Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 5 (1864)
- Issue
- Heft 41-42 (12.10.1864)
- Date
- 1864-10-12
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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552 Mitteln eine neue Synagoge erbauen lassen und dieselbe am letztverwichenen Sonntage feierlich eingeweiht. Vom alten Beethause aus, allwo die Gemeindemitglieder sich gegen Mittag versammelt hatten, ward präcis 121/2 Uhr, vom Gemeinde-Vorstände eröffnet, der übliche Festzug unternommen, welchem an dem Rathhause der Magistrat, die Stadtverordneten, so wie die andern eingeladenen Ehrengäste, sich anschlossen. Vor der neuen Synagoge angelangt, ward der Bürgermeister der Stadt Seitens der Vorsteher zu der bekränzten Pforte geführt und aufgefordert, mit dem Schlüssel, welchen eine der weißgekleideten Jungfrauen ihm überreichte, das Gebäude zu öffnen. Er that dies mit einer, diesem feierlichen Akte angemessenen Ansprache, woraus der Zug in die heiligen Hallen eintrat und die eigentliche Einweihungsfeier begann. Sie war wirklich schön, denn sie war ehrwürdig und erhebend, wozu die gediegene Feftpredigt, welche von dem hiesigen Rabbiner, Hrn ör. Löwen meyer, gehalten wurde, wesentlich beitrug. Derselbe sprach, anlehnend an Zach. 8, 16 über „Wahrheit, Recht und Frieden," welche im Hause des Herrn thronen und von diesem, segensreich wirkend, nach allen Richtungen hin ausströmen sollen, — und seine Worte waren so warm und so ergreifend, daß sie auf alle Hörer den tiefsten Eindruck Hervorbringen mußten.— Die Festgesänge, ausschließlich in hebräischer Sprache, wurden unter Leitung des Cantors vom Chore schön und würdig vorgetragen. Auf die Festrede und das ihr angeschlossene Weihegebet folgte das „Gebet für den König," welches ebenfalls von Herrn Rabbiner vr. Löwenmeyer gesprochen wurde. — Abends fand ein solennes Festmahl statt, bei welchem es an sinnigen Toasten nicht fehlte. Die Reihe derselben eröffnete Or. Löwenmeyer mit einem Hoch auf S. M. den König; der zweite Toast vom Bürgermeister ausgebracht, galt dem geistlichen Festredner, der dritte der Stadt und ihren Vertretern, der vierte der jüdischen Gemeinde u s. «. Tarnowitz, 22. Sept. Am 20. d. M. feierte die hiesige jüdische Gemeinde die Einweihung ihrer neu erbauten Synagoge. Nachdem Vormittags Hunderte von Fremden herbeigeströmt waren, bewegte sich um 1 Uhr Nachmittags der Festzug von dem Bischofsky'schen Saale aus, wo die Thorarollen aufbewahrt waren, nach der neuen Synagoge. Die Schuljugend mit ihren Fahnm, die beim Bau beschäftigten Handwerker, das Musikchor, das Sängerchor, die städtische Fahne, die das Kissen mit dem Schlüssel tragende Jungfrau, die Vertreter der Stadt, so wie die Spitzen der Behörden, die Geistlichkeit beider christlichen Confeffionen gingen den unter zehn Baldachinen, größtentheils von Rabbinern getragenen, und von weißgekleideten Jungfrauen begleiteten, Thorarollen voran, worauf das zahlreiche, sich dem Zuge anschließende Publikum folgte, einen Festzug bildend, wie solcher in unserer Stadt wohl noch nie dagewesen fein mag. — Nachdem der Rabbiner, Herr Deutsch aus Sohr au O/S., die durch ihren reizenden Baustyl einen ungemein günstigen Eindruck gewährende Synagoge unter angemessenen, einleitenden Worten eröffnet hatte, begann die eigentliche Feier in der Synagoge selbst, wo die Reden der Herren Rabb. vr. Hirschfeld aus Gleiwitz und Ör. Joäl aus Breslau die zahlreich versammelte Menschenmenge aller Confessionen in eine gehobene Stimmung versetzen. Abends 6 Uhr fand in dem Bischofsky'schen Saale ein solennes Diner statt, bei welchem, in Folge der sinnigen Tischreden, die größte Heiterkeit herrschte. — Nachdem die Gemeinde ihr Werk unter den schwierigsten Verhältnissen zu einem glücklichen Ende geführt hatte, wird das Andenken an den Tag der Einweihung noch lange unverwischt Zurückbleiben, um so mehr, als dieses Fest einen schönen Beweis der Einigkeit aller Confessionen lieferte. Auch die städtischen Armen, ohne Unterschied der Confession, werden freudig dieses Tages gedenken, da sie sämmtlich den Tag nach der Einweihung durch den Gemeinde-Vorstand in einem hiesigen Restaurations- Lokale bewirthet wurden. Für die Familien der in Schleswig gebliebenen Krieger ergab die beim Diner ftattgchabte Sammlung ein nicht unansehnliches Resultat. Frankreich. Pari-, 30. Sept. Der Abend-„Moniteur" ist der Ansicht, daß die Annahme des franeo-helvetischen Handelsvertrages in kurzer Zeit auch die bürgerliche Gleichstellung der Israeliten in der Schweiz nach sich ziehen werde. Es könne dies auf zweierlei Weise geschehen, entweder durch Abänderung der allgemeinen Bundes - Verfassung oder durch Verzichtleistung der einzelnen Cantone zu Gunsten der Juden auf die exclusiven Bestimmungen der Art. 41 und 48 der helvetischen Verfassung. Paris. Die „Arch.-JSr." erzählen Folgendes: „Als die Kaiserin unter dem Namen einer Gräfin von Montereau nach Schwalbach reiste, wurde für dieselbe von Herrn von Rothschild ein Kredit-Brief verlangt, welchen Herr von Rothschild folgendermaßen ausstellte: „„Herr von Rothschild zu Paris bittet Herrn von Rothschild zu Frankfurt, der Frau Gräfin von Montereau seine Person und sein Vermögen zur Verfügung zu stellen."" " Herr Feullier de CoucheS hat so eben eine Reihe von Briefen Ludwigs XVI., Maria Antoinettens und der Prinzessin Elisabeth veröffentlicht. In der Correspondenz dieser letzteren findet mau