Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1864-10-12 · Heft 41-42 (12.10.1864) · page 15

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
5 (1864)
Issue
Heft 41-42 (12.10.1864)
Date
1864-10-12
Page
– (sequence 15)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
98% known words query
IRI
…/2446951-2447141-2447182--02938-2458306
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

5L5 erhebt, um den Segen über Israel zu sprechen, sie reiht sich an die Hand, die Moses zum Gebete für Israel erhoben,*) und dennoch sollte man wagen, mit unreinen Händen den Segen Gottes zu sprechen! O Ihr, die Ihr Euch weise dünkt, wie konntet Ihr dieses unbeachtet lassen! -- Ja, Ihr habt Schemas«, den Frommen, nicht gehört, der gesprochen: Jeder Schmutz und jede Unreinigkeit führt ab von Gott nach der gegnerischen Seite hin." Von Erstaunen ergriffen, saßen die beiden Weifen eine Weile stumm da und vermochten kein Wort zu sprechen. Endlich begann R. Jehuda: „Sage mein Kind, wie heißt Dein Vater?" Das Kind schwieg eine Weile, stand dann auf und ging zur Mutter hin, küßte sie und sprach: „Mutter! die Weisen haben mich nach dem Namen meines Vaters gefragt, soll ich es ihnen sagen?" „Hast Du sie geprüft," frug die Mutter, „ob sie auch dessen würdig sind?" „Ich habe sie geprüft," antwortete das Kind, „sie aber nicht gefunden, wie es sich geziemt." Da sagte ihm die Mutter einige Worte in das Ohr, und das Kind ging dann wieder zu den Männern und sprach: „Ihr habt mich nach meinem Vater gefragt, er ist lange schon aus dem Leben geschieden, und dennoch ist er der Geleitsmann eines jeden Heiligen und Frommen, der sich auf der Reise befindet, und gehört Ihr zu diesen, so hättet Ihr ihn als Euern Geleitsmann wahrnehmen muffen, — aber ich habe es vorhin schon gesehen und sehe es jetzt. — Mein Vater ist keinem Lastthier begegnet, dem er nicht zu seiner Last eine neue aufgeladen — ich meine die Last der Thora — und da Ihr es nicht verdient habt, daß mein Vater Euch auflade, so verdient Ihr auch nicht, seine Namen zu wissen." „Das Kind dünkt mich keines Menschen Kind zu sein!" sagte voll Erstaunen R. Jehuda zu R. Jizchak. Sie aßen nun, und das Kind sprach während des Essens noch manches tieffinnige Wort. Als sie gegessen, sprachen die Weisen: „Laßt uns den Segen sprechen!" „So ist es recht!" fiel das Kind ein. „Wer den heiligen Namen Gottes preisen will, der soll sich zuerst darauf vorbereiten, und darum beginnt David sein Loblied mit den Worten;**) „„Ich will preisen den Herrn!"" Denn jede heilige Sache bedarf der Vorbereitung. — In der Stunde, wo der Mensch an seinem Tische fitzt, weilt auf der einen Seite die Gottheit, von welcher alle Nahrung und aller Segen ausaeht, aber ihr gegenüber, auf der gegnerischen Seite, steht auch das Sinnliche und Sündhafte, — bereitet sich nun der Mensch nach seinem Mahle vor, dem Heiligen, gelobt sei sein Namen! zu danken, so wird dadurch die gegnerische Sette besiegt und zum Schweigen gebracht,- thut er dieses nicht, so frohlockt die gegnerische Seite und regt sich, ihren Antheil an dem Danke zu haben." „Ich muß uns glücklich preisen!" rief R. Jehuda, „in meinem ganzen Leben habe ich solche Worte noch nicht vernommen! Ich habe es schon gesagt, das Kind ist kein gewöhnliches Menschenkind! Aber sage — sprach er zu dem Kinde gewandt — sage Kind, dem Gottes Engel nahe find, Du sprachst vorhin von fünf Riegeln, und doch spricht die heilige Schrift von einer Menge von Riegeln, so wie es ja heißt:*) „„Und Du sollst Riegel machen, fünf an der einen Seite," fünf an der andern Seite, und fünf an der Westseite Du siehst also, die heilige Schrift spricht von mehreren Riegeln; auch hat ja der Mensch zwei Hände!" „Ja, ja!" antwortete das Kind," „das ist, wie man zu sagen pflegt: „„Aus dem Munde des Menschen selbst hört mau, wer er ist."" — Weil Ihr es indessen nicht gefunden, so will ich es Euch sagen." — Und es begann weiter und sprach: Koheleth sagt:**) „„Der Weise hat seine Augen im Kopse,"" ei, welcher Mensch hat denn seine Augen nicht im Kopfe? gibt es einen Menschen, der sie am Leibe oder am Arme hat? ist der Weise hierin anders als die andern Menschen? — Doch der Sinn des Verses ist Der: Unsere Weisen sagen: Der Mensch soll nicht vier Ellen weit mit unbedecktem Haupte gehen, weil Gottes Majestät über seinem Haupte thront, und ein solches Gehen ein freches Auftreten gegen die Gottheit bezeichnen würde. — So richtet denn der Weise sein Auge und auch sein Wort nach seinem Haupte, d. h. auf Das, was über seinem Haupte ruht. — Wenn dahin die Augen des Menschen gerichtet sind, dann weiß er auch, daß das Licht, welches über seinem Haupte leuchtet und von welchem alles geistige Licht ihm zukommt, des Oeles als Nahrung bedarf. — Der Leib des Menschen ist nur der Docht, das Licht aber kommt ihm von oben, und darum ruft auch Salomo:***) „„Laß es am Oele über Deinem Haupte nicht fehlen!"" — Das Oel aber für das Licht über dem Haupte des Menschen, das sind seine gute Thaten. — Ihr seid gewiß Weise und GottkS Geist weilt über Euerem Haupte, und dennoch habt Ihr Das nicht gefunden. Die heilige Schrift spricht wohl von der einen Seite und von der andern Seite, aber nicht von einer dritten und einer vierten; nur zwei Seiten, die gute und heilige und die ihr entgegengesetzte sind zu beachten." *) 2 B. M. 26. 26. f. f. **) Pred. 2, 14. ***) Pred. S, 8. *) 2 B. M. 17. 11. **) Ps. 34. 2.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.