kind mit den Worten Jakobs segnen, so wollen sie ihm sagen: ein Engel, ein Bote Gottes, hat Jakob von allem Bösen erlöst und ihn geweidet, auch Du sollst einmal für die Deinen ein Bote Gottes sein, sollst für alle ihre Bedürfnisse Sorge tragen, alles Gute für sie fördern, alles Böse von ihnen fern zu halten suchen." Und abermals erhoben sich die Weisen und küßten das wunderbare Kind herzlich. Dann begannen sie wieder: „Laßt uns den Segen sprechen!" „Mich laßt den Segen sprechen!" erwiederte das Kind, „bin ich es doch, der Euch freigebig mit geistiger Speise gespeist, und so laßt an mir das Wort Salomo's wahr werden:****) „„Das gütige Auge soll den Segen sprechen!"" Wohl steht geschrieben: „„soll gesegnet *) R. Simon den Jochai. **) Das Kind spielt darauf an. daß sein Vater Hamnuna geheißen, indem nuna im Chalb. Fisch heißt. ***) 1 B. M. 48, 16. — Vergl. Sota 36, d. ****) Spr. Sal. 22, 9. — Vergl. Sota 38, ». sein,"" (jeworach), laßt uns aber lesen: „„soll den Segen sprechen"" (jewarech.) „Aber, Gott geliebtes Kind," sagte R. Jehuda, „unsere Weisen sagen doch: Der Hausherr bricht das Brod, und der Gast spricht den Segen?" „Ei," antwortete das Kind, „weder bin ich Hausherr, noch seid ihr meine Gäste, und darum laßt den Vers der heiligen Schrift, den ich Euch angeführt, Geltung haben; darf ich mich doch ein gütiges Auge nennen, denn unaufgefordert habe ich Euch bisher von mernem Brode gegeben." Und nun ergriff das Kind den Becher des Segens, hob ihn in die Höhe und begann laut und deutlich das Tischgebet; aber gegen Ende des zweiten Segenspruches erzitterte seine Hand, so daß es den Becher nicht mehr erhoben halten konnte. Da rief es begeistert: „Den Kelch des Heiles erhebe ich und im Namen des Herrn verkünde ich!" *) und augenblicklich kam ihm eine höhere Kraft, so daß cs den Becher wieder emporheben und bis zu Ende des Gebetes erhoben halten konnte. Am Ende fügte es noch hinzu: „Möge es Gottes Willen sein, daß jedem von uns das Leben zuflreße von dem König aller Könige, von dem wahren Baum des Lebens, von dem alles Leben abhängt, und möge der Heilige, gelobt sei sein Namen! ihm von seiner Süßigkeit geben, daß er das Süße der Erde vergesse und sich mit dem Süßen des Heiligen begnüge!" Dann schloß es das Auge einen Augenblick, öffnete es wieder und sprach: „Friede sei mit Euch, Freunde und Genoffen, Friede vom gütigen Herrn der Welt, dem aller Frieden angehört I" Den beiden Weisen kamen die Thränen, sie dankten dem Kinde und ertheilten demselben abermals ihren Segen. Sie blieben über Nacht bei der Wiltwe. Den andern Morgen in der Frühe nahmen sie Abschied und setzten ihren Weg fort. Als sie zu R- Simon kamen, erzählten sie ihm das Begegniß. N. Simon ward ebenfalls von Erstaunen ergriffen und sprach dann: „Das Kind ist freilich der Sohn eines gewaltigen Felsens, und ihm kommt solches und noch mehr zu, als der Mensch sich denken mag, — es ist der Sohn Hamnunas, des Alten." Tief ergriffen hiervon sprach der Sohn R. Simons, R. Elasar: „Ich muß hingehen, muß dieses leuchtende Licht sehen!" „Es ist kein gewöhnliches leuchtendes Licht," versetzte R. Simon, „es ist ein geheimnißvolles Licht, ausgegangen vom Lichte seines Vaters. — Solche tieffinnige und heilige Worte sind selbst nnter uns noch nicht vernommen worden." *) Ps, 116, 13. Verantwortliche Redaction: Dr. Lehman». — Verlag der Le Ronx'schen Hosbnchhandlung. — Dampf-SchneHprefiendruck von I. Gottsleben in Main».

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